Nachlese
Schnäppchen mit Tücken
Eine Brockenstube verkauft ein Hightech-Velo, das ihr gar nicht gehört, zu einem Spottpreis – und brüskiert zwei Hobbysportler.

Wieder glücklich vereint: Philipp Ryf aus Davos bekam sein geliebtes Velo zurück.
Eigentlich will Thomas Werthmüller nur rasch Einmachgläser für selbstgemachtes Sauerkraut kaufen, doch dazu kommt er nicht. Schon auf dem Vorplatz der Brockenstube Nikodemus in Sissach sticht dem angefressenen Hobbysportler ein Zweirad ins Auge wie einem Botaniker vierblättriger Klee. Er lässt sich durch die dick aufgetragene Dreckschicht nicht täuschen: Was sich da neben zwei alten Stahlrossen versteckt, ist ein Schnäppchen der Sonderklasse: ultraleichter Alurahmen, Komponenten vom Feinsten. Er kommt schon in Fahrt, bevor er nach dem Preis fragen kann. Aber 120 Franken müsse sie schon haben, erklärt ihm die Verkäuferin. Er zahlt, lädt das Velo ein und ist weg. Statt mit secondhand Bülacher Gläsern kommt er mit dem Bike heim. «Ich dachte, es müsse von einer Hausräumung frisch eingetroffen sein. Schliesslich habe ich in dieser Brockenstube schon mehrfach Antiquitäten zum Schnäppchenpreis gekauft», sagt der Sekundarschullehrer.
Die Freude währte nur kurz
Während Familienvater Werthmüller sich noch wie ein Kind über das Schnäppchen freut, beendet Philipp Ryf seinen Rundgang durch die Brockenstube. Der Davoser stöbert gerne in der Brocki, wenn er in seiner alten Heimat Verwandte besucht. Sein Mountainbike hat er nicht abgeschlossen. «In Davos oben müssen wir das Velo nur an wenigen exponierten Orten wie dem Bahnhof abschliessen», sagt Ryf. Er glaubte schon, jetzt sei er im Unterland bestohlen worden. Doch die Verkäuferin muss ihm beichten, sie habe das Zweirad für Inventar gehalten und vor einer Viertelstunde verkauft. «Bei uns werden immer wieder alte Velos hingestellt», erklärt Daniel Löffel, Inhaber der Brockenstube.
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Nichts ahnend freut sich Neobesitzer Werthmüller über sein sensationelles Schnäppchen, auch sein Bruder erfährt davon. Der aber erinnert sich an den Steckbrief. Schweren Herzens bringt Werthmüller das Gefährt zurück. Ryf freut sich sehr, als sein Fahrrad wieder auftaucht: «Es ist mir ans Herz gewachsen, denn ich bin damit schon das eine oder andere Mal glimpflich kopfüber in die Heidelbeerbüsche gestürzt», erzählt er schmunzelnd.
Thomas Werthmüller hingegen ist zu seinem Sauerkraut zurückgekehrt. Die Einmachgläser dazu hat er aus erster Hand von der Landi.
© Beobachter Ausgabe 25 vom 11. Dez 2008 - Alle Rechte vorbehalten




