Migros
Es grüsst die Murmelgier
Die Migros spornt Kinder - und damit ihre Eltern - zu grösseren Einkäufen an: Pro 20 Franken Kaufsumme gibts als Belohnung eine Murmel. Die Aktion wird nicht überall gern gesehen.

(Bild: Christine Bärlocher)
Nach den Panini-Bildchen kommen nun die Kindermurmeln: Die Migros will ihre jüngsten Kunden zu grösseren Einkäufen animieren - pro 20 Franken Einkauf erhalten Kinder (oder deren Eltern) eine Münze, die gegen eine Murmel eingetauscht werden kann. 32 unterschiedlich bedruckte Murmeln gibt es. Um die Sammlung zu vervollständigen, muss also - im optimalen Fall, wenn keine Murmel zweimal vorkommt - für 640 Franken eingekauft werden. Eine hübsche Summe für die anvisierte Zielgruppe der Kinder ab drei Jahren.
«Das ist Kinderfängerei», ärgert sich Sonja Karrer, Vizepräsidentin von «Schule und Elternhaus Schweiz», der grössten Elternorganisation der Deutschschweiz. Dass die Murmel als altes, einfaches Spielzeug wiederentdeckt wird, erachtet sie zwar als positiv. «Aber die Kinder werden dazu missbraucht, ihre Mütter und Väter zum Konsum zu animieren. Das finde ich bedenklich.» Erwachsene seien alt genug, um Sinn oder Unsinn eines Bonusprogrammes einzuschätzen, doch Kinder könnten das noch nicht.
Die Migros findet diesen Vorwurf laut Pressesprecherin Monika Weibel «unbegründet». Sie verweist darauf, dass die Aktion bis Ende September laufe und die Murmeln somit im normalen Einkaufsrhythmus gesammelt werden könnten. Zudem seien sie auch günstiger zu haben: beim Kauf bestimmter Produkte oder gratis zu einem Kindermenü im Migros-Restaurant. Was die Pressesprecherin nicht sagt: Gewöhnliche Glasmurmeln gibts in der Migros viel billiger. Ein Sack mit 21 Stück kostet Fr. 3.50.
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© Beobachter Ausgabe 14 vom 09. Jul 2008 - Alle Rechte vorbehalten
