Medikamententests Transparenz à la Roche

Roche baut in Basel: Modellbild des derzeit in Bau befindlichen Hochhauses der Architekten Herzog & de Meuron.

Bürger der DDR waren ahnungslose Versuchskaninchen der Schweizer Pharma-Industrie. Das Basler Unternehmen Roche tut sich schwer mit der Aufarbeitung.

Roche sieht keine Anhaltspunkte, dass die Medikamententests in der DDR (Beobachter Nr. 13/2013) gegen damaliges Recht in Ostdeutschland oder international anerkannte ethische Grundsätze versties­sen. Zu diesem Schluss kommt der Chemiekonzern im Bericht einer internen Arbeitsgruppe, die Tests in den Jahren 1980 bis 1990 untersuchte. Sie zählte bei Roche und ihren späteren Töchtern Syntex und Boehringer-Mannheim 2247 Patienten in 46 Studien, wobei Boehringer für rund 80 Prozent der Tests verantwortlich zeichnete. 51 Todesfälle waren aktenkundig, davon stünden nur drei in direktem Zusammenhang mit den getesteten Medikamenten.

Roche geht mit der ins Internet gestellten Studie einen eigenen Weg. In Deutschland arbeitet eine Forschungsgruppe um den Medizinhistoriker Volker Hess die Geschichte der DDR-Tests auf – sie wird von der deutschen Regierung und vom Verband forschender Arzneimittelhersteller finanziert. Diese Gruppe arbeitet auch die umfangreichen Unterlagen aus dem deutschen Bundesarchiv auf – ein Schritt, auf den Roche verzichtete. Der Konzern stützt sich auf interne Unterlagen, publiziert diese unter Berufung auf den Datenschutz allerdings nicht. Auf Anfrage erklärt ­Roche, man sei überzeugt, «dass das gewählte Vorgehen nicht nur wissenschaftlich angemessen ist, sondern auch der Sensibilität des Sachverhalts Rechnung trägt». Würde die Gruppe Hess vorstellig, beantworte man «selbstverständlich» weitere Fragen.

Autor:
  • Thomas Angeli
Bild:
  • Herzog & de Meuron
07. März 2014, Beobachter 5/2014