Schutz und Pflege Sicher mit dem Velo durch den Winter

Velofahren im Winter
So nicht! Sehen und gesehen werden ist für Velofahrer das oberste Gebot bei nasskaltem Wetter.

Wie bin ich im Winter am sichersten mit dem Velo auf der Strasse unterwegs? Und wie bringe ich es optimal durch den Winter, wenn ich es nicht brauche? Eine Anleitung.

aktualisiert am 10. Okt 2016 10:10

Wer zwischen November und Februar mit dem Velo unterwegs ist, begibt sich auf glattes Terrain – auch wenn gar kein Schnee auf der Strasse liegt. Jeder dritte Velounfall im Winter hängt laut Angaben der Suva mit den Wetterbedingungen zusammen. Die häufigste Unfallursache: zu abruptes Bremsen.

Insbesondere in Städten und Agglomerationen ist das Velo ein gefragtes Fortbewegungsmittel. Velofahren ist nicht nur praktisch und schnell, sondern auch gesund – gerade im Winter: Sich dann zu bewegen stärkt das Immunsystem und sich dabei an der frischen Luft aufzuhalten produziert Vitamin D, was sich wiederum positiv auf den allgemeinen Gemütszustand auswirkt.

In den kalten Monaten das Velo zu benützen, ist aber eben auch gefährlich. Unfälle ereignen sich oft dann, wenn Velofahrer die Gefahren nicht richtig einschätzen. Vier von fünf Velounfällen sind auf Selbstverschulden zurückzuführen – sei es durch nicht den äusseren Umständen angepasstes Tempo, Ausrutscher auf nassem Laub oder Tramschienen und insbesondere durch ungenügende Sichtbarkeit der Velofahrer.

Deutlich seltener sind technische Mängel an den Velos die Unfallursache. Gleichwohl stellt die Polizei bei ihren Kontrollen immer wieder mangelnden Unterhalt fest – von schwachen Bremsen über schlechte Reifen bis hin zu mangelhafter oder gar fehlender Beleuchtung.

Darauf sollten Velofahrer im Winter im Strassenverkehr achten

  • gute Sichtbarkeit
    Sehen und gesehen werden ist das wichtigste Gebot. In der Schweiz sind Reflektoren vorne (in weiss) und hinten (rot) sowie an den Pedalen (orange) Pflicht. In der Dämmerung und nachts ist zudem ein ruhendes Licht vorne (weiss) und hinten (rot) vorgeschrieben. Zusätzliche Blinklichter an Kleidern oder Taschen erhöhen ebenfalls die Sichtbarkeit. Tragen Sie helle, leuchtende Kleider. Beim Tragen von dunkler Kleidung auf dem Velo wird zur besseren Sichtbarkeit eine Leuchtweste empfohlen.

  • gute Bremsen
    Achten Sie auf gut funktionierende Bremsen. Drückt man auf die Bremsen und das stehende Velo lässt sich trotzdem fortschieben, sollten die Bremsen unbedingt ersetzt werden.

  • gute Kleidung
    Die Kleidung sollte winddicht sein. Wegen dem kalten (Fahrt-)Wind kühlen Kopf, Hände und Füsse im Winter besonders schnell herunter. Handschuhe, Schal, ein Stirnband oder eine dünne Mütze unter dem Helm wissen dies zu verhindern. Es gibt sogar Helme mit Ohrwärmern.

  • Vorsicht ist besser als Nachsicht
    Tragen Sie stets einen Helm und fahren Sie vorausschauend! Lieber einen Gang herunterschalten und genügend Zeit einplanen. Bei heiklen Passagen zur Sicherheit vom Velo absteigen und es stossen. Falls Sie sich unsicher fühlen, lassen Sie das Velo am besten gleich daheim stehen. 

