Oeschinensee Paradies mit Geschichte

Als hätte ein Riese ein Glas blaues Wasser ausgeschüttet: der Oeschinensee

Der Oeschinensee im Berner Oberland verdankt seine Existenz einem Felssturz. Die Blüemlisalp ihre weisse Pracht der Rache einer Mutter.

aktualisiert am 04. Mai 2016 15:25

Die kleinen Gondeln schweben über steile Wiesen. Von der Bergstation aus führt ein 20-minütiger Spaziergang zum Oeschinensee, der in einer Talmulde liegt und so plötzlich auftaucht, als hätte ein Riese ein Glas sehr blaues Wasser ausgeleert. Das Kiental und die Gegend rund um den See gehören seit 2001 zum Unesco-Welterbe Schweizer Alpen.

Der Oeschinensee ist mit anderthalb Quadratkilometern Fläche einer der grös­seren Alpenseen. Entstanden ist er durch einen Bergrutsch, der den Wasserabfluss der Gletscherbäche blockierte. Man kann am Ufer nicht nur gemütlich in einer Beiz oder auf einem Stein höckeln, sondern auch ein Ruderboot mieten oder die Angel auswerfen. Im 56 Meter tiefen See leben Regenbogen- und kanadische Seeforellen, man kann sein Glück also sowohl mit Zapfen- wie mit Fliegenfischen versuchen.

Für die Mutter gabs saure Milch

So idyllisch See und Aussicht auf die Dreitausender Blüemlisalp, Oeschinenhorn, Fründenhorn und Doldenhorn sind, so schrecklich ist die Sage, die man sich in der Gegend erzählt: Auf der Blüemlisalp habe einst ein Senn mit einer hochmütigen Magd gelebt. Die beiden lebten in Saus und Braus und hielten sich nicht mehr an die Sitten. Als die Mutter des Sennen auf die Alp stieg, um ihn zur Räson zu bringen, setzte dieser ihr saure Milch vor und verhöhnte sie. Die Mutter verfluchte das Paar, Fels und Eis stürzten herab, von da an blieb die Blüemlisalp weiss und kalt.

Daran denkt heute kaum jemand mehr. Der Oeschisee, wie ihn Berner Oberländer nennen, lockt Familien an, denn er ist gut erreichbar, bietet grossen und kleinen Kindern eine Sommerrodelbahn – und Berggängern wie Kletterern eine gute Aus­gangslage für weitere Routen. Den See umrunden sollten nur Trittsichere; entlang verlaufen Wege zu den SAC-Unterkünften Blüemlisalphütte (2840 Meter über Meer) und Fründenhütte (2562 Meter). Verbunden sind sie durch die «Fründenschnuer», an der man sich abenteuerlich entlang­hangelt. Ein Fehltritt allerdings genügt, und die Idylle findet abrupt ihr Ende.

Ausgangspunkt der Wanderung ist Kandersteg; Gondelbahn Kandersteg–Oeschinensee: www.oeschinensee.ch

Die Fahrzeiten variieren nach Jahreszeit: Retourfahrt für 
Erwachsene mit Halbtax/Kinder 13 Franken; Verbindung Bergstation–Oeschinensee nachmittags auch mit Elektromobil möglich: Erwachsene 8 Franken, Kinder 5 Franken

Sommerrodelbahn Oeschinensee: bei trockener Witterung 
täglich in Betrieb

Ruderboote: 30 Minuten 14 Franken, 1 Stunde 24 Franken

Restaurant Oeschinensee: täglich während der Betriebszeiten der Gondel geöffnet

Autor:
  • Susanne Loacker
Bild:
  • Roberto Sysa Moiola