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Ein Direktor bei der Swiss Re über Risiken

Ausgabe:
9/01

«Dass ich mich beruflich mit Risiken befasse, ist reiner Zufall», sagt Radomir Hajker, Direktor bei der Swiss Re, promovierter Physiker und Betriebswissenschaftler der ETH Zürich. «Financial Solutions» steht auf seiner Visitenkarte: Er sucht nach finanziellen Lösungen, die die Risiken für seine Kunden tragbar machen. Denn die versicherten Werte erreichen heute Schwindel erregende Höhen. «Eine Auto- oder eine Halbleiterfabrik haben einen Wert von über einer Milliarde Franken, ganz zu schweigen von einer Bohrinsel, wie sie kürzlich vor Brasiliens Küste versank.» Das Risiko für den Versicherer und den Rückversicherer ist extrem hoch. Ebenso das verbleibende Restrisiko des Betreibers einer Anlage: Für ihn kann es der völlige Ruin bedeuten.

Wie können die Lösungen aussehen? «Man kann zum Beispiel statt nur eine zwei Fabriken bauen. Vorbeugen statt anschliessend Schäden minimieren!» Der Eintrittswahrscheinlichkeit einer Katastrophe wird heute wieder mehr Gewicht beigemessen. «Wenn das Ereignis alle 10000 Jahre passieren kann, so kann das morgen das erste Mal sein.» Im Katastrophenfall ist Radomir Hajker mit Zahlen konfrontiert. «Verletzte und Tote schlagen sich in Kosten und Entschädigungen nieder.» Mit den viel diskutierten Naturkatastrophen aufgrund der Klimaveränderungen befasst er sich nicht direkt. Gedanken darüber macht er sich aber schon. «Als Physiker fehlen mir die Beweise, doch Trends sehe ich sehr wohl. Einer davon sind die vermehrten Überschwemmungen in der Schweiz. Bezeichnend ist auch, dass man sich in den USA in besonders gefährdeten Gebieten nicht mehr gegen Wirbelstürme versichern kann – sie kommen zu häufig vor. Was mir auch klar ist: Die Natur bekommen wir nicht in den Griff – selbst mit der modernsten Technik nicht.» Radomir Hajker lebt beruflich mit dem Risiko. Beeinflusst dies auch sein Verhalten im täglichen Leben? «Eigentlich nicht. Ich lebe zwar weniger risikoreich als früher, dies aber aufgrund meines Alters und meiner Familienverhältnisse.» So hat er das extreme Mountainbiking mit Tennisspielen, Schwimmen und Golfspielen vertauscht. Ein ungutes Gefühl im Flugzeug wird er nicht los. «Fliegen ist zwar weniger riskant als Auto fahren, aber im Flugzeug bin ich ausgeliefert. Im Auto kann ich das Risiko mit meiner Fahrweise beeinflussen – unbeeinflussbare Risiken machen mir Angst.» Geht er Risiken ein, so minimiert er sie. «Ich wohne direkt am See. Das ist fantastisch schön. Letztes Jahr stand jedoch das Wasser im Keller kniehoch. Als Mieter nehme ich das in Kauf. Ein Haus aber würde ich nie an dieser Lage kaufen.»

© Beobachter Ausgabe 9 vom 27. Apr 2001 - Alle Rechte vorbehalten

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