Bewilligung für Handy-TV
Zürich ebnet für die Swisscom den Weg
Kurzfristig änderten die Baubehörden eine Bewilligung ab, damit die Swisscom zur Euro 08 Handy-TV mit immenser Sendeleistung verbreiten kann.
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Damit Fussballbegeisterte in Zürich die EM-Spiele auf ihrem Handy in gestochen scharfer Qualität mitverfolgen können, sendet die Swisscom vom Zürichberg mit gewaltigen 10'000 Watt Ausgangsleistung - normales digitales Fernsehen oder Radio benötigt nur einen Bruchteil dieser Sendestärke. Doch das technologische Prestigeprojekt der Swisscom steht in Zürich auf wackligen Beinen: Die Bewilligung für diese neuartige Sende- und Antennenanlage, um digitales Fernsehen auf Handys zu übertragen (DVB-H, siehe auch Artikel zum Thema «Handy-TV: Fussballfreie Zone? Gibt es nicht!»), ist noch gar nicht rechtskräftig. Der Bauentscheid vom September 2007 wurde von mobilfunkkritischen Anwohnern und von der Interessengemeinschaft Gigaherz angefochten, jetzt liegt der Entscheid bei der Baurekurskommission.
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«Grenzt an Urkundenfälschung»
Doch dann geschah in den Stuben der Zürcher Behörden Wundersames: Das Amt für Baubewilligungen der Stadt Zürich änderte am 8. Mai 2008 einen Bauentscheid vom Dezember 2006 ab und fügte nachträglich eine Sendeleistung von 10'000 Watt in die Bewilligung ein, womit das neue Handy-TV rechtzeitig zur Fussball-EM möglich wurde. Im ursprünglichen Entscheid von 2006 waren lediglich zwei neue Radio- und eine neue TV-Sendeanlage mit weit geringerer Leistung bewilligt worden.
Den Anwohnern schrieb das Amt, es handle sich um ein «redaktionelles Versehen». Diese kritisieren nun, sie hätten Ende 2006 nur deshalb nicht gegen die neue Sendeanlage rekurriert, weil von Handy-TV mit massiv höherer Sendeleistung keine Rede war. Die Organisation Gigaherz zeigt sich empört: «Unseres Erachtens grenzt dieses Vorgehen an Urkundenfälschung.» Die Anlage sei illegal und die Verbreitung des TV-Programms für Handy «unverzüglich» einzustellen. Für Gigaherz-Präsident Hans-Ulrich Jakob ist der Fall klar: «Wäre die Sendeanlage für Handy-TV tatsächlich schon 2006 bewilligt worden, wäre 2007 gar kein Gesuch dafür mehr nötig gewesen.»
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© Beobachter Ausgabe 12 vom 11. Jun 2008 - Alle Rechte vorbehalten
