Autoersatzteile: Verfahrene Situation

Häufen sich bei einem Wagen die Pannen, gibt es oft zusätzlichen Ärger: Die Ersatzteile sind monatelang nicht lieferbar – derzeit vor allem bei VW und Audi ein Problem.

Die Januarkälte bekam Priska Laubers Auto schlecht. Bei ihrem Audi A 3 stieg eine Zündspule aus – der erst zweijährige Wagen machte keinen Wank mehr. Eine Reparaturbagatelle, könnte man meinen. Doch beim Garagisten folgte der nächste Ärger: «Wegen grosser Lieferprobleme» müsse Lauber bis März auf das Ersatzteil warten.

Nicht besser erging es einem VW-Passat-Fahrer aus Genf, der sich Hilfe suchend an den Touring-Club der Schweiz (TCS) wandte: Gar bis April soll sein Fahrzeug unrepariert stehen bleiben.

Priska Lauber liess sich jedoch nicht vertrösten. Die Audi-Fahrerin setzte alle Hebel in Bewegung, bis das fehlende Ersatzteil schliesslich in Deutschland beschafft werden konnte.

Problem der ganzen Branche

Defekte Zündspulen bereiten derzeit manchem Autofahrer Kummer. Laut Angaben von Garagisten blieben diesen Winter bereits rund 800 Autofahrer auf der Strecke. Mittlerweile kennt man auch den Grund für den Defekt: Das Material wird bei Kälte und Nässe spröde, so dass Feuchtigkeit in die Zündspulen eindringen und einen Kurzschluss auslösen kann.

Beim Audi-/VW-Generalimporteur Amag will man sich zur Häufigkeit solcher Pannen nicht festlegen. «Eine abschliessende Antwort zur Zahl der defekten Autos ist nicht möglich», sagt Pressesprecher Dino Graf. «Nach heutigem Kenntnisstand können Fahrzeuge der Marken VW, Audi, DEAT und Skoda mit 1.8T- und V6-Benzinmotoren betroffen sein.»

Auch in Bezug auf die Lieferfristen bleibt Dino Graf unverbindlich: «Es werden laufend Ersatzteile angeliefert.» Immerhin verspricht er, dass den betroffenen Kunden kostenlos Ersatzautos zur Verfügung gestellt würden, wenn deren Fahrzeuge nicht mehr einsetzbar seien. Inklusive Einbau kostet eine neue Zündspule rund 200 Franken. Die Amag sichert eine Garantie von drei Jahren zu.

Lieferengpässe bei Ersatzteilen sind ein Branchenproblem. Der Grund liegt in der Lagerbewirtschaftung: Sie soll schlank und kostengünstig sein. Tritt ein Problem gehäuft auf, sind die Vorräte rasch aufgebraucht. So weiss etwa TCS-Experte Beat Wyrsch von einem Fiat-Fahrer, dessen Auto den ganzen Sommer lang voll heizte, weil ein Ersatzteil für die Klimaanlage erst nach fünf Monaten aufzutreiben war.

Testfahrer für die Industrie

Neben knapp dotierten Lagern verschärfen auch Rückrufaktionen der Hersteller den Ersatzteilmangel. So hat der TCS innert neun Monaten über 60 Rückrufe gezählt. Müssen Tausende von Fahrzeugen umgerüstet werden, sind Lieferengpässe programmiert. Dafür verantwortlich sind laut TCS-Vertreter Wyrsch «immer kürzere Entwicklungszyklen bei den einzelnen Automarken und die komplizierte Technik». Die Autokäufer werden so zu Testfahrern für die Industrie.

Text:
  • Bernhard Raos
06. Februar 2003, Beobachter 3/2003

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