Verjährungsfristen Was lange nicht zu Altpapier wird

Verjährungsfristen: Was lange nicht zu Altpapier wird

Bis eine Rechnung verjährt ist, muss man beweisen, dass sie bezahlt wurde. Deshalb sollten Sie die Quittungen aufbewahren. Aber wie lange?

Man könnte die Beige wohlwollend auch Loseblattsammlung nennen: den Stapel mit Quittungen, Rechnungen, Kontoauszügen und Belastungsanzeigen, der sich mit der Zeit anhäuft. Weniger Ordentliche stopfen diese Papiere in eine Schublade, die anderen legen sie fein säuberlich in Bundesordner ab. Doch irgendwann quillt die Schublade über, oder die Reihe der Ordner wird zu lang. Dann stellt sich die Frage: Wie lange muss die Quittung aufbewahrt werden? Oder anders: Wann ist die Rechnung verjährt?

Das Gesetz gibt – wie so oft – keine praktische, einfache Antwort. Zwar gilt grundsätzlich eine allgemeine Verjährungsfrist von zehn Jahren. Doch je nach Art der Forderung kann die Frist deutlich länger oder kürzer sein (siehe Nebenartikel «Rechnungen, Honorare, Steuern: Was verjährt wann?»).

Handwerkerrechnungen etwa sind bereits nach fünf Jahren verjährt. Ebenfalls nach fünf Jahren verfallen periodische Zahlungen wie Telefonrechnungen oder Zeitungsabos. Auch die Honorarforderungen von Anwältinnen oder Ärzten verjähren in der gleichen Frist. Bei Arztrechnungen heisst es aber aufpassen, damit man nicht wegen einer anderen, kürzeren Verjährungsfrist zwischen Stuhl und Bank fällt: Ansprüche gegenüber Privatversicherungen verjähren bereits nach zwei Jahren. Konkret: Wenn eine Ärztin mit der Rechnung vier Jahre zuwartet, müssen Sie diese bezahlen, können den Betrag aber nicht mehr von der Kranken- oder Unfallzusatzversicherung zurückfordern.

Die Verjährungsfrist beginnt mit der Fälligkeit. Ein Beispiel: Der Zahnarzt schickt Ihnen heute die Rechnung für eine Behandlung, die am 13. Januar 2005 stattgefunden hat. Da nichts Spezielles vereinbart wurde, war das Honorar sofort fällig. Damit begann die Verjährungsfrist am 14. Januar 2005 zu laufen, und am 13. Januar 2010 war sein Honorar verjährt. Mit seiner Rechnung ist der Zahnarzt definitiv zu spät. Sie müssen nicht mehr zahlen.

Doch keine falschen Hoffnungen: Säumige Gläubiger sind die Ausnahme. Normal ist, dass Sie eine Betreibung oder gar eine Klage vor Gericht riskieren, wenn Sie eine Rechnung nicht bezahlen. Damit ist dann auch die Verjährung unterbrochen, und die Frist läuft wieder neu.

Weil die Verjährungsfristen so verschieden sind, ist es am einfachsten, wenn man Quittungen und Belege zehn Jahre aufbewahrt. Dann können Sie sich, sollte plötzlich eine alte Forderung eintrudeln, auf Verjährung berufen und den Papierkram getrost entsorgen.

 

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Text:
  • Doris Huber
Bild:
  • Thinkstock Kollektion
16. Februar 2006, Beobachter 4/2006