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Elektroschockwaffen

«Das ist für mich ein Mordinstrument»

Text:
  • Yvonne Staat
Bild:
  • Büttner/Devènes
Ausgabe:
21/07

Der Nationalrat will bei Zwangsausschaffungen sogenannte Taser zulassen. Bundesrat und Ständerat waren dagegen. Auch SP-Nationalrätin Ruth-Gaby Vermot warnt.

Beobachter: Sie sagen, Elektroschockwaffen könnten Menschen töten. Sie berufen sich dabei auf eine Studie von Amnesty International. Die Menschenrechtsorganisation betont aber, dass nicht klar ist, ob in den geprüften Fällen der elektrische Schock auch tatsächlich die Todesursache war.
Ruth-Gaby Vermot: Das stimmt. Trotzdem ist die Waffe für mich ein Mordinstrument. Besonders ältere Menschen, Leute mit Herzschrittmachern sowie Menschen, die unter Stress stehen oder Drogen konsumiert haben, können getötet werden, wenn man ihnen 50'000 Volt durch den Körper jagt. Dieses Risiko ist zu gross.

Beobachter: Bei Zwangsausschaffungen geht es aber vor allem um junge, gesunde Männer.
Vermot: Bisher gibt es keine unabhängige wissenschaftliche Studie, die garantiert, dass nicht auch junge Männer gefährdet sind. Bevor derart gefährliche Waffen zugelassen werden, braucht es dringend solche Untersuchungen.

Beobachter: Gibt es Situationen, in denen Sie den Einsatz von Elektroschockwaffen befürworten?
Vermot: Nein, in keiner Situation. Auch nicht bei der Ausschaffung von Schwerverbrechern, die gewalttätig sind.

Beobachter: Was schlagen Sie vor?
Vermot: Bei Ausschaffungen ist jeglicher Einsatz von Waffen unverhältnismässig und gefährlich. Es braucht bei aggressiven Personen mehr geschulte Polizisten. Dann kann man auch solche Leute überwältigen.

Beobachter: Viele Polizisten befürworten Elektroschockwaffen.
Vermot: Es ist keineswegs Sache der Polizei, sondern der Politik, über den Einsatz solcher Waffen zu entscheiden. Ausserdem hat sich die Konferenz der kantonalen Polizeidirektoren ablehnend gegenüber Elektroschockwaffen geäussert. Wenn sogar die Polizeidirektoren Vorbehalte haben, kann man doch nicht bedenkenlos Polizisten damit ausrüsten.

Beobachter: Sind Elektroschockwaffen nicht insofern sinnvoll, als sie die viel gefährlicheren Schusswaffen unnötig machen?
Vermot: Genau so argumentieren die Befürworter. Sie sagen, verglichen mit den Schusswaffen seien Elektroschockgeräte ein humaneres Mittel und deshalb eigentlich eine gute Sache. Das ist zynisch! Das Argument gibt vor, dass die Polizei bei Ausschaffungen häufig Schusswaffen einsetzt. Ich weiss aber, dass 90 Prozent der Ausschaffungen in der Regel gewaltlos verlaufen. Es gibt jedoch sehr unberechenbare Menschen - hier sind Handschellen angebracht und, eben, mehr Personal. Sicher keine Waffen.

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© Beobachter Ausgabe 21 vom 10. Okt 2007 - Alle Rechte vorbehalten

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