Stand-by Strom sparen geht sogar im Schlaf

Heute verbrauchen Elektrogeräte im Schlafmodus beträchtlich Strom. Ab 2011 sorgt eine EU-Norm für Besserung. Bis alle Geräte ersetzt sind, lohnt es sich, Hilfsmittel zur Reduktion des Verbrauchs zwischen Gerät und Steckdose zu schalten.

Elektrogeräte verbrauchen auch im Schlafmodus beträchtlich Strom. Es lohnt sich, Hilfsmittel zur Reduktion des Verbrauchs zwischen Gerät und Steckdose zu schalten.

Ein Knopfdruck, und das Mahlwerk der Kaffeemaschine beginnt zu heulen. Es zischt und brodelt, Sekunden später rinnt der Espresso in die Tasse. Man greift sich diesen und fläzt sich vor dem Fernseher aufs Sofa. Auch hier genügt ein Tastendruck: Fast sofort erscheinen auf dem Bildschirm Skirennen, Tagesschau oder Daily Soap. Der Stand-by-Modus ermöglicht es Elektrogeräten, auf Knopfdruck unmittelbar zu funktionieren – ohne Wartezeiten und Aufwärmphasen.

Diese Bereitschaft kostet Strom – in vielen Fällen mehr als nötig. Laut der Schweizerischen Agentur für Energieeffizienz (SAFE) fällt auf den Stand-by-Modus in einem durchschnittlichen Haushalt zehn Prozent des Stromverbrauchs. In der Schweiz sind das jährlich rund zwei Milliarden Kilowattstunden. Das entspricht dem Verbrauch aller Firmen und Haushalte der Stadt Zürich oder einem Viertel der Stromproduktion des Kernkraftwerks Gösgen.

Dass der Stand-by-Verbrauch so hoch ist, hat zwei Gründe: Einerseits fliesst in den Netzteilen vieler Elektrogeräte nach dem Ausschalten unnötigerweise noch Strom. Anderseits gestalten die Hersteller den Stand-by-Modus oft zu wenig energieeffizient. Die Bereitschaft zum Signalempfang, etwa bei Druckern, TV oder Fax, sowie Zustandsanzeigen und Uhren brauchen mehr Strom, als nötig wäre.

Dem hohen Stand-by-Verbrauch soll seit 2011 eine auch in der Schweiz gültige EU-Norm den Garaus machen: Nicht mehr als ein Watt Strom darf ein neues Gerät im Stand-by-Modus noch benötigen. Noch sind viele Elektrogeräte in den Schweizer Haushalten jedoch nicht auf dem neusten Stand der Technik. Das wird sich nur langsam ändern, geht man doch von einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von acht Jahren für Elektrogeräte aus. Das ist aus ökologischer Sicht durchaus sinnvoll, steckt doch in jedem Elektrogerät graue Energie (Produktionsenergie). Ein wenige Jahre altes Gerät wegen seines Stand-by-Verbrauchs wegzuwerfen ist also nicht im Sinne des Umweltschutzes.

Eine Studie des Bundesamts für Energie (BFE) von 2006 zeigt aber: Die Elektrogeräte eines durchschnittlichen Schweizer Zwei-Personen-Haushalts verbrauchen im Stand-by-Modus etwa 50 Watt, die eines Vier-Personen-Haushalts bis zu 80 Watt. Im ersten Fall kostet das etwa 90 Franken, im zweiten etwa 140 Franken pro Jahr. Hochgerechnet auf die Lebensdauer eines Geräts, geht der Stand-by-Verbrauch also ins Geld.

DIE GRÖSSTEN STAND-BY-SÜNDER
Wie viel Strom die eigenen Elektrogeräte verbrauchen, kann mit dem kostenlosen «Stand-by-Test Haushalt» auf der Internetseite www.energybox.ch herausgefunden werden. Der Test zeigt zudem, wo es Sparpotentiale gibt. Eine andere Möglichkeit ist das Ausleihen eines Strommessgeräts beim örtlichen Elektrizitätswerk. Dieses zeigt, wie viel Strom Geräte im Stand-by-Modus benötigen.

