Reparaturen Reden ist Geld

Bei einer Autoreparatur sollten Sie mit dem Garagisten absprechen, was zu tun ist und welche Kosten auf Sie zukommen.
Bei einer Autoreparatur sollten Sie mit dem Garagisten absprechen, was zu tun ist und welche Kosten auf Sie zukommen.

Wer bei einer Autoreparatur Ärger mit dem Garagisten vermeiden will, muss vor allem eins tun: reden.

Eigentlich waren beim alten Porsche 924 von Beat Koller (Name geändert) nur die Bremsen kaputt. Aus der Werkstatt kam das Liebhaberauto dann aber auch noch mit neuem Auspuff und revidierten Federbeinlagern. «Das hat der Garagist ohne Auftrag durchgeführt», sagt Koller.

Ein klassischer Fall. Am Anfang eines Streits zwischen Kunden und Garagisten steht meistens eine missverständliche Auftragserteilung. «Wer das Auto zur Reparatur bringt, sollte vor allem eine Regel beherzigen: kommunizieren, kommunizieren, kommunizieren», sagt TCS-Experte Jürg Thrier.

1. Die Werkstatt wählen

Zuerst gilt es, sich für die richtige Werkstatt zu entscheiden. Ist Ihr Fahrzeug jünger als drei Jahre, wählen Sie mit Vorteil eine spezialisierte Vertretung Ihrer Marke. Das erst recht, weil die Elektronik der Fahrzeuge in den letzten Jahren immer komplizierter geworden ist und Markenvertretungen auch kniffligere Probleme lösen können. Die fahrzeugtypischen Schulungen der Mitarbeiter und eine umfassende Ausrüstung mit Spezialwerkzeugen haben allerdings auch ihren Preis.

Selbst wenn es sich nicht um eine von der Herstellergarantie gedeckte Reparatur handelt, sollten Sie sich bei einem jüngeren Auto für eine Markenvertretung entscheiden. Denn mitunter beteiligt sich der Hersteller aus Kulanz auch nach Ablauf der Garantie an den Reparaturkosten. Diese freiwillige Leistung ohne rechtliche Verpflichtung wird oft abgelehnt, wenn Sie die vorangegangenen Arbeiten am Fahrzeug nicht lückenlos in einer fabrikatsgebundenen Werkstatt durchführen liessen.

Freie Werkstätten bieten sich dagegen insbesondere für ältere Autos an. Genauso uneinheitlich wie das Erscheinungsbild dieser Garagen ist auch das Reparaturprogramm. Der Schwerpunkt liegt bei Wartungs- und Standardarbeiten (Auspuff, Kupplung, Bremsen). Zum Teil gelten günstigere Stundensätze, weil nicht alle Reparaturen angeboten werden und die Ausrüstung eingeschränkt ist. Werkstätten ausserhalb der Zentren bieten oft vorteilhafte Stundenansätze.

2. Den Auftrag erteilen

Planen Sie genügend Zeit ein, wenn Sie Ihr Auto in die Werkstatt bringen, und legen Sie den Termin nicht kurz vor Arbeitsschluss. So haben Sie die Möglichkeit, dem Garagisten auf einer kurzen Probefahrt zu erklären, wo das Problem liegt. Bei der anschliessenden Besprechung ist es wichtig, dass Sie sich die vorgeschlagenen Reparaturschritte und ihre Notwendigkeit genau erklären lassen. Wenn der Garagist nur Fachchinesisch spricht, dürfen Sie ungeniert nachfragen, bis Sie den Sachverhalt verstanden haben. Je konkreter der Auftrag formuliert wird, desto weniger Streitpunkte gibt es hinterher.

Der wichtigste Punkt bei der Auftragserteilung: Machen Sie einen Höchstbetrag als Kostendach ab. Bestehen Sie darauf, dass Reparaturen, die diesen Höchstbetrag übersteigen, nur nach Rücksprache mit Ihnen ausgeführt werden dürfen. Gerade bei älteren Autos kann es leicht passieren, dass die Reparaturkosten den Wert des Wagens fast übertreffen.

