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Fahrzeugkauf: Im Ausland fährt der Kunde günstiger

Text:
  • Martin Müller
Ausgabe:
14/02

Wer das neue Auto oder den Töff im Ausland und nicht bei der örtlichen Garage kauft, spart Geld. Doch die Schweizer Kundschaft nutzt die Gelegenheit nur zögerlich.

Mehr als 3000 Franken gespart, und das bei einem halben Tag Aufwand. Daniel Wyder zieht Erfolgsbilanz: Vor wenigen Wochen holte der Töfffan aus Schaffhausen seine neue Maschine ab – bei einem Händler im deutschen Waldshut. Der kurze Weg über die Grenze hat sich gelohnt. In der Schweiz hätte Wyder für seine Yamaha FZS 1000 Fazer rund 17000 Franken hinblättern müssen. Der deutsche Händler war mit 14000 Franken zufrieden. Für 430 Franken übernahm er zusätzlich das Administrative für die Einfuhr in die Schweiz – reine Routine: Bis zur Hälfte der Kunden von deutschen Garagisten entlang der Grenze stammen aus dem Nachbarland. «Mit einem Nummernschild des Händlers hatte ich vier Wochen Zeit, den Töff in der Schweiz vorzuführen und einzulösen; das war eine Formsache», sagt Wyder.

Der Direktimport von Motorrädern und Autos lohnt sich aber auch dann, wenn man nicht wie Wyder gleich an der Grenze wohnt. Auch Josef Felder (Name geändert) aus dem Kanton Zürich machte gute Erfahrungen. Auf einem Ausflug in Süddeutschland entdeckte er eine günstige Garage und verglich daraufhin die Preise in der Schweiz. Für seinen Traum-Mercedes zahlte er in Deutschland dann 43000 Franken, gut und gern 10000 Franken weniger als hierzulande – «und zwar mit gleicher Ausstattung», wie Felder betont. «Hätte ich das Auto in der Schweiz gekauft, wäre zwar noch ein Service inbegriffen gewesen, aber das ist mir doch keine fünfstellige Summe wert!»

20 Prozent liegen drin

Die Beispiele zeigen: Das Sparpotenzial ist gross – im Normalfall liegen um die 20 Prozent drin. Der Grund dafür liegt im unterschiedlichen Preisniveau in den europäischen Ländern. Die internationalen Autohersteller legen die Preise gestützt auf die Kaufkraft im jeweiligen Land fest; dazu kommen die unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze. Weil Dänemark beispielsweise zusätzlich eine Luxussteuer kassiert, müssen die Hersteller die Nettopreise relativ niedrig festlegen, da sich sonst kein Däne und keine Dänin ein Auto leisten könnte. Wird das Auto aber aus Dänemark exportiert, können diese Steuern zurückgefordert werden. Die Folge: Der Wagen wird bedeutend billiger. Jedes dritte nach Dänemark importierte Auto wird denn auch gleich wieder ausgeführt.

Bestrebungen der EU, das Preisniveau zu harmonisieren, sind bislang gescheitert: Ein Vergleich der 80 meistverkauften Modelle zeigte Anfang Jahr Preisdifferenzen zwischen den einzelnen EU-Ländern von 11,6 Prozent (BMW 318i) bis 41 Prozent (Opel Vectra). Preislich interessant sind vor allem Italien, Spanien, Griechenland, Finnland und Dänemark. Doch aus sprachlichen und geografischen Gründen importieren viele Schweizer ihr neues Auto aus Deutschland, obwohl dort die Preise im EU-Vergleich zu den höchsten zählen.

Wer entsprechende Internetangebote in Deutschland anschaut, stellt fest, dass etwa ein Renault Scénic 2.0 16V Privilège mit sämtlichen Zusatzausstattungen knapp 35000 Franken kostet; in der Schweiz muss man mit etwa 43000 Franken rechnen. Fachmann Beat Wyrsch vom Touring-Club der Schweiz (TCS) hat einen speziellen Spartipp auf Lager: «Im Ausland gehört viel technischer Schnickschnack nicht zur Grundausstattung; wer mit einer bescheideneren Version zufrieden ist, kommt besonders günstig zu einem prestigeträchtigen Luxusauto wie Mercedes oder BMW.» Rudolf Blessing vom Importeurverband Auto-Schweiz bestätigt diesen Trend: «Die Statistik zeigt, dass vor allem teure Marken von Privatpersonen importiert werden.»

Und so funktionierts: Lassen Sie die Kaufquittung am ausländischen Zoll abstempeln, danach kann die ausländische Mehrwertsteuer (15 bis 25 Prozent) zurückgefordert werden. Bei der Einfuhr muss die schweizerische Mehrwertsteuer (7,6 Prozent) bezahlt werden, ausserdem die Automobilsteuer von vier Prozent des Warenwerts, wenn das Auto in einem europäischen Land hergestellt wurde (vom Verkäufer die Warenverkehrsbescheinigung EUR.1 verlangen). Bei Autos aus den USA, aus Japan oder Korea gibts ausserdem einen Einfuhrzoll, der sich nach dem Gewicht des Wagens richtet.

