Nachlese
Fieses Foul an Fussballern
Neuerdings müssen Fussballer vor einem Spiel sämtlichen Schmuck ablegen. Ein gefundenes Fressen für Garderobengauner, wie die Senioren des FC Reinach erfahren mussten.

(Bild: Pixelquelle)
Polizisten haben ihre eigenen Wörter: Sie sprechen nicht einfach von einem Dieb, sondern von einem Einschleichdieb. Drunter gehts nicht. Oder von Dämmerungseinbrechern. Nun kann die Polizei eine neue Kategorie eröffnen: den Garderobengauner. Eine Kreuzung aus beiden. Seit einem Beschluss des Schweizer Fussballverbands sind Fussballergarderoben nämlich wahre Schatzkammern. Fussballer bis hinunter in die Tiefen der Senioren-Ligen müssen sich seit kurzem vor einem Spiel sämtlichen Schmucks entledigen - bis aufs letzte Piercing.
So verloren die Senioren des Fussballklubs Reinach BL kürzlich nicht nur ihr Auswärtsspiel gegen Dornach SO, sondern die gesamte Barschaft. Alle Portemonnaies waren während des Spiels gestohlen worden, zudem der ganze Schmuck bis hin zum Ehering. Alles weg! Dabei hatten sie die Wertsachen eigens in einem Tresor in der Kabine verstaut. Nach dem Match war der Tresor aufgebrochen. Ein Kinderspiel offenbar und ziemlich risikolos. Einbrecher müssen nach Spielanpfiff während der 45 Minuten bis zur Pause kaum damit rechnen, gestört zu werden.
«Wozu in hochgesicherte Bijouterien einsteigen», scheinen sich die Schmuckräuber zu sagen, «wenn doch in Fussballergarderoben die Beute so tief hängt?» Also satteln sie um und werden Garderobengauner. Wegen der Schmuck-Weisung des Fussballverbands ist es deshalb kein Wunder, wenn die Umkleidekabinen neben den Fussballplätzen auf Diebe eine ähnlich starke Anziehungskraft ausüben wie das Licht auf Motten. Und dass Senioren sich als Opfer solcher Beutezüge besonders eignen, ist klar: Welcher Junior trägt schon eine Rolex?
Der Finger bleibt dran
Der Präsident des FC Reinach, Josef Küng, lässt «aus Prinzip» nichts mehr in der Garderobe liegen. Er ist seit einem Freundschaftsspiel Reinach gegen Gelterkinden vor einem Jahr sensibilisiert. «Gelterkinden wurde total ausgeraubt», berichtet er. Die Gelterkinder hatten vergessen, den Duschraum abzuschliessen.
Die Fussballfunktionäre machen eine einzige Ausnahme vom Schmuck-Verbot: Geht der Ehering nicht ab, darf er dranbleiben. Fingerabhacken hält der Verband dann offenbar doch für übertrieben. Sollten Sie künftig viele Männer mittleren Alters in Turnhosen sehen, die am Spielfeldrand an ihren Ringfingern rubbeln, wissen Sie nun warum.
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© Beobachter Ausgabe 25 vom 05. Dez 2007 - Alle Rechte vorbehalten

