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Nachlese

Zeckenkrieg im Tarnanzug

Text:
  • Raphael Rehmann
Bild:
  • Markus Hubacher
Ausgabe:
11/09

Mit weissen Tüchern bewaffnet, zog die Schweizer Armee durchs Unterholz – im Kampf gegen ­einen zahlenmässig überlegenen Gegner.

Jagd auf die Blutsauger im Gehölz. Der Auftrag: möglichst viele Zecken gefangen nehmen

Letzten Sommer wurden 70 Soldaten beim Biwakieren von Zecken gebissen. Nun hat die Armee den Biestern den Krieg erklärt. Im Visier haben die Landesverteidiger den biologischen Kampfstoff der Gegner: Viren, die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) – besser bekannt als Zecken-Hirnhautentzündung – auslösen.

Spezialisten der ABC-Abwehrtruppen und Mitarbeiter des Labors Spiez machten bis zum 6. Mai an 200 Standorten Jagd auf die kleinen Biester. Ziel der Aktion: möglichst viele Zecken gefangen nehmen. Für den Einsatz wurden die notwendigen Vorkehrungen getroffen. Es sollte vermieden werden, dass beim erneuten Aufeinandertreffen von Soldaten und Blutsaugern jemand gebissen wird. «Alle an der Sammlung beteiligten Personen wurden im Umgang mit Zecken instruiert und arbeiten ausschliesslich nach Anweisungen unserer Spezialisten», sagt Armeesprecher Christian Burri. Ausserdem mussten die Soldaten – alle operierten im Tarnanzug – den Schnürsenkelbereich ihres Schuhwerks mit Klebeband versiegeln. Entgegen weit verbreiteten Annahmen attackieren Zecken ihre Opfer nämlich nicht von Bäumen, sondern lauern im niederen Buschwerk. Deshalb rückten die Soldaten den Tierchen mit Tüchern zu Leibe, die sie über Boden und niedrige Vegetation streiften. Die blinden Tiere krallten sich daran fest.

Die Opfer werden schockgefroren

Die Zeckensammlung ist Teil einer Dissertation von Rahel Gäumann. Die gefassten Blutsauger werden schockgefroren und von der Doktorandin der Uni Bern auf Krankheitserreger untersucht. Sie erhofft sich davon genauere Informationen über die Verbreitung der FSME-Viren in der Schweiz. Gäumann schätzt, dass zwischen 0,5 und 3 Prozent der Zecken in der Schweiz infiziert sind. Für aussagekräftige Zahlen über die tatsächliche Verbreitung des FSME-Virus braucht die Wissenschaftlerin von jedem Standort rund 400 Zecken. Im Idealfall ergäbe das also 80'000 Blutsauger.

Trotz zahlenmässiger Überlegenheit des Feindes fühlte sich das Militär nicht ernsthaft bedroht. So will Burri den Einsatz auch nicht allein als existenzsichernde Massnahme bezeichnen. «Die aus der Zeckensammlung gewonnenen Erkenntnisse fliessen auch in die anderen Grundaufträge der Armee ein», sagt er. Dazu gehören Friedensförderung sowie Raumsicherung und Verteidigung. «Es wäre nicht korrekt zu titeln, dass Zecken unsere Existenz bedrohen», betont Burri. Anders als beispielsweise Wespen würden Zecken nämlich bei drohender Gefahr nicht angreifen. Die Soldaten mussten bei der Aktion also keine Angst haben. Dass die Tücher in Farbe und Form der Friedensflagge ähnelten, muss reiner Zufall gewesen sein.

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© Beobachter Ausgabe 11 vom 27. Mai 2009 - Alle Rechte vorbehalten

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