Selfscanning Umstritten, aber beliebt

Selber scannen ist praktisch. Doch kostet diese Neuerung Arbeitsplätze?

Viele stehen Selfscanning-Kassen mit gemischten Gefühlen ­gegenüber, doch jeder zweite Kunde nutzt sie. Die Gewerkschaft Unia will nun Genaueres wissen.

In vielen Coop- und Migros-Filialen können Kunden an der Kasse selber Hand anlegen: 180 Läden der Migros sind bislang mit Self-Check-out-Stationen ausgerüstet, bei Coop sind es 150. Beide Grossverteiler planen einen ­wei­teren Ausbau. Diese Entwicklung hat die Gewerkschaft Unia aufgeschreckt. «An einer Sondertagung im Dezember wollen wir die Auswirkungen der Digita­lisierung auf die Arbeitswelt der Kassiererinnen untersuchen», sagt ­Natalie Imboden, Unia-Verantwortliche für den Detailhandel.

Kassiererinnen müssen kontrollieren

Hauptstreitpunkt dabei ist, ob die Selbstbedienungskassen zu einem Arbeitsplatzabbau führen. Das fürchten auch die Kunden: Zwei Drittel der Befragten sehen dies als Hauptnachteil der Self-Check-out-Stationen, zeigt eine aktuelle Umfrage des Markt- und Meinungs­forschungsinstituts Marketagent. Allerdings hielt das die Kundinnen und ­Kunden nicht davon ab, das Angebot zu nutzen. Die Hälfte gab an, bereits einmal an Selbstbedienungskassen bezahlt zu ­haben. Der Hauptvorteil dabei seien Zeitersparnis und das Vermeiden von langem Anstehen an der Kasse.

«Der Einsatz von Self-Check-out-­Stationen ist ganz klar eine Rationalisierungsmassnahme und sorgt dafür, dass weniger Personal eingesetzt wird. Wir verlangen Transparenz über die kurz- und längerfristige Entwicklung der ­Beschäftigtenzahlen», sagt Natalie ­Imboden. Für die Kassiererinnen bedeuten die Selbstbedienungskassen eine Ausweitung ihrer Aufgaben. Sie werden zur Betreuung der Kunden eingesetzt. Ausserdem führen sie Alterskontrollen beim Kauf von Alkohol durch und prüfen stichprobenweise, ob die Kunden ­alles bezahlt haben. «Diese neuen Kompetenzen müssen abgegolten werden», sagt Imboden.

«Zusätzliche Dienstleistung für die Kunden»

Migros und Coop sehen die Einführung der Selbstbedienungskassen nicht als Mittel, um Personalkosten zu sparen. «Der Grund für die Einführung der Self-Check-out-Stationen sind die kürzeren Wartezeiten. Mit unserem System Subito ermöglichen wir zudem unseren Kundinnen und Kunden, den Einkauf in ihrem eigenen Tempo abzuwickeln», sagt Migros-Mediensprecherin Christine Gaillet. Für Coop sind die Selbstbedienungskassen «eine zusätzliche Dienstleistung» für die Kunden, so Mediensprecher Ramón Gander.

Autor:
  • Gian Signorell
Bild:
  • Phlippe Rossier/«Blick»
02. Oktober 2015, Beobachter 20/2015

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