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Editorial

Schlechte Aussichten für Postkunden

Text:
  • Matthias Pflume
Ausgabe:
3/10

«Von der Liberalisierung profitieren lediglich die Grosskunden.»

Die Post ist ins Gerede gekommen, und das nicht erst seit dem Konflikt um ihren geschassten Verwaltungsratspräsidenten Claude Béglé. Wie sonst nur die SBB steht die Post für den Zusammenhalt des Landes – oder sollte man sagen: stand? Seit Jahren fällt die Post nicht mehr durch guten Service auf, sondern durch dessen Abbau. Poststellen werden geschlossen, Arbeitsplätze gestrichen, Briefkästen seltener geleert oder gleich verschrottet. Neben dem Service public leidet so auch der Ruf der Post.

In unserer Titelstory (siehe Artikel zum Thema «Liberalisierung: Die Post kommt nicht mehr gut an») berichten wir über die Resultate einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Beobachters. Danach sind 44 Prozent der Befragten der Meinung, dass sich die Dienstleistungen der Post in den letzten Jahren verschlechtert haben. Selbst die ungeliebten Banken schneiden in Sachen Service besser ab.

Wenn die A-Post alt aussieht

Die Führung der Post präsentiert sich gern als Leidtragende eines gesellschaftlichen Wandels. Weil weniger Briefe verschickt würden, müsse man eben die Kosten senken. Doch wer ständig Dienstleistungen abbaut, sollte sich nicht wundern, wenn die Kundschaft Alternativen zum Brief sucht. Wenn der Briefkasten im Quartier nach acht Uhr morgens nicht mehr geleert wird, sieht selbst die A-Post ziemlich alt aus. Dass die Post mit der Grundversorgung jährlich Hunderte von Millionen Franken Gewinn einfährt, macht die Sache noch ärgerlicher.

Mag sein, dass sich die Post für die geplante vollständige Abschaffung des Briefmonopols neu ausrichten muss. Marktideologen argumentieren, dass dann auch die Privatkunden vom Wettbewerb profitieren würden. Heute gelten Hunderte von Poststellen als unrentabel – wieso sollte ihr Betrieb günstiger werden, wenn man sich den Markt mit Konkurrenten teilen muss?

Dass eine Liberalisierung nicht automatisch zu besseren Bedingungen für die Kunden führt, hat gerade erst der Strommarkt gezeigt, wo die Preise für die Konsumenten zum Teil drastisch gestiegen sind. Auch beim Briefgeschäft werden Grosskunden noch höhere Rabatte aushandeln können, die bei den Privaten kompensiert werden müssen.

Genau dies ist in Schweden passiert, das oft als Beispiel einer gelungenen Liberalisierung gilt. Dort wurden die Poststellen geschlossen und durch ein reduziertes Angebot in Läden und Tankstellen ersetzt. Die Bevölkerung profitiert von längeren Öffnungszeiten, muss aber deutlich mehr zahlen als früher.

Die Briefträger des Ex-Monopolisten sind weiter für die Grundversorgung im Land zuständig, denn Privatanbieter haben daran kein Interesse. Der teure Service public blieb also Sache der Post – von der Liberalisierung profitieren lediglich die Grosskunden.

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© Beobachter Ausgabe 3 vom 04. Feb 2010 - Alle Rechte vorbehalten

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