Verbindlich ist ein Kostenvoranschlag dann, wenn man mit dem Garagisten einen festen Preis für klar umrissene Leistungen vereinbart hat. Dann muss man im Nachhinein keinen höheren Preis bezahlen (auch nicht für Mehrwertsteuer, die Entsorgung von Materialien und Mehraufwand). Bei einem klar bezeichneten Abweichungsspielraum gilt die festgelegte Obergrenze.

Aufpassen muss man bei Offerten «nach Aufwand» und ungefähren Preisangaben (im Kostenvoranschlag erscheinen dann Wörter wie «zirka», «ungefähr» oder «nach Aufwand»). Sie sind unverbindlich. Die Werkstatt hat dann die Möglichkeit, ihre Arbeit grundsätzlich nach Aufwand abzurechnen. Es gilt kein Kostendach.

Schreiben Sie alle Abmachungen auf. Notieren Sie sich als Minimalvariante in Anwesenheit des Garagisten, welche Reparaturen ausgeführt werden sollen, den Höchstbetrag, den die Reparatur kosten darf, und die eigene Telefonnummer. Etwas mehr Zeit braucht das Formular «Auftrag an den Garagisten», das der TCS auf seiner Internetseite zum Herunterladen anbietet. Der Aufwand lohnt sich, denn auf diese Art gibt es im Streitfall weniger Raum für Missverständnisse.

3. Das Auto abholen

Schafft es die Werkstatt nicht, das Fahrzeug auf den versprochenen Termin fertigzustellen, sollten Sie mit einem eingeschriebenen Brief eine angemessene Nachfrist setzen. Verstreicht auch diese, können Sie für den entstandenen Schaden grundsätzlich beim Garagisten Ersatz fordern. Die Kosten für einen Ersatzwagen sind aber nicht in jedem Fall geschuldet; der Kunde muss nachweisen können, dass er auf den Wagen wirklich angewiesen ist, beispielsweise weil er nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren kann.

Prüfen Sie das Auto beim Abholen noch auf dem Werkstattgelände auf neue Schäden wie Dellen, Kratzer oder Verschmutzungen. Gibt es Beschädigungen, sollte man sich diese sofort von der Werkstatt bestätigen lassen und ihre Beseitigung verlangen.

Die Rechnung muss für jeden Arbeitsgang klar und detailliert die dafür aufgewendete Arbeitszeit ausweisen – gemäss den in der Garage angeschlagenen Preisen: also nicht «Arbeiten an der Bremsanlage», sondern «Bremsanlage auseinander- und zusammenbauen, Bremsklötze ersetzen, Bremsscheiben ersetzen». Die Preise für die Ersatzteile müssen separat aufgelistet sein. Übrigens sind Garagen von Gesetzes wegen verpflichtet, die Preise für die wichtigsten Arbeiten an gut sichtbarer Stelle anzuschreiben.

Bei wesentlichen Mängeln der Reparaturarbeiten kann man die Abnahme des Fahrzeugs verweigern; es bleibt dann in der Werkstatt. Wenn der Garagist darauf besteht, dass die Rechnung bar zu bezahlen ist, bevor er das Auto herausgibt, sollte man auf der Rechnung den Vermerk «Zahlung unter Vorbehalt» anbringen. Ohne diesen Vermerk gilt die Rechnung als anerkannt. Stellt man einen Mangel erst später fest, sollte man das der Garage sofort mit einer schriftlichen Mängelrüge mitteilen.

Porsche-Fahrer Beat Koller hat die Zahlung der Rechnung für die nicht bestellten Reparaturen verweigert. «Vom Garagisten, mit dem ich eigentlich befreundet war, habe ich seither nichts mehr gehört.» Koller hätte besser die Schlichtungsstelle eingeschaltet (siehe nachfolgende Box).

Nützliche Links

  • www.tcs.ch (Touring-Club Schweiz): Hier können Sie das Formular «Reparaturauftrag» als PDF herunterladen.
  • www.agvs.ch: Hier finden Sie die regionalen Schlichtungsstellen des Autogewerbeverbandes Schweiz.
  • www.vffs.ch: Beim Verband der neutralen freiberuflichen Fahrzeugsachverständigen erhält man Einschätzungen zur Rechtmässigkeit von Preisen und Qualität der Reparaturen.
Autor:
  • Gian Signorell
Bild:
  • Thinkstock Kollektion