Prix Courage 2008

«Nein-Sager sind oft die Stärkeren»

Text:
  • Emil Steinberger
Bild:
  • Philipp Rohner
Ausgabe:
11/08

Komiker Emil Steinberger, Stargast an der letztjährigen Verleihung des Prix Courage, über den Mut, nein zu sagen.

(Bild: Philipp Rohner)

Eine Frau fragt ihren Mann: «Kann ich mit diesem Hut in die Stadt gehen?» - «Wenn er dir gefällt, dann wüsste ich nicht, wieso du zögerst», antwortet er. Und sie erklärt: «Ich habe halt Angst, dass die Leute mich auslachen oder schräg anschauen könnten.»

Viele Menschen fragen sich täglich: «Darf ich das? Soll ich das? Und was denken die anderen?»

Bis 33 musste ich oft zugeben, dass ich kein Bier trinke. In meiner Kindheit rochen meine Hände jeweils fürchterlich, wenn ich für die Eltern aus der Beiz zwei Flaschen Bier holen musste. Und je nach Wetterlage lag über unserem Quartier ein starker Hopfengeruch von einer Brauerei. Auch dieser Umstand trug dazu bei, dass ich Bier nicht mochte. Ich wurde dafür oft ausgelacht, oder man tauschte heimlich mein Glas Rivella durch ein Bierglas aus.

Als wir mit dem Militär eine Brauerei besuchten und an langen Tischen Platz nahmen, um ein Bier zu trinken, beichtete ich dem Zapfmeister, dass ich kein Bier trinke. «Kein Problem!», sagte er. «Wo sitzt du?» Doch dann wurden die Steinkrüge über den Tisch geschoben, und ich wusste, der nächste würde bei mir landen. Was sollte ich machen? Ich hob im Kollektiv den Krug hoch, setzte ihn an die Lippen, wusste aber, dass ich keinen Schluck trinken würde. Doch welch schöne Überraschung: In meinem Krug war Sinalco! Der Zapfmeister zwinkerte mir zu.

Diesen Moment werde ich nie vergessen. Ich war stolz, meiner Linie treu geblieben zu sein. Es braucht dazu immer etwas Mut, denn unter Kollegen wird ein Nein-Sager schnell als Weichling belächelt. Dabei, unter uns gesagt, sind die Nein-Sager oft die Stärkeren.

Als ich später mal in München nach einer Vorstellung grossen Durst hatte, erlaubte ich mir, ein Bier zu bestellen. «Was für ein Bier?», fragte die Kellnerin vorwurfsvoll. «Ein Bier...», wiederholte ich verunsichert und outete mich als purer Anfänger. Ein Pils oder Weizen hätte ich bestellen müssen.

Wenn es beim Beobachter um den Prix Courage geht, dann ist kaum die Rede von einem Hut oder einem Bier. Aber manche müssen eben mit kleinen Übungen anfangen, um später Grösseres zu leisten.

Anzeige:

© Beobachter Ausgabe 11 vom 28. Mai 2008 - Alle Rechte vorbehalten

  • Prix Courage

    Prix Courage


    Seit 1997 verleiht der Beobachter den Prix Courage, den Preis für ausserordentliche, mutige Taten.

    Dossier

created by snowflake productions gmbh