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Geniessen

Das Paradies liegt am Walensee

Text:
  • Tatjana Stocker
Bild:
  • Andreas Eggenberger
  • , Daniel Ammann
  •  und Webseite: walenseeschiff.ch
Ausgabe:
11/09

Nomen est omen: Im Landgasthof Paradiesli in Betlis-Weesen SG fühlt man sich wie im Garten Eden.

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Köstlichkeiten schlemmen und Sonne tanken: der herrliche Ausblick von der Terrasse des «Paradiesli» auf den See

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Anreise: Zu Fuss von Weesen (vier Kilometer); Zufahrt alle 30 Minuten (Einbahnverkehr).

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Bruno Gugele und seine Partnerin Regula Basler in der freundlichen Gaststube

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Betlis und Quinten lassen sich auch per Schiff ab Weesen und Walenstadt erreichen.

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Die Ruine der Burg Strahlegg, eines römischen Wachturms, der im Mittelalter zum Burgturm ausgebaut wurde, befindet sich oberhalb der Schiffsanlegestelle Betlis, mit schönem Ausblick über den See. Wenige Gehminuten oberhalb liegt die Wirtschaft Strahlegg mit schönem Gastgarten, Telefon 055 611 11 82 (www.burg-strahlegg.ch). Bei der Renovation der Kapelle in Betlis, die der heiligen Maria geweiht ist, kamen alte Malereien zum Vorschein.

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Der Seerenbachfall ist von der Kapelle Betlis in zehn Minuten zu Fuss erreichbar. Aus 600 Metern Höhe stürzt das Wasser in mehreren Stufen talwärts. Der mittlere Abschnitt ist mit 305 Metern Höhe der höchste Wasserfall der Schweiz.

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In Quinten, dem autofreien 50-Seelen-Dörfchen, gedeihen Reben, Kiwis, Kakifrüchte, Feigen und Bananen. Im Lädeli der Bäuerin Margrit Bärlocher (rechts) gibt es Konfi­türen, Sirupe, Bärlauchpesto und eingemachtes Gemüse – alles selbst produziert. Tipp: Feigensenf und Ringelblumensalbe. Im Dörfli, Telefon 081 738 16 00. Aufgepasst: Auf dem Wanderweg nach Quinten sind gute Schuhe notwendig.

Der Weg ins Paradies führt durch zwei enge, in den Fels gehauene Tunnels, die so finster sind, dass Spaziergänger zuweilen das Gruseln überkommt. Wieder am Licht, windet sich das Strässchen, das dem steilen Ufer des Walensees entlangführt, alsbald zum Weiler Betlis hinauf. Und schon steht man an der Pforte zum Paradies. Sprich: vor dem Landgasthof Paradiesli. Die Idylle beginnt bereits beim Eingang – in Form von Gedichtzeilen, festgehalten auf einer Schiefertafel.

Und ruht man dann, vom einstündigen Spaziergang vom Städtchen Weesen her angenehm ermattet, in der von Berberitzen gesäumten Gartenwirtschaft, machen sich zuweilen erhabene Gefühle breit. Der Blick schweift übers türkisfarbene Wasser zum imposanten, bis weit in den Frühling hinein schneebedeckten Mürtschenstock, und nur das Gemurmel der Gäste und der unter den Schritten des Personals knirschende Kies unterbrechen den Sound der Stille.

Zum Paradies wurde das 1893 als Molkekurhotel erbaute ehemalige «Friedberg» jedoch erst, als die Familie Winistörfer das Anwesen vor mehr als 30 Jahren erwarb und das einst karge Land mit viel Sinn für Schönheit in einen 15'000 Quadratmeter grossen Garten verwandelte. Doch das viele Grün ist nicht nur eine Augenweide, sondern dient durchaus profanen Zwecken: Hier werden in terrassierten Beeten Gemüse, Kräuter, Obst und Beeren gezogen, die erntefrisch auf dem Teller landen. Allein 25 Kräutersorten sind auszumachen, von Ananassalbei bis Elefantenknoblauch, zudem Chilipflanzen in zehn Schärfegraden – ein Steckenpferd des Besitzers, der auch das spanische Traditionslokal «Bodega» in Zürich führt. Selbst Kiwis gedeihen in der windgeschützten, sonnenverwöhnten Klimaoase des Walensees, nicht umsonst «Riviera der Ostschweiz» genannt. 60 bis 80 Kilo werden jedes Jahr geerntet und zu Konfitüre verarbeitet – eine Köstlichkeit, die Gäste gern als Souvenir mitnehmen.

