Versicherung
Sicher keine Dummheit
Viele Jugendliche sind schlecht versichert – was sie erst im Schadensfall schmerzlich merken. Acht Tipps für Stifte, Studentinnen und Maturanden.

(Bild: Gaudenz Danuser)
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Januar 2003: Marco Bertozzi geniesst die Pisten oberhalb des Bündner Skiorts Brigels. Der 22-jährige Snowboarder kurvt die Schneehänge hinunter, als plötzlich ein Junge auf Kurzski seinen Weg kreuzt. Der Zusammenstoss ist heftig. Der Bub wird mit aufgeschlitzten Oberschenkeln vom Pisten-Rettungsdienst abtransportiert. Marco selbst hat Glück im Unglück, er trägt nur leichte Prellungen davon. Zu Hause flattert dem jungen Bonaduzer eine unangenehme Überraschung ins Haus: Seine Privathaftpflichtversicherung teilt ihm mit, dass er gar nicht versichert sei und alle Kosten selber tragen müsse. Wie kam es dazu?
Privathaftpflicht: Ein absolutes Muss bei eigenem Einkommen
Marco Bertozzi lebt bei seinen Eltern und war der Meinung, durch die elterliche Privathaftpflichtversicherung abgedeckt zu sein. Ein teurer Irrtum. Ein halbes Jahr vor dem Unfall hatte der 22-Jährige seine Lehre als Kältemonteur beendet. Bei seiner Versicherung gilt: Sobald ein Jugendlicher nach der Ausbildung sein eigenes Geld verdient, braucht er eine eigene Privathaftpflichtversicherung. Zum Glück für Bertozzi war der Schaden mit 1000 Franken nicht allzu hoch. Das Ganze hätte aber weitaus schlimmer ausgehen können, so dass er womöglich für den Rest seines Lebens für den Schaden hätte zahlen müssen.
Wann brauchen Jugendliche eine eigene Privathaftpflichtversicherung?
Um sicherzugehen, setzt man sich am besten mit der Versicherung der Eltern in Verbindung und fragt nach. Generell gilt:
- Eine eigene Police ist bei vielen Versicherungen nötig, sobald man das 20. oder 25. Altersjahr überschritten hat, unabhängig davon, ob man noch daheim wohnt oder nicht. Heiratet man oder kommt frühzeitig aus der Lehre und verdient sein eigenes Geld, ist schon früher eine eigene Versicherung vonnöten.
- Bei anderen Versicherungen sind Jugendliche durch die Familienpolice ohne Altersgrenze geschützt. Sie brauchen keine eigene Versicherung – solange sie zu Hause wohnen und nicht erwerbstätig sind. Schülerinnen, Lehrlinge und Studenten gelten dabei als nicht Erwerbstätige. Die Basler Versicherung geht noch einen Schritt weiter. In ihrer Familienversicherung sind alle Personen eingeschlossen, die im gleichen Haushalt leben, unabhängig vom Alter oder davon, ob sie arbeiten, studieren oder eine Lehre machen. Hier ist erst beim Wegzug von der Familie eine eigene Versicherung nötig. Die Prämienhöhe für Jugendliche liegt in der Regel zwischen 80 und 130 Franken pro Jahr.
Nützlicher Zusatz für die Nutzung fremder Fahrzeuge
Mal schnell das Auto des Kollegen ausleihen und eine Spritztour machen? Wenn dann beim Einparkieren ein Betonpfeiler im Weg steht, ist es gut, einen Zusatz für fremde Fahrzeuge in der Haftpflichtversicherung zu haben. Geschützt ist schweizweit das Benützen fremder Autos, wenn dadurch ein Schaden am Fahrzeug selber oder am Fahrzeug eines anderen entsteht.
wUnbedingt empfehlenswert ist der Zusatz, wenn Jugendliche regelmässig den Wagen einer anderen Person benützen. Die Prämienhöhe variiert von Versicherung zu Versicherung, bei der Mobiliar ist der Zusatz ohne Aufpreis in der normalen Privathaftpflichtversicherung eingeschlossen.
