Jugendgewalt
Jetzt sind die Eltern dran
Der Fokus in der Jugendgewaltdebatte richtet sich immer stärker auch auf die Eltern.

(Bild: Archiv)
Die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli etwa will neu die Eltern von aggressiven Schülern zu Gewaltpräventionskursen verpflichten. Im Kanton Basel-Stadt erwägt man, gegen nicht kooperative Eltern Bussen auszusprechen. Und in St. Margrethen SG wurden zwei Paare, die an einem Elternabend fehlten, mit je 200 Franken gebüsst. Das sind nur drei Beispiele für die Tendenz, Eltern wieder stärker in die Verantwortung zu nehmen.
Beat W. Zemp, Zentralpräsident des Dachverbands Schweizer Lehrerinnen und Lehrer, befürwortet dies: «Wenn sich Eltern bei der Zusammenarbeit total ausklinken, halte ich Bussen als letzte Massnahme für richtig.»
Der Zürcher Sozialwissenschaftler und Kriminologe Denis Ribeaud findet Regine Aepplis Pläne nicht von vornherein schlecht. Bloss: «Sie müssen breit abgestützt und wissenschaftlich evaluiert sein. Und sie dürfen nicht einfach durchgezogen werden, um zu zeigen, dass man durchgreifen will. Nur so kann aus solchen Experimenten etwas gelernt werden.» Mit dem Zwang zum Kurs würden Eltern zudem an Angebote herangeführt, die für viele von ihnen fremd seien. Denn: «Gerade Eltern mit Migrationshintergrund haben durch ihre Erfahrung im eigenen Land und mit den Behörden hier oft ein völlig falsches Bild von staatlichen Unterstützungsangeboten.» Es gebe gar Eltern, die glaubten, man wolle ihnen ihre Kinder wegnehmen.
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© Beobachter Ausgabe 16 vom 31. Jul 2007 - Alle Rechte vorbehalten
