Nachlese

Langlaufschnee lebt länger

Text:
  • Gian Signorell
Bild:
  • Béla Zier/«Die Südostschweiz»
Ausgabe:
16/09

Davos übersommert Schnee für unsere Langlaufelite. Die Idee ist grandios. Ihr wahres Potential wird aber noch nicht richtig ausgeschöpft.

Vorgesorgt: Norbert Gruber, Leiter des technischen Dienstes von Davos Tourismus, auf dem mit Sägespänen isolierten sommerlichen Schneeberg

«Schnee von gestern» – überall ist diese Wendung negativ besetzt. Ausser in Davos. Dort mag man den Altschnee. So sehr, dass man ihn nicht gehen lassen will. Zugedeckt unter einer dicken Schicht Sägespäne, überdauert die weisse Pracht den alpinen Sommer, um im Spätherbst, noch bevor der Nachschub vom Himmel rieselt, für eine Langlaufloipe bereitzustehen. Die frühe Trainingsmöglichkeit soll unserer nationalen Langlaufelite jenen Vorteil verschaffen, den sie braucht, um an internationalen Wettbewerben aufs Podest zu steigen. Sägespäne isolieren besser als jene Spezialfolien, die auf Gletschern gegen den Eisschwund eingesetzt werden. Das ist auch gut so, denn im Gegensatz zu den hochalpinen Lagen muss in Davos sowohl die Strahlungseinwirkung als auch die Umgebungstemperatur berücksichtigt werden. Rund 2000 Kubikmeter gross ist der Schneeberg, der an einem Waldrand der Bündner Tourismusgemeinde der Sommersonne trotzt. Das reicht für eine Loipe von immerhin 500 Metern. «Snowfarming» nennt sich dieses Verfahren, das in Skandinavien bereits seit längerem und in grösserem Umfang praktiziert wird.

Der Erfolg gibt den Davosern recht. Im März 2009 wurde Dario Cologna als erster heimischer Langläufer seit einem Vierteljahrhundert Gesamtweltcupsieger.

«Asphalt-Farming» für Radfahrer

Gewitzte Geister erfassen sofort das enorme Potential der Idee auch für andere Sportarten. Denn es fehlt nicht nur den Wintersportlern im Sommer der Winter, sondern auch den Sommersportlern im Winter der Sommer. Das klingt einfach. Noch simpler sogar ist die Lösung des Problems. Für Läufer etwa empfiehlt es sich, vor dem ersten Schneefall einen kleinen Kiesvorrat anzulegen. Im Vorfrühling auf die noch schneebedeckten Wege und Pfade ausgebracht, ist man der Konkurrenz, die für den Trainingsbeginn tumb das Ausapern abwartet, entscheidend voraus.

Für Radrennfahrer gilt: Mit einer vorausschauend angelegten Asphaltreserve fährt man bei Saisonstart mit Sicherheit vorne mit. «Asphalt-Farming» – einfach genial! Sportfischer sammeln Seewasser im Herbst. Fallen die Temperaturen unter den Gefrierpunkt, kann, Petri Heil, in der Garage an Bottichen trainiert werden. Und die Golfer? Ein Behelfs-Green aus frisch gestochenen Rasenziegeln im Keller, in einer stillen Ecke des Wohn- oder auch des Schlafzimmers verhindert, dass das Handicap steigt, wenn die Flocken fallen. Simpel – aber man muss darauf kommen.

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© Beobachter Ausgabe 16 vom 06. Aug 2009 - Alle Rechte vorbehalten

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