Die grössten Stand-by-Sünder seien in den meisten Fällen am PC angeschlossene Geräte wie Drucker, Modems und Router sowie TV-Set-Top-Boxen und Kaffeemaschinen. Bei PC-Peripheriegeräten geht oft vergessen, diese zusammen mit dem PC auszuschalten. Stattdessen sind sie das ganze Jahr in Bereitschaft und warten auf Aufträge. An den PC gekoppelte Abschalthilfen wie eine Master-Slave-Steckerleiste (siehe «Abschalthilfen») sorgen dafür, dass sämtliche Peripheriegeräte beim Abschalten des PCs vom Stromnetz getrennt werden.

Auch bei Fernseh- und Videogeräten oder Set-Top-Boxen minimieren Abschalthilfen den Stand-by-Verbrauch. Allerdings können vor allem ältere Geräte Programmierung und Sendereinstellung verlieren, wenn sie vom Netz getrennt werden. Vor dem Kauf einer Abschalthilfe sollte dies geprüft werden. Einmal für mehrere Stunden ausgesteckt lassen genügt als Test.

Auch Kaffeemaschinen sind notorische Stand-by-Sünder. «Viele neue Modelle schliessen im Test allerdings gut ab, da sie das Stand-by nach einiger Zeit automatisch ausschalten», sagt Meier. Bei älteren Maschinen hilft nur, den Stecker zu ziehen. Oder eine Schaltuhr: Sie schaltet die Kaffeemaschine am Morgen zur rechten Zeit ein, damit der Espresso auf Knopfdruck da ist. Ohne Wartezeit und ohne Stand-by-Verlust während der Nacht.

Abschalthilfen

Manuelle Abschalthilfen
Einfach und kostengünstig lässt sich der Stand-by-Verbrauch durch konventionelle Stecker­leisten mit Schalter vermeiden. Ist diese Leiste ausgeschaltet, sind alle angeschlossenen ­Geräte vollständig vom Netz getrennt. Ältere Geräte wie Fernseher oder Radios können ­dadurch aber die Sendeeinstellungen verlieren (ausprobieren!). Mittlerweile sind viele Stecker­leisten mit gedrehten Steckdosen erhältlich – sie bieten auch für Netzteile genug Platz.

Für mehr Bedienkomfort gibt es Leisten mit Schaltermaus: Der Schalter lässt sich so in ­bequemer Griffweite platzieren, während die Steckerleiste zum Beispiel unter dem Pult Platz findet.

Preis: 10 bis 50 Franken

Master-Slave-Steckerleiste
Mit der Master-Slave-Steckerleiste lassen sich durch Ein- und Ausschalten eines Hauptgeräts daran angeschlossene Geräte ein- und ausschalten. Sie eignet sich vor allem für PC-Arbeits­plätze: Wird der PC eingeschaltet, bekommen auch die Peripheriegeräte wie Drucker, Modem oder Monitor Strom. Ist der PC aus, sind die ­Peripheriegeräte vollständig vom Netz ­getrennt, brauchen also keinen Strom für den Stand-by-Modus. Die ­Master-Slave-Steckerleiste ist somit eine auto­matische und bequeme ­Alternative zur manuellen Abschalthilfe. Sie ist allerdings etwas teurer und hilft wegen ihres Eigen­verbrauchs etwas weniger Strom sparen – zudem wird bei ihr das Hauptgerät nie ­vollständig vom Netz getrennt.

Preis: 20 bis 100 Franken

Ecoman
Ein Ecoman reduziert den Stand-by-Verbrauch: Er lässt sich an Steckerleisten anschliessen und erkennt, wenn ein Gerät abgeschaltet wird und in den Stand-by-Modus fällt. Dann reduziert das Stromspargerät den Stand-by-Verbrauch auf 0,1 Watt, ein sehr tiefer Wert. Der Ecoman TP100 ist für Computer, ältere Fernseher und andere Geräte der Unterhaltungselektronik konzipiert und reagiert sowohl auf Ein- und Ausschalten per Hand am jeweiligen Gerät als auch auf die Fernbedienung. Der Ecoman KK500 ist mit einem Bewegungsmelder ausgerüstet und eignet sich für Küchengeräte und Kaffeemaschinen: Hält sich niemand mehr in der ­Küche auf, schaltet er automatisch ab.

