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Heilmittelskandal

Ein Rezept gegen Wucher

Text:
  • Thomas Grether
Bild:
  • Archiv
Ausgabe:
18/04

Der Skandal um das Medikament Inomax für todkranke Babys zeigt Folgen: Der Hersteller gerät nun zusehends unter Druck.

Der Beobachter hatte den Skandal im Mai dieses Jahres aufgedeckt und damit den Stein ins Rollen gebracht: Das für herz- und lungenkranke Babys lebensrettende Gas Stickstoffmonoxid sollte 54-mal teurer werden. Statt wie bisher 100 Franken müssten Kinderspitäler künftig 5400 Franken pro Tag hinblättern.

Hinter der Preistreiberei steckt die Firma Ino Therapeutics, eine Tochtergesellschaft des Linde-Konzerns, die sich europaweit das Patent auf das Gas gesichert hat. Inzwischen hat die Firma von der Schweizerischen Medikamenten-Kontrollstelle Swissmedic die Zulassung erhalten. Aus Stickstoffmonoxid, das seit Jahren bei Babys erfolgreich und günstig angewendet wird, ist ein superteures Medikament geworden: Inomax.

In der TV-Sendung «Kassensturz», in der die Beobachter-Recherche aufgenommen wurde, sagte Professor Jürg Hammer, leitender Intensivmediziner des Kinderspitals Basel: «Wir können wegen der Kosten nicht garantieren, in Zukunft jedes Baby ausreichend mit dem Gas behandeln zu können.» Ärzte drohen deshalb sogar mit dem Boykott von Inomax, wie die «Sonntags-Zeitung» berichtete.

Auch der Bundesrat ist gefordert


Der Druck auf Ino Therapeutics wächst. Ende letzter Woche hat der Preisüberwacher die Firma aufgefordert, zum Wucherpreis Stellung zu nehmen. Und der Luzerner Gesundheitsdirektor Markus Dürr trifft sich nächste Woche mit den Verantwortlichen der Firma zu Gesprächen. «Ino Therapeutics missbraucht als Monopolist den Patentschutz, um mit einem einfach herzustellenden Medikament abzukassieren», sagt Dürr.

Auch der Bundesrat ist im Interesse todkranker Babys gefordert. SP-Nationalrat Hans Widmer forderte ihn in der Sommersession in einem Postulat auf, «Massnahmen zu studieren, wie die künstliche Verteuerung von Medikamenten, die unter Patentschutz gestellt werden, verhindert werden kann». Auf die Antwort darf man gespannt sein.

© Beobachter Ausgabe 18 vom 02. Sep 2004 - Alle Rechte vorbehalten

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