Velotour Den Thurgau erfahren

Velotour im Thurgau: auf zwei Rädern von Bischofszell nach Frauenfeld.

aktualisiert am 10. Jun 2016 16:49

Die grösste noch erhaltene spätmittelalterliche Brücke der Schweiz: Krumme Thurbrücke bei Bischofszell

Sah ein Knab’ ein Röslein stehn,
Röslein auf der Heiden,
War so jung und morgenschön,
Lief er schnell, es nah zu sehn,
Sahs mit vielen Freuden»:

Man möchte meinen, Goethe habe sein «Heiden­röslein» auf die Rosenstadt Bischofszell gedichtet. Die Rosengärten und die barocke Altstadt haben es uns auf Anhieb angetan. Gern würden wir noch länger hier verweilen, doch erwarten unsere Fahrräder, dass sie nicht nur geschoben werden. Also verlassen wir Bischofszell – beschwingt von so viel Schönheit der Thur-Route 95 folgend.

Schon bald wirbt ein Restaurant mit hausgemachten Cremeschnitten. Doch die Freude währt nur kurz: «Heute geschlossen». So fahren wir weiter vorbei an Äckern, Feldern und Wiesen. Immer wieder erhaschen wir einen Blick auf die Thur, unsere ständige Weggefährtin. Dennoch biegen wir kurz vor Istighofen nicht ab an ihre Ufer, sondern nach links an einen kleinen Weiher. Ein idyllischer Ort. Wir baden die Füsse, füttern Enten und Karpfen mit Brot.

Aus der Ferne sehen wir die markante Erhebung des Ottenbergs und erreichen bald Weinfelden – die Hälfte der Tour ist geschafft. Blauburgunder, Riesling und natürlich Müller-Thurgau sind die Rebsorten, die den beliebten Aussichtsberg umranken. Gern hätten wir die Velotour zu einer Degustationstour umfunktioniert. Doch die Vernunft obsiegt. Auch Radfahrer müssen sich schliesslich an die Promillegrenzen halten. Beim nächsten Besuch in Weinfelden werden wir mit dem Zug, aber ohne Velo anreisen und den gut vier Kilometer langen Rebenweg entlangspazieren – Wein­kostproben eingeschlossen.

Auf der Weiterfahrt nach Frauenfeld erfreuen wir uns am Dorf Amlikon mit seinen Riegelbauten, bestaunen Segelflieger und erreichen über unschweizerisch weite Ebenen den Kantonshauptort. Unserer Tochter zuliebe fahren wir zum Freibad, verzichten auf einen Besuch des Schlosses mit dem mächtigen Turm, in dem sich das historische Museum befindet. So entspannen wir vielmehr unsere Glieder und Muskeln im Sprudelbad, fühlen uns dabei wie auf Rosen gebettet und träumen von haus­gemachten Cremeschnitten.

Autor:
  • Hansjürg Reber
Bild:
  • Andreas Eggenberger