Entsorgung Illegale Quecksilber-Transporte

Im Visier der Ermittlungen: Batterierecycler Batrec.

Rund 500 Tonnen hoch giftiges Quecksilber sollen illegal aus Deutschland zum Berner Recyclingunternehmen Batrec gelangt sein. In der Schweiz sind Ermittlungen im Gang.

Irgendwann im Jahr 2011 wurde im deutschen Dorsten der erste LKW mit einer unüblichen Fracht beladen: Spezialbehälter, die mit reinem Quecksilber gefüllt wurden – und darüber zur Tarnung eine Schicht Erde. Vom Gelände des Recyclingunternehmens Dela fuhr der Laster vom Ruhrgebiet in die Schweiz. Auf diese Weise wurden in mehreren Transporten rund 500 Tonnen Quecksilber mit einem Marktwert von bis zu 30 Millionen Franken exportiert – illegal. Dies ist der Verdacht der Staatsanwaltschaft Bochum, die auf Anfrage des Beobachters Berichte in deutschen Medien bestätigte.

Eine sichere Quelle nennt den Empfänger der illegalen Giftfracht: das Recyclingunternehmen Batrec Industrie im bernischen Wimmis. Dela und Batrec sind Geschäftspartner. Laut Batrec-Chef Dieter Offenthaler lieferte Dela der Batrec jährlich 100 bis 200 Tonnen quecksilberhaltige Abfälle zum Recycling. Die Importe wurden gemäss Bundesamt für Umwelt (Bafu) entsprechend den internationalen und nationalen gesetzlichen Grundlagen geprüft und bewilligt.

Im vorliegenden Fall sollen allerdings nicht wie deklariert quecksilberhaltige Abfälle, sondern reines Quecksilber eingeführt worden sein. Dafür wird bis zu 60'000 Franken pro Tonne bezahlt. Den Dela-Verantwortlichen wird Betrug und Verstoss gegen das Umweltgesetz vorgeworfen. In Deutschland ist die Ausfuhr von reinem Quecksilber gesetzlich verboten.

Nun ermitteln Schweizer Behörden im Rahmen eines deutschen Rechtshilfegesuchs. Im Visier steht der Batterierecycler Batrec. Geschäftsführer Offenthaler spricht von normalen Materiallieferungen: «Der Quecksilbergehalt der durch die Firma Dela angelieferten Abfälle ist für die Batrec hoch, aber nicht ungewöhnlich.» Sein Unternehmen habe den Untersuchungsbehörden «alle relevanten Daten und Unterlagen zur Verfügung gestellt». Laut der Staatsanwaltschaft Bochum ist eine zweite Schweizer Firma in die illegalen Geschäfte verwickelt.

Mehr zum Fall in der nächsten Ausgabe des Beobachters, die am 13. Juni erscheint.

Autor:
  • Daniel Bütler
Bild:
  • Getty Images