Autokauf
Bitte anschnallen - die Schleuderpreise sind da
Die offiziellen Schweizer Autovertretungen erhalten immer mehr Konkurrenz: Direktimporteure bieten Neuwagen zu deutlich günstigeren Preisen an. Alles ganz legal - auch wenn man als Kunde einige kritische Punkte beachten sollte.

(Bild: Deutsche Bahn)
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Das sind Kampfpreise! Bei einem Autohändler in Zürich-Altstetten steht ein neuer Chrysler Crossfire 3.2 V6 für 34'800 Franken zum Verkauf. In der Preisliste des offiziellen Chrysler-Importeurs wird der gleiche Sportwagen mit 57'350 Franken aufgeführt. Wer also den inoffiziellen Verkaufskanal wählt, kann bis zu 22'500 Franken sparen.
Der günstige Chrysler ist ein Direktimportfahrzeug. Das heisst: Er wurde nicht vom offiziellen Chrysler-Importeur beim Hersteller geordert und in die Schweiz gebracht, sondern stand irgendwo in Europa bei einem Grosshändler zum Verkauf. Importiert hat den Neuwagen die Firma Auto Züri West; einst auf Gebrauchtwagen spezialisiert, hat sie in den letzten Jahren den Verkauf von Neufahrzeugen aus Direktimport sukzessive ausgebaut.
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Ein Direktimporteur der ersten Stunde ist das Swiss Car Center. Das Krienser Unternehmen hat sich auf Mercedes spezialisiert. Ein Mercedes der C-Klasse ist hier, je nach Ausstattungs- und Motorenvariante, bis zu 13'000 Franken günstiger als der offizielle Listenpreis. Auch wenn man berücksichtigt, dass beim Markenhändler Rabatte von drei bis vier Prozent drinliegen, bleibt beim Direktimportauto für den Käufer ein satter Preisvorteil bestehen.
Kunden müssen kompromissbereit sein
Kein Wunder, brummt das Geschäft der Direktimporteure. «Der traditionelle Autohandel hat in den letzten Jahren stagniert. Beim Direktimport hingegen ist die Tendenz steigend», sagt Beat Burkard, Geschäftsleitungsmitglied von Swiss Car Center. Die Kunden seien offener geworden und hätten realisiert, dass es sich bei direkt importierten Autos um die gleichen handle, wie sie auch der Markenhändler anbiete.Die Konkurrenz gibt sich betont gelassen: «Die Stückzahlen aus dem Direktimport sind gering. Sie bewegen sich im einstelligen Prozentbereich», sagt Andreas Burgener, Direktor von Auto Schweiz, der Vereinigung der Schweizer Automobilimporteure. Der überwiegende Teil der Kunden gebe dem Businessmodell des offiziellen Markenhandels den Vorzug: «Autokauf ist Vertrauenssache. Die Schweizerinnen und Schweizer wünschen eine solide Beratung von ihrem Autohändler, mit dem sie meist bereits in einer langjährigen Kundenbeziehung stehen. Vor allem aber: Sie wollen ihr Fahrzeug nach ihren individuellen Wünschen zusammenstellen.»
Tatsächlich bezahlen die Besitzer eines Direktimportautos den Preisvorteil auch mit dem Verzicht auf individuelle Wünsche. «Unsere Kunden müssen flexibel und kompromissbereit sein. Der Direktimporteur verkauft ab Platz, das, was da ist», sagt Marco Belfanti, Präsident des VFAS. Direktimporteure erzielen ihre günstigen Verkaufspreise durch den europaweiten Ankauf von verbilligten Neufahrzeugen: Sie stammen aus Überproduktionen der Hersteller oder von Händlern mit Absatzschwierigkeiten. Meistens sind diese Autos auf den Durchschnittsgeschmack zugeschnitten, was Farbe, Motorleistung und Ausstattung betrifft. Wichtig: Die Herstellergarantie gilt uneingeschränkt auch für diese Fahrzeuge, jede Markenvertretung muss Garantieleistungen ohne Wenn und Aber ausführen.
Autos, die es sonst nicht gibt
Mitunter hat der Direktimport kuriose Folgen. So stand etwa auf dem Gelände von Marco Belfantis Firma Auto Höngg Zürich das neue BMW-Modell X5 bereits Ende Januar zum Verkauf - bei den offiziellen Schweizer BMW-Vertretungen ist das Modell erst seit Ende März erhältlich. Belfanti hat den X5 aus den USA, wo er früher lanciert wurde, importiert. Offizieller Schweizer Listenpreis: 123'400 Franken. Belfantis Preis: 107'700 Franken - der günstige Dollarkurs machts möglich.Sogar Autos, die hierzulande offiziell gar nicht lanciert werden, gelangen via Direktimport auf den Schweizer Markt. Als nahezu einziger Händler wird Belfanti beispielsweise den Mittelklassewagen Toyota Camry mit Hybridantrieb anbieten. «Meine Fahrzeugpalette richtet sich nach dem Angebot im Ausland und der Nachfrage in der Schweiz.» Weil Toyota die Nachfrage anders einschätzt, wird der Wagen in ganz Europa von den Vertretungen nicht verkauft. Zudem, so Toyota-Schweiz-Verkaufsleiter Hugo Christen, «sind Probleme programmiert, da hiesige Garagen für den Hybrid-Camry gar nicht vorbereitet sind und bei Reparaturen unter Umständen passen müssen».
Wer sein Auto bei einem Direktimporteur kauft, profitiert von günstigen Auslandskonditionen, kann sich aber den administrativen Aufwand am Zoll und bei der Motorfahrzeugkontrolle sparen. Kunden, die trotzdem selbständig im Ausland einkaufen wollen, verweist Belfanti auf das Internetportal autoscout24.com, die grösste europaweite Auto-Plattform. Gute Preise erziele man nach wie vor in den Beneluxländern. Aber auch ein Blick in die USA könne sich lohnen. «Wichtig ist aber vor allem, dass man nur in Ländern ein Auto kauft, deren Sprache man spricht», sagt Belfanti. «Man sollte die Verträge verstehen, die man unterschreibt.»
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© Beobachter Ausgabe 9 vom 25. Apr 2007 - Alle Rechte vorbehalten







