Feriensouvenirs Keine Einreise ohne Papiere – auch für Pflanzen

Einfuhr von Pflanzen
Wer nicht auf ein grünes Souvenir verzichten kann, soll sich vor Antritt der Reise über die Gesetze informieren.

Eine exotische Pflanze für Balkon oder Garten? Pflanzen oder Stecklinge als Feriensouvenir sind schnell gekauft und eingepackt – aber aufgepasst: Für viele Pflanzenarten gelten Beschränkungen oder gar Einfuhrverbote.

Die Sommerferien stehen vor der Tür. Reise-Souvenirs halten auch lange nach der Rückkehr die schönen Erinnerungen an den Urlaub fest. Doch Vorsicht bei exotischen Pflanzen: Für viele davon benötigt man Einfuhrdokumente, oder es gelten gar Einfuhrverbote, wie die Forschungsanstalt Agroscope in einer Mitteilung schreibt. Damit sollen Pflanzenkrankheiten und -schädlinge (Quarantäneorganismen) von der Schweiz ferngehalten werden – beispielsweise Frucht- oder Bohrfliegen. Deshalb empfehlen Fachleute des Pflanzenschutzinspektorats von Agroscope zusammen mit dem Eidgenössischen Pflanzenschutzdienst, auf Pflanzen als Souvenir zu verzichten. Dennoch verzeichnen die Experten eine steigende Anzahl Vergehen gegen die Pflanzenschutzvorgaben.

Während 2009 und 2010 jeweils zwischen 50 und 60 illegale Einfuhren pro Jahr entdeckt wurden, waren es 2011 rund 100 und 2012 sogar 180. Auch 2013 scheint sich dieser Trend fortzusetzen, denn bis im Juni gab es schon über 100 Beanstandungen. Entdeckt wurden vor allem unerlaubte Einfuhren von Pflanzen, aber auch von Samen, Früchten und Gemüse sowie Schnittblumen. Die Pflanzen oder Pflanzenteile wurden aus verschiedensten Herkunftsländern eingeführt, am meisten jedoch aus Asien.

Hübsche Tierchen mit verheerenden Folgen

Kleine Frucht- oder Bohrfliegen (Tephritidae) mit auffällig gezeichneten Flügeln kommen weltweit vor. Es sind etwa 4500 Arten bekannt, davon leben rund 290 Arten in Mitteleuropa. Die Weibchen besitzen einen Legebohrer und legen ihre Eier direkt in Pflanzen und Früchte. Dort schlüpfen die Larven, die sich in der Pflanze oder in der Frucht zu Fliegen entwickeln. Es gibt zahlreiche Arten, die in der Landwirtschaft erhebliche Schäden anrichten können.

Experten vom Eidgenössischen Pflanzenschutzdienst kontrollieren am Zoll ausser-europäische Pflanzen und Früchte auf Befall mit Frucht- oder Bohrfliegen. Entdecken sie verdächtiges Material, senden sie Proben zum Agroscope-Diagnoselabor. Wird der Verdacht dort bestätigt, werden die Pflanzen vernichtet.

Wer nicht auf ein grünes Souvenir verzichten kann, soll sich vor Antritt der Reise über die Gesetze informieren unter www.pflanzenschutzdienst.ch. Zudem gilt es zu beachten, dass etliche Pflanzen (insgesamt über 25'000 Arten) den Bestimmungen des internationalen Artenschutzabkommens CITES unterstehen. Diese Pflanzen dürfen nur mit einer Bewilligung des Ausfuhrlandes in die Schweiz gelangen, siehe www.bvet.admin.ch oder www.cites.org. (AGROSCOPE)

Einfuhr von Pflanzen: Das muss man wissen

Pflanzen, Pflanzenteile, Blumenzwiebeln, Garten- und Blumenerde aus der EU unterliegen keinen Einfuhrbestimmungen, solange sie für den persönlichen Gebrauch eingeführt werden. Achtung: Dies gilt nicht für Pflanzen unter Artenschutz!

Ausnahme: Die Einfuhr von Zwergmispel (Cotoneaster spp.) und Lorbeer-Glanzmispel Stranvaesia (Photinia davidiana) als mögliche Träger von Feuerbrandbakterien ist aus allen Ländern verboten.

Pflanzen, Pflanzenteile und Blumenzwiebeln aus anderen als EU-Ländern unterliegen der Kontrolle durch den Pflanzenschutzdienst oder dürfen gar nicht importiert werden. Nicht importiert werden dürfen folgende Pflanzen:

  • Apfelbaum (Malus)
  • Birnenbaum (Pyrus)
  • Bitterorange (Poncirus)
  • Eiche (Quercus)
  • Eberesche, bzw. Vogel- und Mehlbeere (Sorbus)
  • Feuerdorn (Pyracantha)
  • Kartoffeln und ähnliche Nachtschattengewächse (Solanacea)
  • echte, essbare Kastanie (Castanea)
  • Kumquats (Fortunella)
  • Mispel (Mespilus)
  • Nadelgehölze (Koniferen)
  • Quittenbaum (Cydonia)
  • Reben (Vitis)
  • Rosen
  • Steinobstbäume (Aprikose, Kirsche, Mandel, Pfirsich, Pflaume und Zwetschge) und alle Zierformen der Gattung Prunus
  • Weissdorn (Crataegus), alle Arten und Sorten
  • Wollmispel (Eriobotrya)
  • Zier- oder Scheinquitte (Chaenomeles)
  • Zitrusgewächse (Citrus)
  • Kontrollpflichtige Pflanzen müssen ein Pflanzenschutzzeugnis besitzen. Wer solche Pflanzen einführen will, muss sich rechtzeitigt vor der Einfuhr beim Bundesamt für Landwirtschaft erkundigen (www.pflanzenschutzdienst.ch).

  • Ein Pflanzenschutzzeugnis muss vorgängig im Ausfuhrland besorgt werden: Adressen der zuständigen Stellen weltweit unter www.ippc.int.

  • Früchte und Gemüse (ausser Kartoffeln) bis 10 Kilogramm und Schnittblumen bis 3 Kilogramm dürfen ohne Kontrolle eingeführt werden.

  • Pflanzen und deren Früchte unterliegen der Mehrwertsteuer.

  • Pflanzen, welche den Artenschutzbestimmungen unterstehen, dürfen aus jedem Land nur mit entsprechender CITES-Bewilligung eingeführt werden.

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