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«Wir sind doch kein Gourmettempel!»

Nicht nur die Konfitüren sind hausgemacht, auch das knusprige Landbrot kommt frisch aus dem Ofen, ebenso der Zopf, der den Hausgästen am Sonntag zum Frühstück aufgetischt wird. Aus der eigenen Backstube kommen auch Kuchen und Torten, auf dem blumengeschmückten Buffet in der Gaststube präsentiert. Im Paradies, so scheints, werden sündige Köstlichkeiten am laufenden Band aufgetragen – in grosszügig bemessenen Portionen. «Die Gäste sollen schliesslich nicht hungrig vom Tisch müssen», sagt Koch und Wirt Bruno Gugele.

Der gebürtige Österreicher versteht sich meisterhaft auf Linzer Torte und Wiener Schnitzel – dünn ausgeklopft, knusprig gebraten und mit Kartoffelsalat serviert. Auch seine hausgemachten Ravioli, Nudeln und Quarkpizokel sind fast schon legendär. Ob Wanderer oder Gourmet, der sich am Abend einen Tisch in der getäferten Stube oder im nostalgischen Gartenpavillon reserviert: Alle sollen sie im «Paradiesli» auf ihre Kosten kommen. Die Karte reicht vom Wurstsalat bis zum Mehrgänger.

Eine Zeitlang figurierte der Landgasthof gar in der Gourmet-Fibel «Gault Millau». Nicht nur zur Freude des Küchenchefs: «Wir sind doch kein Gourmettempel, sondern ein Landgasthof.» Bruno Gugele und seine Partnerin Regula Basler, die sich um Service und Hausgäste kümmert, haben die Bodenhaftung nicht verloren. Seit zehn Jahren führen die beiden Profis, die eigentlich in Flims zu Hause sind und sich als «Bergler» bezeichnen, das «Paradiesli» mit viel Herz und Sinn fürs Detail. Davon zeugen etwa die kunstvollen Blumen-Stillleben, arrangiert von der Dame des Hauses.

Stammgäste wissen, dass es bei Ausflugswetter und am Wochenende auch im «Paradiesli» hektisch zu und her gehen kann – und setzen auf den Sonntagabend oder einen Regentag. Dann kehrt im grünen Flecken am blauen See wieder Ruhe und Beschaulichkeit ein. Wie es sich für ein Paradies gehört.

Rezept: Topfencreme mit frischen Beeren

von Bruno Gugele

Zutaten für sechs Personen

5 Eigelb mit 200 Gramm Puderzucker, Mark einer Vanilleschote, einer Prise Salz sowie Saft und Abrieb einer Bio-Zitrone über Dampf warm schlagen.

4 Blatt Gelatine in kaltem Wasser quellen lassen, mit der Eimasse verrühren.

500 Gramm Topfen (Quark) dazugeben, glattrühren.

5 Deziliter geschlagenen Rahm und 2 steif geschlagene Eiweiss darunterziehen.

Nach Belieben mit Rum parfümieren. In Gläser füllen, kühl stellen. Mit Beeren und Minze anrichten.

Weitere Infos

Landgasthof-Hotel Paradiesli
8872 Betlis-Weesen
Telefon 055 611 11 79

Dienstag Ruhetag
Übernachtung mit Frühstück ab 75 Franken.
Anreise: Zu Fuss von Weesen (vier Kilometer); Zufahrt alle 30 Minuten (Einbahnverkehr)

© Beobachter Ausgabe 11 vom 27. Mai 2009 - Alle Rechte vorbehalten

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