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Partnervermittlung

Mit Verlust gepaart

Text:
  • Gian Signorell
Ausgabe:
19/04

Die Firma Life Bernardi sucht Singleberater und verspricht einen tollen Verdienst. Den grossen Reibach allerdings macht allein der Chef.

Die Partnervermittlungsfirma Life Bernardi in Dornach SO inseriert wieder. Sie sucht Singleberater, die mit «gutem Auftreten» eine «exklusive Kundschaft» beraten sollen – und das zu einem «Spitzenverdienst». Wer sich von der Anzeige verführen lässt, dem kann es übel ergehen. So wie Maja Lepingle aus Binningen BL: Aus ihrer rund zehn Monate dauernden geschäftlichen Verbindung mit Life Bernardi blieb ihr ein Nettoverlust von rund 36'000 Franken.

Die Masche ist seit Jahren die gleiche. Mit «Lockvogelinseraten», so das Richteramt Dorneck-Thierstein, sucht Life Bernardi Singleberater und bringt sie durch falsche Versprechungen dazu, eine «Schulung» zu absolvieren. 4850 Franken knöpft Patric Bernardi den Interessenten für die zweieinhalb Tage dauernde Veranstaltung ab. Hier erfahren sie beispielsweise, dass der Verstand «in etwa mit einem super funktionierenden Computer zu vergleichen» sei oder dass «jede Person die gleiche Situation ganz anders erlebt».

Einschlägige Erfahrungen mit der Life Bernardi hat auch Rolf Gurtner aus Bätterkinden BE gemacht. «Nach dem Bewerbungsgespräch ging ich davon aus, dass ich von Life Bernardi fünf bis zehn Termine pro Woche für Beratungsgespräche erhalten würde», sagt Gurtner. Am dritten Tag der Ausbildungsveranstaltung kam die kalte Dusche. Von «exklusiver Kundschaft» keine Spur. «Plötzlich hiess es, die Akquisition von Neukunden sei unser Job, obwohl mir während des Bewerbungsgesprächs wiederholt das Gegenteil versichert worden war.»

Ein ehemaliges Kadermitglied von Life Bernardi sagt: «Die Strukturen und Prozesse in der Firma sind ausschliesslich auf die Anwerbung von Beratern ausgerichtet. Deren Fluktuationsrate ist enorm.» Viele Exberater äussern den Verdacht, die Firma verdiene ihr Geld ausschliesslich mit der Schulung. Bernardi will zu den Vorwürfen keine Stellung nehmen. Umso offener sind frühere Berater. Etwa Luc Giger aus Herisau: Der frisch gebackene Singleberater kaufte bei Life Bernardi rund 9000 Werbezettel. Giger verteilte die Flyer, das Resultat war ernüchternd: «Ich erhielt ganze zwei Rückmeldungen.»

Frühere Berater erheben Klage
Auch Exberaterin Irene Ryf (Name geändert) wunderte sich über den mageren Rücklauf und retournierte einen Flyer mit der Anschrift ihrer Schwester. Nach nicht einmal drei Tagen erhielt diese einen Anruf aus der Dornacher Zentrale. «Life Bernardi reisst sich die Kunden gleich selber unter den Nagel. Das ist Beschiss», sagt Ryf. Die Berater arbeiten auf Provisionsbasis und erhalten einen Fünftel des Vertragswerts. Schliesst Life Bernardi die Verträge selber ab, gehen die Berater leer aus.

Möglich, dass Life Bernardis merkwürdige Ausbildungstätigkeiten und lusche Praktiken bald enden. Die Zahl der Bernardi-Geschädigten wächst, der Widerstand organisiert sich. Einige Exberater haben bereits Strafanzeige eingereicht, weitere Klagen sind in Vorbereitung.

 

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© Beobachter Ausgabe 19 vom 16. Sep 2004 - Alle Rechte vorbehalten

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