Preise: Ecoman TP100: Fr. 69.50, Ecoman KK500: Fr. 82.50

Fernschalter
Mit Fernschaltern lassen sich Elektrogeräte ebenfalls komfortabel ausschalten. Mit dem Sender (Fernbedienung) kann man vor die ­entsprechenden Geräte geschaltete, codierbare Empfänger durch die zugewiesenen Tasten ­ansteuern und so Geräte ein- und ausschalten. Gedacht sind sie in erster Linie für die Bedienung von Leuchten. Funk-Fernschalter haben ­eine Reichweite von bis zu 30 Metern, auch durch Wände. Fernschalter mit Infrarot arbeiten nur bei Sichtkontakt, geben dafür aber keine elektromag­netische Strahlung ab. Neu gibt es Fernschalter, die ­keine Batterien mehr benötigen. Sie produ­zieren die benötigte Energie beim Tastendruck ­mittels Piezo-Energieversorgung – wie elektrische Feuerzeuge – selbst.

Preis: 70 bis 150 Franken

Schaltuhren
Schaltuhren bieten eine weitere Möglichkeit, Elektrogeräte vom Stromnetz zu trennen, wenn sie nicht gebraucht werden. Voraus­setzung ist, dass die Geräte zu fest definierten Zeiten ­laufen sollen. So lässt sich eine Kaffeemaschine zum Beispiel per Schaltuhr zwischen 21 Uhr abends und sechs Uhr morgens vom Stromnetz trennen, während des Tages läuft sie dann auf Stand-by. Dasselbe gilt für Computer, Drucker und andere Geräte. Im Gegensatz zu den ­günstigeren ­elektromechanischen Schaltuhren lässt sich bei elektronischen jeder Wochentag individuell programmieren. Der PC im Büro zum Beispiel kann so am Wochenende immer vom Stromnetz getrennt sein, unter der Woche aber nur nachts.

Preis: 20 bis 70 Franken

 

Zu beachten

  • Elektronische Abschalthilfen brauchen ­selber Stand-by-Energie. Dieser Eigenverbrauch sollte unter 0,5 Watt liegen.

  • In allen Abschalthilfen steckt graue Energie (Produktionsenergie). Das ist bei der öko­logischen Gesamtbeurteilung zu beachten.

  • Gewisse elektronische Geräte sollten vor der Trennung vom Netz heruntergefahren werden. So kann zum Beispiel ein Tintenstrahldrucker den Druckkopf sicher parkieren, ­damit dieser nicht austrocknet.

  • Die Schaltleistung einiger Abschalthilfen ­beträgt nur vier Ampere (statt der üblichen zehn). Diese Abschalthilfen dürfen nicht für leistungsstarke Geräte wie Kaffeemaschinen oder Heizöfen verwendet werden.

 

Stand-by-Verbrauch und Gesamtstromverbrauch

Der Stand-by-Verbrauch von Haushaltsgeräten ist teilweise beträchtlich. Die schlimmsten Stromfresser sind Kaffeemaschinen – vor allem solche mit Wärmeplatten zum Temperieren der Kaffeetassen.

Gerät  Gesamt-verbrauch kWh/Jahr Stand-by-Verbrauch kWh/Jahr Betriebs-verbrauch kWh/Jahr
Kaffee-
maschine
100 60 40
Mikro-
welle
60 15 45
Wäsche-
trockner
500 7 493
Wasch-
maschine
300 17 283
Geschirr-
spüler
300 4 296
Kühl- und Gefrier-
geräte
200 7 293
Induktions-
kochfelder
130 60 70
Backofen (inkl. Steamer) 100 12 88

Quelle: SAFE, 2006

Wirksamkeit einer Abschalthilfe

Abschalthilfen sind nur bei Geräten mit einer Stand-by-Leistung von mehr als fünf Watt sinnvoll. Es empfiehlt sich, mehrere Geräte an eine ­Abschalthilfe anzuschliessen, um so die Umweltbilanz zu verbessern.

Gerät
Stand-by ­Ab-
schalt-
hilfe
Wirk-
sam-
keit
Ein-
sparung
Watt h/Jahr Watt in % kWh Fr.
Hi-Fi-Anlage 10 8000 0,7 100 591 118
PC und Peripherie 10 6500 0,7 80 377 75
einfacher Drucker 5 8500 0,7 100 291 58
Fernseher 3 7000 0,7 100 119 24

Quelle: SAFE, 2007 Abschalthilfe: Master-Slave-Steckerleiste; angenommener Strompreis: 20 Rappen/kWh; Nutzungsdauer: 8 Jahre

Autor:
  • Raphael Hegglin
Bild:
  • Thinkstock Kollektion