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Die Rechnerwolke zieht auf
Cloud Computing soll das Arbeiten auf mehreren Computern erleichtern. Die Rechnerwolke im Internet birgt aber auch Gefahren. Kritiker raten von der Benutzung ab.

Von überall her Zugriff auf Daten: Cloud Computing verspricht grenzenlose Freiheit.
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Heute nutzen viele wie selbstverständlich mehrere Computer: zu Hause, am Arbeitsplatz, in Internetcafés. Und mit so manchem Handy sowie den trendigen Netbooks ist auch unterwegs immer öfter ein vollwertiger Computer mit dabei. Die vielen Geräte machen das digitale Leben nicht nur unabhängig, sondern auch kompliziert. Ständig müssen Telefon-, Adress- und Termindaten sowie die wichtigsten Dokumente synchronisiert werden. Und will man auf mehreren Computern arbeiten, kommt man oft nicht darum herum, die notwendigen Programme mehrfach zu kaufen und zu pflegen. Nun kündigt sich das Ende dieser kostspieligen und zeitraubenden Prozesse an: «Cloud Computing», zu Deutsch «Wolkenrechnen», heisst die Lösung.
Mit dem wolkigen Begriff wird die Nutzung von Software und Speicher auf Abruf beschrieben. Anwender kaufen keine Programme oder Festplatten für ihre Computer mehr, sondern Softwaredienste, Anwendungszeit und Speicherplatz bei einem Anbieter im Internet, der Wolke eben. Was der Nutzer dann noch braucht, sind ein Gerät mit Internetanschluss und ein Webbrowser, in dem die Daten angezeigt und die Programme ausgeführt werden. Ob das ein internetfähiges Handy, ein Netbook oder der Schulrechner ist, spielt keine Rolle.
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«Das ist eine grosse Dummheit»
Der «Personal Computer» in der Wolke ist von überall her zugänglich, und die gewohnten Programme stehen auf jedem Gerät mit Internet und Browser ohne Installation zur Verfügung. Zudem braucht man sich nicht um Updates zu kümmern. Die Synchronisation der Daten entfällt. Und vor allem: Ein Computerabsturz vernichtet keine Daten.
Der Wolken-Vorreiter ist Google mit mehreren wichtigen Web-Anwendungen: E-Mail, Kalender, Notizen, Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Bildbearbeitung – alles, was der Privatnutzer im Alltag braucht. Auch Platz für Daten stellt Google zur Verfügung. Und zwar kostenlos, weil werbefinanziert. Neben Google bieten zahllose andere Firmen Wolkenplatz für Privatanwender an, etwa Apple mit seinem Dienst Mobile Me und Microsoft mit Windows Live.
Allerdings handelt sich auch gewichtige Nachteile ein, wer voll auf die Wolke setzt. Zum einen steht man ohne Internetverbindung dumm da: keine Programme, keine Daten. Gleiches gilt, wenn der Dienst nicht funktioniert, etwa weil Hacker zugeschlagen oder Administratoren Mist gebaut haben. Auch auf die Art und Weise, wie die persönlichen Daten und Dokumente in der Wolke gespeichert, gesichert und weiterverwendet werden, hat man keinen Einfluss. Kritiker sehen in diesem Kontrollverlust die grösste Gefahr des Wolkenrechnens. «Man übergibt die Hoheit über seine Daten an ein Privatunternehmen», warnt etwa Richard Stallman, eine Ikone der Freie-Software-Szene, «und das ist eine grosse Dummheit.»
Auch der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte ist skeptisch. «Der User muss sich bewusst sein, dass die Serverbetreiber und allenfalls die Behörden des Landes, in dem der Server steht, seine Daten jederzeit einsehen können», warnt Mitarbeiterin Eliane Schmid. Sie rät deshalb «gerade bei sensiblen sowie bei Firmendaten» von der Verwendung von Online-Software ab. Wer trotzdem in den Wolken rechnen lassen will, sollte zumindest die wichtigsten Sicherheitsregeln fürs Cloud Computing berücksichtigen (siehe Infos unten).
Sicherheit in der Wolke
Beachten Sie bei der Nutzung von Online-Software und Speicherdiensten folgende Regeln:
- Lesen Sie die Nutzungsbedingungen der Online-Software aufmerksam. Achten Sie besonders auf Regelungen zur Weiterverwendung Ihrer Daten durch den Anbieter.
- Benutzen Sie nur Online-Programme, die verschlüsselt mit dem Server kommunizieren («https://» statt «http://» in der Adresse).
- Löschen Sie nach der Arbeit mit Online-Programmen alle Session-Daten des Browsers (Cache, Cookies).
- Verlassen Sie sich nicht auf die Verfügbarkeit der Dienste. Sichern Sie alle Daten auch auf Ihren Computern und installieren Sie darauf weiterhin Ihre wichtigsten Anwendungen.
- Bearbeiten und speichern Sie keine sensiblen Daten und Dokumente in der Wolke.
© Beobachter Ausgabe 3 vom 05. Feb 2009 - Alle Rechte vorbehalten