  • Vorsicht auf rutschigem Untergrund
    Bei rutschigem Untergrund ist der Bremsweg länger. Halten Sie deshalb ausreichend Abstand und fahren Sie vorsichtig. Achtung: Nasses Laub und nasse Tramschienen sind mindestens so rutschig wie Eis. Reduzierter Reifendruck erhöht den Halt auf glatter oder nasser Fahrbahn, weil der Reifen mit einer grösseren Fläche auf dem Untergrund aufliegt. Reifen mit genügend Profiltiefe sind ebenfalls von Vorteil. Es gibt auch für Alltagsvelos Winterreifen und Spikes, die bei Schnee und Eis guten Halt bieten.

So übersteht das Velo den Winter am besten

Gerade in der nasskalten Zeit ist es besonders wichtig, sich um die Pflege des Velos zu kümmern. Nach einer Fahrt über gesalzene Strassen sollte es mit klarem sauberem Wasser abgewaschen werden, um Folgeschäden durch das aggressive Streusalz vorzubeugen. Um das Schloss vor Kälteschäden zu schützen, empfiehlt sich zudem der Einsatz eines nichtfettenden Pflegesprays. Was es bei der Lagerung und Pflege des Velos im Winter sonst noch zu berücksichtigen gilt, erklärt Thomas Ernst, Inhaber von Velo Zürich.

Beobachter: Was ist bei der Lagerung des Velos bei kühlen Temperaturen zu beachten?
Thomas Ernst: Ein trockener Lagerplatz ohne übermässige Luftfeuchtigkeit ist von Vorteil. Es ist sicher besser, das abgeschlossene Velo in den Keller zu stellen als es im Hinterhof stehen zu lassen. Falls kein Veloraum zur Verfügung steht, ist zudem eine Schutzhülle hilfreich. Diese ist für 20 Franken im Fachhandel erhältlich. Grundsätzlich lässt sich sagen: Wird ein Velo im Herbst gut gepflegt und geschmiert im Keller eingelagert, verlängert das dessen Lebensdauer.

Beobachter: Welche Materialien des Velos sind besonders anfällig?
Ernst: Vor allem die Kette und andere rostende Teile leiden mit der Feuchtigkeit, dem Schmutz und der Nässe im Winter. Sattel, Griffe und Pneus altern zudem schneller, wenn sie täglich der Witterung ausgesetzt sind.

Beobachter: Welches sind die häufigsten Fehler, die Velofahrer bei der Velopflege im Winter machen?
Ernst: Sie lassen das Velo draussen ungeschützt stehen oder lagern es mit zu wenig Luftdruck ein. Da platte Reifen rissig werden, sollten die Pneus bereits im Herbst aufgepumpt und im Winter nachgepumpt werden.

Beobachter: Wie kann man an einem kalten Tag rasch überprüfen, ob das Velo tauglich ist?
Ernst: Wichtig ist, den Luftdruck der Reifen zu prüfen. Es hat auf jedem Velopneu eine Bezeichnung, die anzeigt, wie hoch der Druck im Minimum und im Maximum sein sollte. Die Bremsen sollten grundsätzlich vor jeder Fahrt geprüft werden: Kurz beide Bremshebel richtig ziehen und schauen, ob eine Bremswirkung eintritt.

Beobachter: Was raten Sie Besitzern von E-Bikes?
Ernst: Ein E-Bike-Akku sollte auf keinen Fall leer eingelagert werden oder sich auf null Prozent entladen. Dadurch kann er Schaden nehmen und im schlimmsten Fall gar ganz kaputt gehen. Den Akku am besten bei Zimmertemperatur und einem Ladezustand von 40 bis 60 Prozent lagern und ihn alle zwei Monate für 10 bis 20 Minuten ans Ladegerät hängen. E-Biker, die im Winter unterwegs sind, sollten den Akku jeweils langsam an die Zimmertemperatur akklimatisieren lassen, bevor sie ihn aufladen. So verlängert sich seine Lebensdauer.


Tipp: Wer sein Velo in der kalten Jahreszeit sowieso nicht benützen möchte, sollte sich frühzeitig um einen Termin beim Velomechaniker bemühen. Im Vergleich zum Frühling sind Velowerkstätten im Winter oft nicht stark ausgelastet und bieten in der Regel sogar günstigere Servicetarife an.

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Autor:
  • Elio Bucher
Bild:
  • Getty Images

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