aktualisiert am 21. Aug 2010 08:11Urs Wagner

Grünliberaler mit Rechtsdrall

Text:
  • Andrea Haefely
Bild:
  • Grünliberale  

Urs Wagner, grünliberaler Gemeinderat in der Zürcher Agglomeration, vertritt rassendiskriminierendes Gedankengut und glaubt an abstruse Verschwörungen.

Urs Wagner, Dipl. Phys. ETH, seit 2006 im Gemeinderat von Opfikon-Glattbrugg.

Mit seiner 1. August-Rede hat Urs Wagner, der grünliberale Gemeinderatspräsident der Zürcher Gemeinde Opfikon, sein wahres Gesicht gezeigt: Er wetterte gegen «nicht weisse Menschen», deren Ansiedelung auf europäischem Territorium er grundsätzlich ablehnt. Und gegen sogenannte Kryptomarxisten.

Kryptomarxisten? Der Begriff stammt nicht etwa aus dem Geschichtsbuch, sondern aus dem Vokabular der Ultrarechten. Er findet sich ausschliesslich auf Webseiten, die stramm nationalistisches Gedankengut und die eine oder andere abstruse Verschwörungstheorie verbreiten. Etwa bei «Winkelried.info», der Internetseite von Richard Flühmann, dem Gründer der «Zuger Konservativen Schweizer Demokraten». Oder auf geisteswelt.blogsome.com, gemäss deren Urheber die Kryptomarxisten nicht nur die «Uno-Räte infiltriert haben» sondern auch noch die «Verschwulung der Menschheit vorantreiben».

Was aber soll ein Kryptomarxist genau sein? Nach der Zerschlagung des Kommunismus hätten die Kommunisten, so die Mär, die «classe politique» westlicher Staaten infiltriert. Diese stelle eine linksliberale Meinungselite, die auf die Medien einwirke und so die öffentliche Meinung normiere. Zudem verbreite sie Weltuntergangsstimmung, um mit den geschürten Ängsten den Staat auf Kosten der Wirtschaft auszubauen. Und, last but ot least, wolle sie gemeinsam mit der Emanzipationsbewegung die Kindererziehung verstaatlichen.

Wagners Rassen diskriminierenden Ansichten stossen bei seinen Parteikollegen auf wenig Gegenliebe. «Wir hatten keine Ahnung, dass Urs Wagner derartiges Gedankengut pflegt», sagt Vorstandsmitglied und Kantonsrat Jörg Mäder gegenüber dem Beobachter. «Sicher ist, dass es so nicht weitergehen kann.» Der Fall werde intern abgeklärt.

Urs Wagner selber war bis Redaktionsschluss nicht erreichbar.

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