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Werbestopp

Das Kreuz mit dem *

Mitarbeit:
  • Doris Huber
Bild:
  • Archiv
Ausgabe:
20/04

Der «Stopp»-Kleber an Briefkästen soll einem vor Werbung verschonen. Aber immer mehr Firmen ignorieren den Hinweis - genauso, wie sie sich nicht um den * im Telefonbuch kümmern, der vor Marketingaktionen bewahren soll.

(Bild: Archiv)

Auf der Suche nach einem Nebenverdienst stiess Barbara Hirzer auf das Inserat der Firma Computix in Wädenswil: «Verteilen Sie für uns Prospekte in die Briefkästen.» Stutzig wurde Hirzer, als sie die Anweisungen für den Job durchlas. Darin notiert Computix zwar, dass sie es den Verteilenden überlasse, ob sie den «Stopp»-Kleber beachten wollten oder nicht. Doch ihr Ziel – eine flächendeckende Verteilung – ist unverkennbar: «Unsere Erfahrung zeigt, dass der Erfolg und somit auch Ihre Provision höher ist, wenn Sie in alle Briefkästen Werbung verteilen.»

Damit setzt sich Computix über das Verlangen zahlreicher Konsumenten nach einem Reklamestopp leichtfertig hinweg. «Ich war der Meinung, dass sich nur grosse Firmen an diesen Sperrwunsch halten müssen», verteidigt sich Silvio Kämpf von der Computix und verspricht Besserung: «Wir werden den Kleber in Zukunft respektieren.» Immer mehr Firmen ignorieren nicht nur den «Stopp»-Kleber. Auch der im Telefonbuch mit einem Stern gekennzeichnete Hinweis, von Marketingmassnahmen unbehelligt bleiben zu wollen, wird laufend übergangen. Die Krankenkasse Swica beispielsweise belästigte Peter Opitz mit einem Werbetelefon, obwohl er seinen Namen im Telefonbuch mit einem * hat versehen lassen. «Es ist möglich, dass wir bei der Nachbearbeitung von Werbemailings zu wenig auf diesen Stern geachtet haben», räumt Nicole Graf, Pressesprecherin der Swica, ein. Doch habe keinesfalls die Absicht bestanden, den Wunsch der Kunden zu übergehen, keine Werbung zu erhalten.

Anders die Computerschule Franchi SA: Sie behauptet kühn, ihre «Vorinformation» über neue Computerkurse habe nichts mit Werbung zu tun. «Deshalb rufen wir selbstverständlich auch Personen an, die den Stern-Eintrag haben», sagt Moris Nardi, Verkaufsmanager der Schule. Gegen solch dreiste Firmen rechtlich vorzugehen ist möglich, aber nicht unbedingt einfach. Deshalb empfiehlt der Beobachter ein pragmatisches Vorgehen: Hängen Sie getrost auf, wenn Sie ungebetene Werbetelefone erhalten. Höflichkeit ist hier fehl am Platz.

© Beobachter Ausgabe 20 vom 30. Sep 2004 - Alle Rechte vorbehalten

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