Hausratversicherung: Für alle, die nicht mehr bei den Eltern wohnen
Wo die teure Stereoanlage stand, gähnt Leere, oder über Nacht hat das Mountainbike den Besitzer gewechselt? Wenn Jugendliche zu Hause wohnen, ist ihr Eigentum normalerweise über die Hausratversicherung der Eltern versichert.
wSobald eine eigene Wohnung oder ein WG-Zimmer bezogen wird, ist eine eigene Versicherung nötig. Die Prämienhöhe ist abhängig vom gewählten Versicherungsschutz, der sich nach dem Wert bestimmt, den die versicherten Sachen haben.
Der wichtige Zusatz: Einfacher Diebstahl auswärts
Diebstahl und Beraubung sind in der Hausratversicherung mitgedeckt, nicht aber der einfache Diebstahl auswärts. Darunter fällt zum Beispiel, wenn das Snowboard oder das Fahrrad auswärts entwendet wird, sowie Trick- und Taschendiebstähle auf der Strasse. Ein Zusatz, der sich unbedingt lohnt! Die Versicherungssumme kann beim Abschluss frei gewählt werden, sie liegt üblicherweise bei 2000 Franken. Der Zusatz kostet zum Beispiel bei der Generali Versicherung 60 Franken im Jahr.
Krankenversicherung: Obligatorisch!
Ohne Krankenversicherung würde uns jede Erkältung eine Stange Geld kosten. Die Krankenversicherung wird aufgeteilt in die Grundversicherung und in frei wählbare Zusatzversicherungen. Die Grundversicherung ist für alle in der Schweiz lebenden Personen zwingend. Die Prämie ist altersfixiert, für Versicherungsnehmer zwischen 19 und 25 Jahren gibts Prämienreduktionen. Die Grundversicherungsprämie ist abhängig vom gewählten Versicherungsmodell, sie liegt für einen 18-Jährigen zwischen 170 und 230 Franken pro Monat.
Nicht alle Zusatzversicherungen sind für Jugendliche nötig. Empfehlenswert sind aber Zusätze, die Impfungen, Brillen, gynäkologische Vorsorgeuntersuchungen, Psychotherapie und den Auslandschutz umfassen. Die Prämie dafür liegt in etwa zwischen 15 und 25 Franken pro Monat.
Unfallversicherung: Obligatorisch!
Generell ist jeder Jugendliche automatisch über seinen Arbeitgeber oder seinen Lehrplatz gegen die Folgen eines Unfalls versichert. Dieser Schutz gilt für alle, die mindestens acht Stunden pro Woche irgendwo tätig sind, also auch für Teilzeitangestellte.
- Wenn jemand seine Lehrstelle verliert oder in Ausbildung ist, ist er nicht der Unfallversicherung eines Arbeitgebers unterstellt. Dann empfiehlt sich die rasche Mitteilung an die Krankenversicherung. Diese versichert die nicht erwerbstätige Person gegen die Folgen eines Unfalls. Arbeitslose, die Taggelder beziehen, sind bei der Suva versichert. Bei Verlust der Arbeitsstelle ermöglicht die Abredeversicherung, noch bis zu sechs Monate beim bisherigen Unfallversicherer zu bleiben. Dies ist eine günstige Alternative zur Unfallversicherung der Krankenversicherung.
Reiseversicherung: Eine kluge Sache
Wer kennt das nicht: Beim Buchen einer Reise fragt der Angestellte im Reisebüro sofort: «Haben Sie eine Annullationskostenversicherung und eine Reisegepäckversicherung?» Diese Versicherungen gelten aber nur für diese eine Reise, teils sogar nur bis zum Beginn der Reise.
- Die Jahresreiseversicherung hingegen bietet umfassenden Schutz für alle während eines Jahres unternommenen Reisen und kostet fast gleich viel. Die Mobiliar bietet Jugendlichen bis 26 die Jahresreiseversicherung für 50 Franken pro Jahr an. Sie beinhaltet weltweit die Deckung von Annullationsgebühren bis 5000 Franken, und dies bis zum Ende der Reise. So ist auch ein Abbruch der Ferien aufgrund von Krankheit oder Unfall versichert.
- Das Reisegepäck kann man mit einem Zusatz in der Hausratversicherung versichern lassen. Das ist wesentlich kostengünstiger als der Abschluss einer einzelnen temporären Reisegepäckversicherung.
© Beobachter Ausgabe 16 vom 05. Aug 2004 - Alle Rechte vorbehalten







