Versicherungen
Profiteure des Unwetters
Trotz Rekordgewinnen erhöhen Versicherungen die Selbstbehalte bei Unwetterschäden.

(Bild: Archiv)
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Für die drei grössten Hausratversicherer war 2005 ein «ausgezeichnetes Jahr»: Die «Winterthur» steigerte ihren Gewinn auf 1,1 Milliarden Franken, die Basler Versicherungen auf 404 Millionen und die Mobiliar auf 272 Millionen. Die Branche hat das Jahrhundertunwetter von Ende August 2005 «hervorragend bewältigt», wie Albert Lauper, Präsident des Schweizerischen Versicherungsverbands (SVV), bereits im Januar verkündete.
Von diesen Rekordgewinnen haben die Versicherten nichts. Im Gegenteil: Sie sollen in Zukunft bei Naturkatastrophen wie Hagel, Überschwemmungen oder Felsstürzen sogar noch mehr zahlen. Mit dem Segen des Bundesamts für Privatversicherungen beantragt der SVV dem Bundesrat unter anderem, dass Versicherte in Zukunft bei jedem Schadensfall statt 200 Franken Selbstbehalt 500 Franken zahlen müssen und die Prämien um 2,5 Prozent steigen sollen. «Die Versicherer nehmen das Jahrhundertunwetter vom August 2005 zum Anlass, um Kosten auf die Versicherten abzuwälzen», kritisiert Thomas Meier von der Stiftung für Konsumentenschutz.
«Die Naturkatastrophen nehmen allgemein zu», entgegnet Bruno Spicher, Präsident der Kommission Sachversicherung des SVV. «Deshalb wäre eine Erhöhung der Deckungslimite sowie eine Anpassung von Selbstbehalt und Prämie auch ohne das Jahrhundertunwetter von 2005 nötig gewesen.» Er stützt sich auf eine Studie im Auftrag des SVV und interne Statistiken zu den Elementarschaden-Versicherungen.
Deckungslimite nicht beansprucht
Aber wieso sollen Versicherte mehr zahlen, wenn die Versicherungen Rekordgewinne einfahren? «In Zukunft bieten die Versicherungen eine viermal bessere Deckung für Elementarschäden», verteidigt Spicher die neue Regelung. Richtig: Gemäss neuem Vorschlag müssen Versicherungen Schäden bei einer Naturkatastrophe nicht nur bis zu maximal 500 Millionen Franken, sondern bis zu zwei Milliarden decken.
Nur: Selbst beim Jahrhundertunwetter vom letzten Jahr mit einem Schaden für die Privatversicherer von 1,3 Milliarden Franken musste die Branche die Deckungslimite von 500 Millionen Franken gar nicht in Anspruch nehmen, wie SVV-Präsident Lauper stolz verkündete. Alle Schäden konnten gedeckt werden, weil die Versicherungen sich rückversichert und einen Schadenpool geäufnet hatten - alles mit den Prämien der Versicherten notabene.
© Beobachter Ausgabe 17 vom 16. Aug 2006 - Alle Rechte vorbehalten







