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    Weggesperrt

    Warum Tausende in der Schweiz unschuldig hinter Gittern sassen

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Auslandschweizer

Käse, Schokolade und mehr

Text:
  • Susanne Loacker
Bild:
  • Stephan Rappo
Ausgabe:
16/10

Mit jungen Auslandschweizern unterwegs in der Heimat ihrer Vorfahren: Wie gefällt es ihnen hier? Und was verbindet sie mit der Schweiz?

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«Toblerone habe ich am liebsten.»: Kirsten Hanggi, 13, Kalifornien

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«Ich könnte mir vorstellen, später einmal hier zu leben.»: Federico Trezzini, 15, Italien

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Touristen der besonderen Art: Jugendliche mit Schweizer Wurzeln auf dem Vierwaldstättersee

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«Uns gefällt, dass man der Natur hier viel mehr Sorge trägt als bei uns zu Hause.»: Sofia und Laura Studer, 15 und 13, Argentinien

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«Ich habe Familie und Freunde überall auf der Welt.»: Dario Zavalloni, 16, Italien

«Das Essen hier imponiert mir nicht besonders», sagt Federico Trezzini: «Schliesslich lebe ich in Italien.» Der grossgewachsene 15-Jährige mit roter Schirmmütze lächelt verlegen und schränkt dann ein: Doch, der Käse schmecke ihm schon hervorragend – und die Schokolade.

Federico ist schon zum siebten Mal in der Schweiz; diesmal als Teilnehmer einer zehntägigen «Tour de Suisse», die von der Stiftung für junge Auslandschweizer (SJAS) durchgeführt wird: Die 24 Jugendlichen zwischen 12 und 16, alles Kinder von Auslandschweizern, absolvieren eine Route, die von der Innerschweiz über das Bernbiet nach Schaffhausen führt – mit öffentlichem Verkehr, Velos, Schlauchbooten und viel gesponserter Schokolade. Die Plätze im Ferienlager sind begehrt; die «Tour de Suisse» ist jeweils sehr schnell ausgebucht (siehe «Hintergrund»).

Leider zeigt sich das Wetter im Land der Vorfahren wenig gastfreundlich. Während der Schiffsreise von Brunnen nach Luzern giesst es in Strömen.

Lagerleiterin Janine Sobernheim hat deshalb das Programm für den heutigen Tag kurzfristig geändert. Eigentlich hätte die Gruppe die Tellsplatte und das Rütli besuchen sollen. Stattdessen hat man den Vormittag in einer Schwyzer Schaukäserei verbracht.

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«Sehen meine Haare okay aus?»

Die zwölf Mädchen und zwölf Buben kümmert das herbstlich anmutende Wetter über dem Vierwaldstättersee kaum. Es herrscht Aufregung beim Fototermin. Die Mädchen erkundigen sich noch kurz bei einer neuen Freundin: «Does my hair look okay?» Eine Bürste macht die Runde. «Die Mädchen schliessen sich rasch in kleinen Gruppen zusammen, meist mit Kolleginnen, die dieselbe oder eine ähnliche Sprache sprechen», sagt Rumi Rivas, der als Zivildienstleistender dabei ist. Die Buben seien bald einmal alle gut Freund.

Rivas war selbst ein Auslandschweizerkind und ist in Bolivien aufgewachsen: «Aber wenn wir in der Schweiz waren, mussten wir immer so viele Leute besuchen, dass ich nie in ein solches Lager durfte. Es hätte mir sicher super gefallen.»

Auch die Schwestern Sofia, 15, und Laura Studer, 13, Töchter eines in Buenos Aires tätigen Finanzberaters, schwärmen von der interessanten Zeit im Lager. Beide könnten sich durchaus vorstellen, später einmal in der Schweiz zu leben. Und der Schweizer Käse hat es ihnen besonders angetan: «Raclette» kommt Laura fast akzentfrei über die Lippen, obwohl man zu Hause ausschliesslich Spanisch spricht – der Mutter zuliebe, die kein Deutsch beherrscht.

Anders als die Studer-Schwestern ist die 13-jährige Kirsten Hanggi nicht zum ersten Mal in der Schweiz. Die Kalifornierin, der an diesem Tag die Sonne ihrer Heimat ganz besonders fehlt, hat einen Urgrossvater, der seinerzeit als Koch nach Amerika auswanderte. Auch Kirstens Grossvater spricht noch Deutsch. Sie selber kennt vor allem ein süsses Wort: «Toblerone – that’s my favorite!»

Ein Kilo Schoggi putzen sie locker weg

Eben haben die Lagerleiter ihren Schützlingen gezeigt, wie man Schokolade zum Zmittag isst: ein Stück Brot, ein Rippli Schoggi drauf, fertig ist das Schweizer Sandwich. Und aufgebraucht ist auch der leckere Vorrat für den heutigen Tag, ein Kilo ist berechnet und natürlich im Handumdrehen verschwunden.

Dario Zavalloni ist 16 und spricht astreines Schweizerdeutsch. Auf seinem Namenstäfelchen zeigen Farbtupfer an, dass man sich mit ihm auch italienisch, englisch und hochdeutsch unterhalten könnte. Der Sohn eines Lehrers und einer Sozialarbeiterin hat in der Schweiz gelebt, bis er sieben war. «Dann sind wir weggezogen, ich habe auf einen Schlag alle Kollegen verloren. Das war schon bitter.»

Aber bald hat Dario im italienischen Cervia neue Freunde gefunden. Bevor es bald wieder heim ans Meer geht, möchte er seine Cousins in Oerlikon besuchen. Daheim wird er den Rest der langen italienischen Sommerferien damit verbringen, den Grosseltern in ihrem Geschäft zu helfen, das Utensilien für das Strandleben führt. Und er freut sich schon jetzt aufs Winterlager in der Schweiz: Dann wird er einen guten Freund wiedersehen, den er in einem früheren Lager kennengelernt hat. «Eigentlich», sinniert Dario, «ist es so perfekt, ich habe an vielen Orten der Welt Familie und Freunde von überall her.»

Hintergrund

Begehrt: Ferien in der Schweiz

Seit gut 40 Jahren veranstaltet die Stiftung für junge Auslandschweizer (SJAS) Ferientreffs für Kinder verschiedener Altersgruppen. Manche sind klassische ortsgebundene Lager, ­andere sind als Reisen durch attraktive Regionen konzipiert.

Anfänglich fanden sie alle zwei Jahre statt. Da die Nachfrage aber stetig wuchs, gibt es nun jedes Jahr mehrere Lager, im Sommer wie im Winter. Trotzdem müssen sich Eltern schnell entscheiden, denn die Anlässe sind innerhalb weniger Tage nach der Ausschreibung im Newsletter ausgebucht. Finanziell weniger gut gestellte Familien können ein Gesuch um Beitragsreduktion stellen.

Vermögenden Eltern steht es frei, den Kosten­beitrag aufzurunden, um Kindern aus weniger begünstigten Verhältnissen die Teilnahme zu ermöglichen. Internet: www.sjas.ch; Telefon 031 356 61 16

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© Beobachter Ausgabe 16 vom 05. Aug 2010 - Alle Rechte vorbehalten

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