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Eveline Lanz, Sterbebegleiterin

«Einer Sterbenskranken will ich einfach helfen»

Text:
  • Marc Latzel
  •  und Urs von Tobel
Ausgabe:
3/06

(Bild: Marc Latzel)

«Ein mulmiges Gefühl beschlich mich bei der ersten Begleitung schon. Wird dieser Mensch wirklich so friedlich einschlafen, wie mir die Kolleginnen erzählt haben?» Eveline Lanz, 28, ist seit letztem Herbst bei Dignitas tätig. Die erste Sterbepatientin schlief ruhig in den Tod, nachdem sie das Mittel zur Beruhigung des Magens eingenommen hatte und darauf ein Glas Wasser mit 15 Gramm Natrium-Pentobarbital getrunken hatte. «Ich sah, wie sich ihre Züge entspannten – und war mit den Angehörigen traurig, aber auch froh, dass ihr Leiden ein Ende hatte.»

Wie immer filmte ein zweiter Dignitas-Mitarbeiter, wie die Sterbewillige den Becher selber zum Munde führte und austrank. Dies als Beweis für die Behörde, dass der Tod wirklich ihrem Willen entsprach.

Eveline Lanz hatte sich letzten Herbst von sich aus bei Dignitas gemeldet. Das Motto «Menschenwürdig leben, menschenwürdig sterben» deckt sich mit den Vorstellungen der gelernten Kauffrau. Der Tod ihres Grossvaters hatte sie als 14-Jährige aufgewühlt. «Er litt unter sehr starken Schmerzen, Besserung war ausgeschlossen, es war die Einbahnstrasse Richtung Tod.» Für Eveline Lanz war klar, dass sie nie auf diese Art sterben wollte: Sie würde in einem solchen Fall den Freitod wählen. Als sie in späteren Jahren von der Existenz von Exit und Dignitas hörte, reifte der Entschluss, für eine solche Organisation zu arbeiten – administrativ und als Sterbebegleiterin.

Ihr innerer Widerstand hat sich bei der ersten Begleitung gelegt: «Wenn ich eine krebskranke Frau sehe, die nicht mehr sprechen und schlucken kann, weil ihre Zunge amputiert werden musste, will ich ihr einfach helfen. Das Gleiche gilt für den Mann, der an amyotropher Lateralsklerose erkrankt ist und nicht einmal mehr seinen Kopf bewegen kann.» Diese Menschen könnten so dem qualvollen Leidensweg entgehen und in Würde sterben.

Nicht allen Sterbewilligen sehe man die Leiden äusserlich an, so die Sterbebegleiterin. Dann schaffe das Gespräch Klarheit. Eveline Lanz: «Den schwierigsten Weg haben sie zu diesem Zeitpunkt bereits zurückgelegt: Sie mussten sich lange und intensiv mit ihrem eigenen Tod auseinander setzen und ihre Partner und Kinder in ihren Entschluss einweihen.»

© Beobachter Ausgabe 3 vom 02. Feb 2006 - Alle Rechte vorbehalten

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