Tipp: Fahren Sie nicht kurz vor der Schliessung des Zolls vor; nicht alle Zöllner sind gleich routiniert bei der Abwick- lung. Mit den Zollpapieren kann das Auto beim kantonalen Strassenverkehrsamt angemeldet werden; das nötige Abgasdokument gibts beim Schweizer Markenvertreter oder beim Autoimporteurverband.

Importeure nicht beunruhigt

Das alles tönt komplizierter, als es ist, und am Schluss resultiert in praktisch jedem Fall ein satter Gewinn. Trotzdem nutzen erst wenige Schweizerinnen und Schweizer diese Möglichkeit. Letztes Jahr wurden gemäss Statistik von Auto-Schweiz rund 3600 Neuwagen von Privatpersonen importiert. Die Zahl hat zwar in den letzten Jahren stetig zugenommen, liegt aber immer noch erst bei rund einem Prozent der jährlich verkauften Neuwagen. Entsprechend gelassen geben sich die offiziellen Importeure: «Natürlich haben wir keine Freude an dieser Entwicklung, aber schlaflose Nächte macht uns das nicht», sagt Rudolf Blessing von Auto-Schweiz.

Das war 1995 noch anders. Damals wurden die technischen Vorschriften für Strassenfahrzeuge in der Schweiz weitgehend jenen in der Europäischen Union angeglichen, was in der Automobilbranche für Unruhe sorgte. Seither entfallen die kostspieligen Abgas- und Lärmkontrollen, sofern das Auto über ein EU-Zertifikat (offizielle Bezeichnung: «EWG-Übereinstimmungsbescheinigung») verfügt. Seit Oktober 1998 gilt dies auch für Motorräder. Achten Sie darauf, dass das neue Auto auch die aktuellen Schweizer Abgasvorschriften (Euro 3 oder 4) erfüllt.

Risiko hält sich in Grenzen

Solange nicht mehr Konsumentinnen und Konsumenten die enormen Unterschiede ausnützen, wird sich das Preisniveau in der Schweiz kaum verändern: «Der Preisdruck ist nicht gross», gibt Rudolf Blessing vom Importeurverband freimütig zu. Hingegen kommt es hin und wieder vor, dass die Hersteller Druck auf die Garagisten ausüben, keine Fahrzeuge ins Ausland zu verkaufen. Beat Wyrsch vom TCS kennt einige Fälle, bei denen die Händler nach Vertragsabschluss kalte Füsse kriegten und den Vertrag stornierten.

Dafür wird oft ein Kauf des gleichen Autos als Occasion vorgeschlagen – ein heikler Deal, weil dann unter Umständen die Garantieleistungen entfallen. Ein Ratschlag für diesen Fall: Machen Sie eine besondere Beziehung zum jeweiligen Land geltend, etwa eine Grossmutter oder häufige Ferienaufenthalte, und begründen Sie damit Ihr Kaufinteresse vor Ort.

Natürlich ist das Schnäppchen nicht ganz ohne Risiko. Wer das Auto oder den Töff bei einem autorisierten Markenhändler erwirbt, läuft zwar kaum Gefahr, im Garantiefall in einer einheimischen Garage abgewiesen zu werden. Aber Freude haben die hiesigen Handwerker darob natürlich nicht – eine eher längere Reparaturzeit als sonst üblich scheint eine beliebte «Strafmassnahme» der einheimischen Garagisten zu sein.

Aber auch das ist offenbar nicht die Regel: «Bei mir ist keine einzige solche Reklamation eingegangen», sagt Beat Wyrsch vom TCS. Probleme kann es hingegen für jene Kunden geben, die ein «Montagsauto» mit Mängeln erwischen und dann im Ausland gegen den Verkäufer oder den Hersteller prozessieren müssen.

Rudolf Blessing von Auto-Schweiz warnt denn auch: «Einem Laien würde ich nicht empfehlen, ein Auto im Ausland zu kaufen. Viele Leute unterschätzen den Aufwand.» Eine Alternative können Schweizer Garagisten sein, die sich auf den Grauimport von Markenautos aus dem Ausland spezialisiert haben. Sie importieren die gängigsten Neuwagen in grösseren Mengen statt via den offiziellen Importeur über ausländische Garagen. Zwar schwindet in diesem Fall der Preisvorteil leicht (wegen der Marge des vermittelnden Schweizer Garagisten), dafür entfallen im Gegenzug der administrative Aufwand und ein guter Teil des Risikos.

© Beobachter Ausgabe 14 vom 12. Jul 2002 - Alle Rechte vorbehalten

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