• Konsumforum

    Hier geben sich kritische Konsumentinnen und Konsumenten gegenseitig Tipps und Ratschläge und tauschen Erfahrungen aus.


    zum Forum

Am Telefon

Die Ketchup-Katastrophe

Text:
  • Michael Krampf
Bild:
  • Jupiterimages Stock-Kollektion
Ausgabe:
21/09

Ketchup-Flaschen verspritzen häufig ihren Inhalt. Doch wer bezahlt den Schaden?

«Mein Sohn sass mit einem Kollegen vor dem Fernseher. Die beiden assen Pommes frites», erzählt eine Leserin am Beobachter-Beratungstelefon. «Als der Kollege die Ketchup-Flasche öffnen wollte, spritzte die Sauce explosionsartig raus. Sie können sich nicht vorstellen, wie unser Wohnzimmer ausgesehen hat!»

Die chemische Reinigung der Vorhänge und das Streichen der Decke hätten mehr als 3500 Franken gekostet. «Muss das die Haftpflicht des Kollegen übernehmen?», möchte die Ratsuchende wissen.

Anzeige:

Gefährliche Gase?

«Nein», antwortet der Berater, «hier geht es um Produktehaftpflicht. Laut Gesetz haftet der Hersteller für den Schaden, den sein mangelhaftes Produkt anrichtet. Halten Sie sich an den Ketchup-Hersteller.» Die Frau entgegnet: «Das habe ich getan. Doch die winken ab.» Weil sie die Flasche nicht dauernd im Kühlschrank gelagert habe, so wurde sie vom Hersteller belehrt, hätten sich Gase gebildet. Die hätten die Flasche schliesslich zur Explosion gebracht. Darum stehe auf der Flasche auch «kühl lagern».

Also selber schuld? Nein. Für den Berater klingt das nach billiger Ausrede. Er empfiehlt, die Flasche samt Inhalt von einer neutralen Fachstelle prüfen zu lassen. «Sie haben das Corpus Delicti doch hoffentlich aufbewahrt?» «Nein», antwortet die enttäuschte Leserin, «die Ketchup-Firma hat angeboten, die Flasche für mich zu entsorgen.»

© Beobachter Ausgabe 21 vom 15. Okt 2009 - Alle Rechte vorbehalten

created by snowflake productions gmbh