• Anzeige:

  • Anzeige:

Koni Rohner zu Konsumwut

Kampf um Spielzeug

Text:
  • Koni Rohner
Bild:
  • Archiv
Ausgabe:
19/04

Unser zehnjähriger Sohn will jeden Samstag in die Spielwarenabteilung des Einkaufszentrums. Wenn wir ihm nicht mindestens Spielkarten kaufen, macht er jeweils ein Theater. Wir haben keine Geldprobleme, die Forderungen geben uns aber trotzdem ein schlechtes Gefühl. Mit Recht? Myrtha und Ruedi G.

Ich teile Ihre Besorgnis, denn Ihr Kind scheint bereits unter einer Art Kaufsucht zu leiden. Neue Untersuchungen zeigen deutlich, dass diese Gefahr unserer Konsumgesellschaft nicht zu unterschätzen ist. Offenbar überschreiten vor allem junge Menschen immer öfter die Grenzen ihrer finanziellen Möglichkeiten. Schätzungen zufolge sind in der Schweiz ein Drittel der Jugendlichen unter 25 verschuldet und riskieren einen Privatkonkurs. Um diese Entwicklung zu bremsen, braucht es unter anderem auch Prävention. Eltern sollten nicht einfach Bancomat ihrer Kinder sein, sondern sie ein angemessenes Konsumverhalten lehren und diese wichtige Erziehungsaufgabe ernst nehmen.

Die Versuchungen sind riesig. Bunte, auf Kinderaugenhöhe präsentierte Verpackungen oder mit Süssigkeiten voll gestopfte Gestelle neben den Kassen: All das lockt die Kleinen. Die TV-Sender unterbrechen ihre Kinderprogramme mit Werbeblöcken, diese wecken das Begehren nach neuen Spielsachen und Süssigkeiten. Die Kinder sind einer Flut von Kaufreizen ausgesetzt und müssen lernen, damit umzugehen, dem Bombardement zu widerstehen.

Wir sind eine Konsumgesellschaft. Der Einkauf dient längst nicht mehr der Deckung des Lebensunterhalts. Er ist zum Erlebnis geworden, zur Vorabend- und Samstagsunterhaltung. Das erkennt man bereits an der Gestaltung der Einkaufszentren und an deren Belebung durch Veranstaltungen und Ausstellungen. Der Privatkonsum ist als Wachstumsmotor der Wirtschaft von Bedeutung. Es wäre blauäugig, diese Tatsache nicht wahrhaben oder ändern zu wollen. Es geht in den entsprechenden Fragen nicht etwa um einen spartanischen Verzicht, sondern um einen realistischen Umgang mit dem Angebot und seinen finanziellen Möglichkeiten. Das gilt für Erwachsene und Kinder.

Wie sich Selbstdisziplin üben lässt


Die erforderliche Selbstdisziplin kann man lernen. Deshalb sollten Kinder selber ein kleines Budget verwalten können. Darüber hinaus: Ein positives Vorbild ist noch immer die wirksamste Erziehungsmethode, das sollten sich Eltern vor Augen halten. Meine Erziehungstipps sind:

  • Übertragen Sie Ihrem Kind Verantwortung für eigenes Geld; so lernt es früh, damit umzugehen – ob als Taschengeld, im Kässeli oder später in Form eines eigenen Kontos.


  • Üben Sie mit Ihrem Kind Frustrationstoleranz: Es soll Wünsche aufschieben können und lernen zu verzichten – und so den Versuchungen widerstehen.


  • Reden Sie am Familientisch offen über Geld, über Preise, Löhne, den Wert von Sachen und über Anschaffungen.


  • Versuchen Sie, ein Modell für vernünftiges Konsumverhalten vorzuleben.

© Beobachter Ausgabe 19 vom 16. Sep 2004 - Alle Rechte vorbehalten

  • SOS Beobachter

    Helfen Sie Menschen in Not mit Ihrer Spende.

    spenden

  • Beobachter-Assistance

    Jetzt Kostenübernahme bei Rechtsfällen sichern!

    Mehr Infos


    Versicherungsbedingungen
    Download (PDF 56 kb)

  • Sparziel Rechner

    Sparziel-Rechner

    Sparen! Aber wie? Mit dem Sparziel-Rechner wissen Sie wie lange, wie häufig oder wie viel Sie sparen müssen, um Ihre Wünsche zu erfüllen.

    jetzt sparen

  • Konsumforum

    Hier geben sich kritische Konsumentinnen und Konsumenten gegenseitig Tipps und Ratschläge und tauschen Erfahrungen aus.


    zum Forum

created by snowflake productions gmbh