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Versandtest: Sags mit Blumen – aber schau dem Händler genau auf die Finger

Text:
  • Eric Send
Ausgabe:
9/02

Am nächsten Muttertag sind wieder in der ganzen Schweiz Kuriere mit Blumensträussen unterwegs. Der Beobachter liess zehn florale Grüsse verschicken und bewertete sie.

Rund um den Muttertag am 12. Mai haben die Blumengeschäfte Hochkonjunktur. Denn was liegt näher – vor allem wenn die Mutter nicht gleich um die Ecke wohnt –, als Blumen per Kurier oder Post zu schi-cken. Mittlerweile hat der Versand auch bei kleineren Blumengeschäften Einzug gehalten. Obwohl der Anteil der Versandblumen mit rund fünf Prozent am Gesamtmarkt noch relativ klein ist, verschicken immer mehr Leute ihre Blumengrüsse. «Wir haben vor allem berufstätige Kunden zwischen 32 und 45 Jahren», sagt Res Lehnherr, Geschäftsführer von Fleurop, Dachorganisation mit über 500 Blumengeschäften in der ganzen Schweiz.

Der Beobachter wollte wissen, ob die Blumengeschäfte ihre Versprechungen halten, und bestellte zehn Sträusse zu rund 40 Franken an je eine Adresse in Zürich und Olten. Fazit: Für das bezahlte Geld bekommt man seine Blumen fristgerecht. Auch an der Frische war nicht viel auszusetzen. Bei der Verarbeitung der Sträusse dominierte allzu oft Langweiliges.

Angekommen sind sämtliche Blumen per Kurier oder Postexpress am bestellten Tag, mehr oder weniger zur abgemachten Zeit um 15 Uhr. Der Kurier von Blume 3000 in Zürich war etwas gar schnell und legte den Strauss bereits um 8.30 Uhr vor die Tür. Eine pünktliche Lieferung kann sich aber auch mit Postexpress als schwierig erweisen, da die Post zwischen 7 Uhr morgens und 21 Uhr abends ihre Liefertouren macht. Ob die Mutter Freude hat, frühmorgens vom Pöstler geweckt zu werden, sei dahingestellt. Auch sollte man besser zu Hause sein, da die Blumensträusse teils ohne Feuchtverpackung vor die Tür gelegt werden. Enttäuschend war auch die Versandverpackung: Lediglich drei Anbieter waren in der Lage, die Blumensträusse so zu verschicken, dass die Schachtel einer unsanften Behandlung bei der Post standgehalten hätte. Als sehr professionell hingegen erwies sich Florissimail, wo die stosssichere Box auch beim Öffnen Freude machte: Die Blumen lagen schön präsentiert in der Schachtel.

Die Qualität der Floristenarbeit beurteilte die erfahrene Floristin Irene Hofer nach den Kriterien: Sind die Sträusse frisch? Bekommt man genügend Blumen fürs Geld? Wie sorgfältig sind sie gebunden und verarbeitet? Und: Sind die Sträusse originell, oder wurden fantasielos Blumen aneinander gereiht?

  • Was als Erstes freute: Die Blumen kamen fast alle in frischem Zustand an – trotz Lieferung am Montag. In einem Laientest wurde zudem der Zustand der Blumen nach fünf Tagen beurteilt: Immerhin drei Sträusse waren so gut erhalten, dass sie noch einen weiteren Tag im Sitzungszimmer der Beobachter-Redaktion stehen bleiben durften (Blumen Suter, A&S Flowers, Atelier Floral).

  • Preis-Waren-Verhältnis: Bis auf zwei Ausnahmen freute das Resultat auch hier. Enttäuschend jedoch die Sträusse von Blumen Bühlmann und Blume 3000 – hier erhält man zu wenig fürs Geld. Wobei dem Blume-3000-Gebinde zugute zu halten ist, dass es teure Grünblätter enthielt. In einen Frühlingsstrauss gehört aber Buntes.

  • Grosse Unterschiede hingegen bei der Sorgfalt. Der Strauss von Atelier Floral in Cully war etwa so eng gebunden, dass sich die Blüten gegenseitig erdrückten. Unsorgfältig auch das Bouquet von Art Floral: angefressene Blätter, keine saubere Spiralbindung und Blätter in der Bindstelle trübten das Bild des ansonsten originellen Strausses.

  • Grössere Unterschiede auch beim Bezug zur Saison: Nicht überall dominierten Frühlingsblumen.

  • Originalität: Der Strauss von Blumen Suter aus Emmenbrücke bekam von der Blumenexpertin die Bestnote für die originellste Floristenarbeit – «sorgfältig abgestimmt, bringt Frühlingsgefühle ins Haus», lobt Irene Hofer. Gut abgeschnitten haben auch die Bouquets von A&S Flowers sowie Art Floral. Florissimail lieferte hingegen einen Allerweltsstrauss, und das Gebinde von Atelier Floral erweckte den Eindruck, als habe jemand eilig Blumen für 40 Franken zusammengebunden.

Und nicht zuletzt wurde die Qualität der Glückwunschkarte beurteilt, für die man immerhin bis zu Fr. 3.70 zusätzlich bezahlt. Vor allem Fleurop enttäuschte mit einer äusserst unpersönlichen Karte – computergeschrieben und mit Fehlern. Immerhin ist eine Karte ohne Sujet bei Fleurop gratis. Und bei Florissimail gibts zwar eine hübsche Karte mit Sujet, innen gibts jedoch nur computergeschriebene Grüsse sowie eine Marktumfrage. Auch bei Blumen Pfister setzt man lieber auf Eigenwerbung statt auf persönliche Blumengrüsse.

Wer sichergehen will, dass der Blumenstrauss auch wirklich seinen eigenen Vorstellungen entspricht, kauft ihn immer noch besser im Geschäft. Das empfiehlt selbst Fleurop-Chef Res Lehnherr. Dort werden auch nicht drei Franken für «Rechnungsspesen» verlangt, wie etwa bei Blumen Bühlmann in Zürich.

© Beobachter Ausgabe 9 vom 03. Mai 2002 - Alle Rechte vorbehalten

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