Bonussysteme: Punktesammeln online
Grossmutters gute alte Rabattmärkli überleben auch die digitale Revolution. Bei verschiedenen Anbietern gibt es Bonuspunkte und Prämien für das Surfen und das Online-Shoppen.

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Konsum soll nicht nur Spass machen, sondern sich sozusagen auch lohnen. Deshalb verteilen Drogisten Plastikvreneli, gibts auf Waschmittel- und Guetslipackungen Mondo- oder Silva-Punkte, werden beim Fliegen Bonusmeilen gutgeschrieben und fragen Kassiererinnen so penetrant nach der Super- oder der Cumuluscard: Wer fleissig sammelt also konsumiert , wird mit Rabatten und Prämien honoriert.
Die Anbieter verteilen indes nicht einfach grosszügig Geschenke, sondern sammeln Informationen über das Konsumverhalten ihrer Kundschaft, die sie dann für gezielte Werbeaktionen nutzen.
Was dem konventionellen Detailhandel recht ist, ist den Anbietern im modernen Konsum- und Unterhaltungskanal Internet nur billig. Verschiedene Firmen versuchen, elektronische Bonussysteme zu installieren und sie Anbietern von Informationen, Dienstleistungen und Konsumgütern schmackhaft zu machen: Deren Kundinnen und Kunden können dann Punkte sammeln und diese beim Bonussystembetreiber gegen Prämien eintauschen. Eben genau wie bei den Mondo- und den Silva-Punkten.
Die meisten der in den letzten Jahren eingeführten Bonussysteme sind im Zug der Internetdepression der letzten Monate allerdings ebenso schnell verschwunden, wie sie eingeführt wurden. Bis heute übrig geblieben sind im deutschsprachigen Markt die Rabattsysteme von Webmiles, Payback, eCollect und jPoint.
Der interessanteste Dienst für Schweizerinnen und Schweizer ist dabei Webmiles, der als Einziger nicht nur deutsche Partnerfirmen bedient, sondern auch Schweizer Anbieter. So erhalten registrierte Webmiles-Sammler zum Beispiel eine Webmeile für jede Zweifrankenspende bei Pro Infirmis gutgeschrieben plus 100 zusätzliche Punkte für die Registration eines Pro-Infirmis-Spendenkontos. Webmeilen sammeln können auch Kunden des Internetproviders Bluewin, der die Nutzung vieler seiner Angebote mit Webmiles honoriert: Selbst das kostenlose Versenden von E-Postkarten gibt 20 Bonuspunkte. Zudem arbeitet Webmiles mit der Visa/Mastercard-Abrechnungsfirma Viseca zusammen, so dass auch Einkäufe in konventionellen Läden das Webmiles-Konto äufnen.
Payback und eCollect dagegen arbeiten vorderhand nur mit deutschen Partnerfirmen zusammen. So kann sich ein Payback-Mitglied beim Kauf bei einem Payback-Partner für jeden Euro Umsatz einen Payback-Punkt gutschreiben lassen egal, ob der Handel online oder offline zustande kam. Bei eCollect dagegen werden nur Online-Transaktionen mit so genannten eBuxx belohnt. Von den Payback- und eCollect-Bonuspunkten können zwar auch Schweizer und Schweizerinnen profitieren, doch nicht alle deutschen Online-Shops und Dienstleister bedienen ausländische Kundschaft. Zudem kann es Probleme mit dem Versand und dem Zoll geben.
Allerdings muss man nicht unbedingt etwas kaufen, um in den Genuss der Bonussysteme zu kommen. Es gibt auch zahlreiche Möglichkeiten, zum Nulltarif zu Punkten zu kommen, wie das Bluewin-Postkartenbeispiel zeigt. So schreibt eCollect fünf eBuxx gut, wenn man einen guten Witz bei scherze.de deponiert. Beim Aussenseiter jPoints geht es sogar grundsätzlich ohne finanziellen Einsatz, gefragt ist nur Geduld: Bonuspunkte gibt es fürs Betrachten von Werbeanimationen und das Durchklicken auf die Homepage der beworbenen Firma oder des beworbenen Produkts.
Die gesammelten Boni können bei Webmiles, Payback und eCollect schliesslich in Sachwerte umgetauscht werden: je mehr Punkte, umso attraktiver die Prämien. Vom Gasfeuerzeug über Zeitschriftenabos und Unterhaltungselektronik bis zu Ferienreisen reicht die Auswahl. Die eigene Insel, die Webmiles anbietet, oder die Expedition zur Titanic, mit welcher eCollect die eifrigsten Sammler belohnen will, sind jedoch eher Lockvogelangebote: Die dafür notwendige Anzahl Webmeilen oder eBuxx dürfte wohl niemand in einem Leben erreichen.
Doch wirklich gratis ist nichts. Die Anbieter sind an den persönlichen Angaben interessiert, die man beim Registrieren für elektronische Bonussysteme machen muss, und an der gültigen E-Mail-Adresse. Diese Mailbox wird dann überflutet von Werbemails, so genanntem Spam. Es empfiehlt sich, dafür ein separates Gratis-Mailkonto einzurichten. Zudem zeigt die Erfahrung mit Rabattsystemen, dass die Nutzer bei der Jagd nach Bonuspunkten den Preisvergleich vergessen: Sie kaufen, was Punkte bringt, auch wenn es anderswo viel günstiger ist. Und anderswo ist im Internet bekanntlich nur einen Klick entfernt.
© Beobachter Ausgabe 9 vom 03. Mai 2002 - Alle Rechte vorbehalten







