aktualisiert am 24. Jul 2009 18:26Immoblilienunternehmen
Millionen verschwunden
- Text:
- Peter Johannes Meier
Eklat in der Zürcher SE Swiss Estates: Der Verwaltungsrat beschuldigt CEO Udo Rössig, Millionen abgezweigt zu haben. Dieser weist die Vorwürfe zurück.

Udo Rössig, Ex-Geschäftsleiter der SE Swiss Estates
Das Immobilienunternehmen SE Swiss Estates hat gegen seinen Geschäftsführer Udo Rössig Strafanzeige wegen Veruntreuung und weiterer Wirtschaftsdelikte eingereicht. Verwaltungsratspräsident Franz Josef Lerdo ist per sofort aus dem Verwaltungsrat zurückgetreten. Bis 2007 war Lerdo Vorsitzender der Geschäftsleitung der Dresdner Bank Schweiz, 2008 wurde er in den Verwaltungsrat der SE Swiss Estates gewählt.
Udo Rössig soll dem börsenkotierten Unternehmen einen Schaden von rund 3,4 Millionen Franken zugefügt haben. Das Geld soll ihm persönlich oder in von ihm kontrollierte Tochterfirmen geflossen sein. Rössig weist die Vorwürfe zurück.
Die SE Swiss Estates kauft und verwaltet Liegenschaften in der Schweiz. Das Firmenkonzept ermöglicht es zudem Ausländern, in Schweizer Immobilien zu investieren. Trotz Lex Koller ist dies möglich, indem sich die Ausländer über nicht stimmberechtigte Partizipationsscheine an der SE Swiss Estates beteiligen. Die Mehrheit der Aktien – und auch der Grossteil des Kapitals – ist dagegen im Besitz von rund zwei Dutzend Schweizern.
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Seit Frühling 2009 kämpft die SE Swiss Estates mit Liquiditätsproblemen. Gemäss Abklärungen externer Bücherexperten soll Aston-Martin-Fahrer Rössig bereits längere Zeit damit beschäftigt gewesen sein, das Unternehmen finanziell auszuhöhlen. Rössig wurde als CEO nach nur einem Monat wieder abgesetzt. Zuvor war er der Sekretär des Verwaltungsrates. Im Juli veröffentlichte das Unternehmen eine Gewinnwarnung.
Rössig beschuldigt den Verwaltungsrat illegaler Machenschaften: «Ich habe bereits Strafanzeige gegen mehrere Verwaltungsräte eingereicht, weil sie einen Schaden von rund 14 Millionen Franken verursacht haben.» Rössig sieht sich als Opfer böswilliger Unterstellungen. Der ausgebildete deutsche Polizist hatte die Zürcher Strafverfolgungsbehörden über viele Jahre beschäftigt. 2000 war er wegen betrügerischen Konkurses rechtskräftig verurteilt worden. Rössig pflegte schon damals einen besonders aufwendigen Lebensstil, besass mehrere Luxusautos, eine Villa auf Ibiza und ein Privatflugzeug. Nach der Verurteilung folgten weitere Verfahren wegen Wirtschaftsdelikten, die aber eingestellt wurden. Die amtierenden Verwaltungsräte der SE Swiss Estates wollen erst im Frühling von Rössigs schillernder Vergangenheit erfahren haben.
2004 gleiste Rössig die SE Swiss Estates auf, erschien persönlich aber vorerst nicht im Handelsregister. Als ersten Verwaltungsratspräsidenten konnte er Thomas Borer gewinnen. Der ehemalige Botschafter in Berlin sollte als Türöffner für ausländische Kunden agieren. Nachdem Borer von Rössigs Vorgeschichte erfahren hatte, trat er sofort zurück. Ihm folgten Deutsche in den Verwaltungsrat: Graf Carl Hardenberg, Unernehmensberater und Begründer einer renommierten Anwaltskanzlei in Berlin - oder eben Franz-Josef Lerdo.
© Beobachter Online 24. Jul 2009 - Alle Rechte vorbehalten


