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Internet

Schamlose Abzocker heucheln Mitleid

Text:
  • Martin Müller
Ausgabe:
3/09

Vorsicht vor Internetseiten, die vorgaukeln von Konsumentenschützern zu sein. Dahinter stecken Internetabzocker, die den Geprellten falsche Ratschläge geben.

Frecher gehts nicht: Erst lockt die Website leemm.com Besucher in die Abo-Falle, dann empfehlen falsche Beratungsseiten die Bezahlung.

Peinlich, dass man reingefallen ist! So den­ken viele, die auf Websites von Inter­netabzockern versehentlich ein Abo abgeschlossen haben. Umso wohltuender ist es, wenn sie im Web Ratschläge und Verhaltens­tipps ebenfalls Geprellter finden.

Auf Websites wie anti-abo­falle.com, verbraucher-wehren-sich.com oder vorbei-mit-abzocke.com finden sie angebliche Erfahrungsberichte. Anonyme Schreiber erzählen in einfühl­­sa­mem Tonfall, wie die Inkasso­forderungen immer drängender werden und was man dagegen tun könne.

Falscher Ratschlag: Bezahlen

Seltsam nur: Nicht bloss der Schreibstil ist auf all diesen Sites der gleiche – auch der Ratschlag ist es: Bezahlen müsse man so oder so, selbst wenn man einen Anwalt einschalte. Darum lohne es sich, so schnell wie möglich eine Ratenzahlung zu vereinbaren. «Das ist, so bitter es klingt, die wirklich günstigste Möglichkeit, sich sehr viel Ärger und Frust zu ersparen, und schont den Geldbeutel», heisst es etwa.

Dieser Ratschlag ist grundfalsch. Das ist kein Zufall, denn hinter den Internetseiten stehen nicht etwa Konsumentenschützer, son­dern die Internetabzocker selbst.

Es handelt sich um die AZ Web Content Ltd., die unter anderem die Website leemm.com betreibt. Sie wendet den ­gleichen Trick an wie jene Firmen, die eben erst den Prix Blamage erhalten ­haben, weil sie am meisten Beschwerden im Beobachter-Beratungszentrum auslösten (siehe Artikel zum Thema). Bei leemm.com soll man jährlich 96 Euro für eine «Sammlung hochwertigster Gutscheine» bezahlen.

Wie fühlt man sich, wenn man arglosen Internetsurfern ­zu­erst das Geld aus der Tasche zieht und sie dann noch mit geheucheltem Mitleid, falschen Ratschlägen und erfundenen «Erfahrungsberichten» neppt? Der Direktor von AZ Web Content, Bruno Windschers, wollte dazu nicht Stellung nehmen, auch den Vorwurf der Täuschung liess er unkommentiert. Ist wohl besser so.

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