Daniel Jositsch
Der Klingelton macht die Musik, Herr Professor
Strafrechtsprofessor Daniel Jositsch hat sein Handy nicht im Griff. Da können wir helfen.
Respekt, Daniel Jositsch. Für die Wahl in den Zürcher Regierungsrat hats nicht ganz gereicht. Mit Ihrem Abschneiden sind Sie dennoch zufrieden. Schliesslich haben Sie im Wahlkampf durch Präsenz und Dossiersicherheit Freund und Feind beeindruckt.
Ausser Ihre Studenten der Universität Zürich. Das erfuhr die Öffentlichkeit, weil ein Journalist bei einer Vorlesung im Hörsaal sass. Nach wenigen Minuten schepperte anscheinend eine jener nervtötenden Popmelodien durch den Raum – Sie hatten vergessen, Ihr Handy auszuschalten. Der Klingelton sage viel über den Charakter einer Person aus, erklärten Sie Ihren Studierenden. Nicht aber bei Ihnen: «Ich schaff es einfach nicht, einen anderen Ton zu programmieren.»
Wirklich? Irgendwie können wir uns das bei einem so hellen Kopf gar nicht vorstellen. Vielleicht fehlt Ihnen einfach die Geduld. Auf den meisten Geräten ist eine Auswahl an Klingeltönen programmiert (meist unter «Einstellungen/Ruftöne»), Sie müssten nur auswählen und abspeichern.
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Je diskreter, desto besser
Oder Sie suchen sich etwas zu Ihrem Charakter Passendes im Internet. Dort gibts topaktuelle Hits, sauglatte oder abartige Geräusche als Klingeltöne. Aber aufgepasst: Der Spass geht ins Geld, und hinter solchen Angeboten lauern langfristige Abofallen. Sie glauben ja nicht, wie viele Konsumenten sich schon bei uns beschwert haben, weil sie im Kleingedruckten den Hinweis auf die Kosten überlesen und dann horrende Rechnungen bekommen haben. Als Jurist wissen Sie natürlich, dass man sich wehren kann, wenn das Angebot täuschend ist oder gegen die sogenannte Preisbekanntgabeverordnung verstösst. Aber Ärger und Papierkrieg hat man trotzdem.
Drum wählen Sie besser einen diskreten Klingelton auf Ihrem Handy aus. Ihre Studenten, aber auch Primarschüler aus dem Bekanntenkreis helfen Ihnen bestimmt. Lassen Sie sich bei der Gelegenheit auch grad die Lautlosfunktion erklären. Für die nächste Vorlesung.
© Beobachter Ausgabe 25 vom 09. Dez 2009 - Alle Rechte vorbehalten




