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Amtsschimmel

Jahrelang geschlafen – peinliche Panne beim Berner Strassenverkehrsamt

Text:
  • Matieu Klee
Bild:
  • Stock-Kollektion colourbox.com
Ausgabe:
17/09

Zugegeben, die Berner Lang­sam­keit ist Klischee. Doch ausgerechnet eine Berner Amtsstelle schafft es, dieses zu bestätigen und noch zu übertreffen.

Das Strassenverkehrsamt Bern liess elf Jahre ins Land ziehen, bis es Adrienne Schwyzer «nach­träglich» zum siebzigsten Geburtstag gratulierte und sie zugleich zu einer ärztlichen Kontrolluntersuchung aufbot.

Das amtliche Schreiben landete im Briefkasten eines Nachkommen, der im Elternhaus wohnt. Adrienne Schwyzer, die heute 81 Jahre alt wäre, verstarb 1997. Ihren Führerausweis hatte sie Jahre zuvor freiwillig abgegeben. Sohn Roger Schwyzer beschwerte sich schriftlich beim Strassenverkehrsamt: «Als wir das Aufgebot zur medizini­schen Untersuchung für unsere Mutter erhielten, waren wir erst sprachlos, anschliessend betrof­fen, verärgert, belustigt, schockiert und fassungslos.» Jetzt war es vorbei mit der Berner Beschaulichkeit: Das Strassenverkehrsamt entschuldigte sich umgehend. Zurzeit bereinige es sämtliche Führerausweisdaten für ein zentrales ­Bundesregister. Dabei sei das Schreiben «irrtüm­lich ausgelöst» worden.

Ein Blick auf die Adresse hät­te genügt, um den Fauxpas zu bemerken. Adrienne Schwyzer wohnte in 4253 Liesberg im Lau­fental. Dieses wechselte 1994 vom Kanton Bern zu Baselland. Seither ist dort das Berner Strassenverkehrsamt nicht mehr ­zuständig. Das müsste eigentlich, langsam aber sicher, selbst bis in die Berner Amtsstuben durchgesickert sein.

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