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Tropenholz: Beim Möbelkauf auf dem Holzweg

Text:
  • Eric Send
Ausgabe:
15/02

Wer sich für ein Möbel aus Urwaldholz entscheidet, unterstützt so die Abholzung der Regenwälder. Ausser das Möbelstück trägt den Aufkleber «FSC» – ein Label für umweltverträgliche Holznutzung.

Die Schweiz präsidiert dieses Jahr die internationale Tropenholzorganisation ITTO (International Tropical Timber Organization). Die Organisation wurde vor 19 Jahren mit dem Ziel gegründet, dass bis zum Jahr 2000 weltweit nur noch mit Tropenholz aus nachhaltiger Produktion gehandelt werden soll. Nachhaltige Regenwaldnutzung bedeutet: Kahlschläge sind verboten, es darf nur gerade so viel abgeholzt werden, wie wieder aufgeforstet wird, und die Rechte der Ureinwohner müssen respektiert werden.

Die ITTO, der 57 Länder angehören, hat ihr Ziel bei weitem verfehlt, wie die Organisation selber zugibt. Nach wie vor gehen jährlich immer noch 15 Millionen Hektaren Urwald durch Kahlschläge verloren – eine Fläche, die viermal so gross ist wie die Schweiz. Deshalb fordert der Bruno-Manser-Fonds (BMF), der sich ebenfalls für den Schutz der Urwälder und ihrer Bewohner einsetzt, in einer kürzlich eingereichten Petition den Austritt der Schweiz aus der ITTO. Die Begründung: Die Mitgliedschaft bei der Organisation sei vor allem ein Vorwand, um griffige Massnahmen zu verhindern, schreibt der BMF.

Eine solche Massnahme wäre zum Beispiel ein Einfuhrstopp für Tropenhölzer, die mittels Raubbau gewonnen werden. «Der grösste Teil des importierten Tropenholzes stammt tatsächlich aus Ländern, in denen illegale Aktivitäten an der Tagesordnung sind», sagt Greenpeace-Waldspezialist Christoph Wiedmer. Namentlich seien dies vor allem afrikanische Länder wie Kamerun und die Demokratische Republik Kongo. Aber auch aus Malaysia, wo Bruno Manser mit den eingeborenen Penan für die Erhaltung des Regenwalds kämpfte, aus Indonesien oder dem Amazonasgebiet importiert die Schweiz Holz. Über 20000 Tonnen oder rund zwei Prozent des gesamtschweizerischen Holzverbrauchs waren es gemäss BMF im vergangenen Jahr. Da nicht alles Tropenholz in der offiziellen Statistik auftaucht, dürfte der Anteil gar noch einiges höher liegen. Denn oft wird Tropenholz noch in den Ursprungsländern zersägt und dann etwa in Finnland verarbeitet. Anschliessend gelangt es als finnisches Möbel in den Verkauf.

Meist merken wir nicht einmal, dass wir Produkte aus Tropenholz besitzen. So kann etwa der Bleistift aus Zeder sein, die Salatschüssel aus Koromandel oder das Gartenmöbel aus Teak. Tropenholz ist langlebig, schön, günstig, wasserabstossend und feuerfest, hat wenig Astlöcher und lässt sich gut verarbeiten. Auch die meisten Türen enthalten Tropenholz. Doch für die Konsumenten ist im Handel meistens nicht erkennbar, was für eine Holzart es ist und woher das Holz kommt.

Das Parlament verhinderte in der Schweiz 2000 zum zweiten Mal die von den Konsumenten- und Umweltorganisationen geforderte Deklarationspflicht für Holz. Damit hätten die Konsumenten erkennen können, ob der Besenstiel nun aus Malaysia stammt oder aus Schweizer Holz gefertigt ist. Fortschrittlicher sind die Grossverteiler Migros, Coop und Jumbo, die in ihren Bau- und Möbelzentren die Herkunft des Holzes freiwillig deklarieren.

Statt auf Deklarationspflichten oder Importverbote zu warten, schlägt der WWF nun eine andere Gangart ein und setzt mit dem FSC-Label (Forest Stewardship Council – Weltforstrat) auf nachhaltige Holzproduktion. «Wir empfehlen den Konsumenten, sich darüber zu erkundigen, wie das Holz produziert wurde», sagt Damian Oettli, Waldexperte beim WWF Schweiz. Das FSC-Label bürgt dafür, dass die Holzprodukte unter ökologisch und sozial einwandfreien Bedingungen hergestellt wurden. Das Herkunftsland ist hingegen nicht entscheidend: Ein Gartenmöbel aus brasilianischem Eukalyptus kann genauso mit dem FSC-Label ausgezeichnet werden wie die polnische Holzkohle oder die Schweizer Spanplatte.

Der WWF ist also nicht grundsätzlich gegen eine Nutzung von Tropenhölzern, im Gegenteil: «Die Länder des Südens sollen merken, dass wir gern bereit sind, einen Preis für ökologisch produziertes Holz zu bezahlen», so Oettli. Denn der Regenwald müsse wieder einen wirtschaftlichen Wert bekommen, argumentiert der WWF. Heute werde stattdessen der grösste Teil des Regenwalds für die Produktion von Palmöl, die Viehzucht, den Sojaanbau oder Tabakfelder vernichtet. Lediglich zehn Prozent gingen auf das Konto der Holzindustrie. Die zur Holzgewinnung angelegten Forstwege ermöglichen aber erst die Zerstörung des Regenwalds für die landwirtschaftliche Produktion.

Mit der Argumentation des WWF sind nicht alle einverstanden. Der Bruno-Manser-Fonds beispielsweise ist explizit nicht Mitglied beim FSC, weil dieser auch Holzschläge in Urwäldern zulässt – wenn auch streng geregelt. «Trotzdem ist FSC-Tropenholz natürlich immer noch besser als alles andere Tropenholz», betont BMF-Mitarbeiter John Künzli. Am besten aber wäre es, wenn die Konsumenten nur einheimisches Holz kaufen, «schliesslich wäre die Schweiz bei weitem in der Lage, ihren eigenen Holzbedarf zu decken».

© Beobachter Ausgabe 15 vom 26. Jul 2002 - Alle Rechte vorbehalten

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