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Farbdrucker: Druckerrechnung mit Tintenklecks

Text:
  • Matieu Klee
Ausgabe:
18/02

Tintenstrahldrucker als Schnäppchen: Wer sich von den Tiefpreisen verführen lässt, sitzt bald mal in der Tinte. Spätestens beim Erwerb einer Tintenpatrone.

Wer den Regalen von Computergeschäften entlangschlendert, findet Druckermodelle aller grossen Hersteller zu Schnäppchenpreisen von unter 200 Franken. Am heimischen Computer angeschlossen, drucken die Tintenstrahldrucker nicht nur fleissig Briefe, sondern bringen ebenso emsig bunte Bilder zu Papier. Doch spätestens wenn der Drucker zum ersten Mal seinen Dienst verweigert, weil der Tintentank leer ist, wird es teuer. Neue Originalpatronen sind, auch wenn sie noch so wenig Tinte enthalten, kaum unter 50 Franken zu haben.

«Es ist ein offenes Geheimnis in der Branche, dass Drucker quersubventioniert werden», erklärt Caglar Kazanci, Product-Manager der Firma Excom, die Epson-Drucker vertreibt. Die Hersteller verdienen laut Insidern an diesen Druckern zu Schnäppchenpreisen gar nichts mehr. Erst wenn der Tintentank leer ist, kommt ihre Stunde: Experten schätzen die Herstellungskosten einer Tintenpatrone auf weniger als zehn Franken. Bei einem Verkaufspreis von 50 Franken und mehr bleibt den Druckerherstellern ein satter Gewinn.

Dass die Rechnung aufgeht, zeigt eine Studie des englischen Marktforschungsinstituts CAP Ventures: Hochgerechnet auf eine vierjährige Lebensdauer eines Printers, machen die Anschaffungskosten durchschnittlich gerade mal zehn Prozent der Gesamtkosten aus. Mit 70 Prozent schlagen hingegen die Kosten für Tinte und Druckköpfe zu Buche. Den Rest geben die Konsumentinnen und Konsumenten für Spezialpapier aus.

Kampf um leere Patronen

In der Schweiz beherrschen die vier Hersteller Hewlett-Packard (HP), Canon, Epson und Lexmark über 90 Prozent des Marktes. Während bei Epson-Druckern nur der Tintentank ausgewechselt werden muss, nicht aber der Druckkopf, sind beim Marktleader HP jedes Mal Tintentank und der mit Patenten geschützte Druckkopf zu ersetzen. Deshalb bauen Firmen wie Pelikan Hardcopy für Epson-Drucker Tintentanks nach, während für HP-Drucker verbrauchte Patronen gesammelt, geprüft und aufgefüllt werden. Trotz Mehraufwand und kleineren Stückzahlen sind die Tintenpatronen von Fremdherstellern im Laden mindestens 30 Prozent günstiger als Originalpatronen.

«Der Kampf um leere Tintenpatronen ist gross», sagt Christian Liechti, Product-Manager von Pelikan Hardcopy. Deshalb bezahlt seine Firma bis zu zehn Franken pro leere Tintenpatrone an ihre Lieferanten. Rund 200000 leere Tanks sammelt die Firma in der Schweiz jedes Jahr ein. Seltsam nur, dass viele Detailhändler diese Zusatzeinnahmen aus dem Geschäft mit den Recyclingpatronen nicht an ihre Kundschaft weitergeben.

Die Originalhersteller möchten sich die unliebsame Konkurrenz mit verschiedenen Methoden vom Leib halten: Canon und Epson klagen in Deutschland gegen Pelikan Hardcopy wegen Verletzung des Patents. Epson setzt auf einen Kopierschutz und rüstet seine Tintentanks miteinem speziellen Chip aus, ohne den der Drucker streikt.

Für Bewegung im Druckermarkt dürfte die im Mai angekündigte Untersuchung von Mario Monti sorgen. Der oberste Wettbewerbshüter der Europäischen Union prüft vor allem, ob die Druckerhersteller die freie Konkurrenz behindern. Das Ergebnis der Untersuchung könnte sich auch auf den Schweizer Markt auswirken.

Gemeinsam warnen alle Originalhersteller vor der angeblich schlechteren Qualität von Nachahmerprodukten. «Wer die beste Qualität will, kauft Originalpatronen», sagt Manager Kazanci stellvertretend. Doch die Stiftung Warentest hat verschiedene Patronen miteinander verglichen und kommt zum Schluss, dass die Unterschiede zwischen Original- und den besten Nachahmerpatronen minim sind. Dagegen erreichten Produkte, bei denen die Konsumenten selbst Tinte nachfüllen müssten, nicht dieselbe Qualität.

Auch Martin Hurter, Mitglied der Geschäftsleitung der Versandhandelsfirma Rüegg-Naegeli, meint, dass die Druckqualität bei einem wesentlich tieferen Preis so gut wie beim Original sei. «Ich habe Mühe, wenn grosse Firmen ihre dominante Stellung ausnützen», kommentiert Hurter die Preispolitik der Originalhersteller.

Auch wenn die Druckerhersteller gerne mit der Angst der Kundinnen und Kunden spielen: Auf die Garantie für den Printer hat die Verwendung von fremden Tintenpatronen nach Ansicht von Experten keinen Einfluss.

© Beobachter Ausgabe 18 vom 06. Sep 2002 - Alle Rechte vorbehalten

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