Automaten
Pokerspiel ums Lotto
Lotterie oder Glücksspiel? Der Streit um die Lottoautomaten erreicht einen neuen Höhepunkt.

(Bild: Jean Revillard)
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Bereits 600 Lottoautomaten sind in der Westschweiz in Betrieb – für jeden zugänglich in Restaurants und Cafés. Sie generieren jährlich einen Umsatz von 880 Millionen Franken. Längst sollten die Geräte auch die Deutschschweizer beglücken, die meisten Kantone haben die elektronische Lotterie bewilligt. Doch die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK) hat deren Weiterverbreitung mit einer superprovisorischen Verfügung vorerst unterbunden. «Es gibt Indizien dafür, dass sich die Touchlot-Automaten zu wenig von herkömmlichen Geldspielautomaten unterscheiden», sagt ESBK-Präsident Benno Schneider. Spielgeschwindigkeit sowie Gewinn- und Verlusthöhe seien problematisch.
Gegen diese Intervention wollen die Westschweizer Kantone nun mit einer staatsrechtlichen Klage vorgehen. Denn sollte die ESBK zum Schluss kommen, dass es sich bei Touchlot nicht um eine Lotterie handelt, sondern um ein Glücksspiel, müssten die lukrativen Geräte wieder entfernt werden. Ab April 2005 sind Glücksspiele nämlich nur noch in Spielbanken erlaubt. «Das Vorgehen der ESBK ist eine klare Kompetenzüberschreitung», so José Bessard, Pressesprecher der Loterie Romande. Die Bewilligung von Lotterien sei Sache der Kantone. «Die Klage ist eine beschlossene Sache, sie wird noch dieses Jahr eingereicht», sagt Bessard.
Ob des Kompetenzgerangels gehen die Betroffenen vergessen: «Rund die Hälfte unserer Klienten kommt wegen der Lotterieautomaten zu uns. Tendenz steigend», erklärt Yaël Liebkind von der Genfer Suchtberatungsstelle Rien ne va plus. «Die Automaten sind ein Problem.»
© Beobachter Ausgabe 21 vom 14. Okt 2004 - Alle Rechte vorbehalten







