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Computerviren

«Die sind ständig einen Schritt voraus»

Text:
  • Markus Föhn
Bild:
  • Symantec
Ausgabe:
24/08

Hacker und Programmierer schädlicher Software gehen immer raffinierter vor, sagt Virenjäger Candid Wüest. Früher waren sie Freaks, die der Welt etwas beweisen wollten. Heute sind es gutorganisierte Banden.

Beobachter: Kann man den Kampf gegen Virenprogrammierer überhaupt gewinnen?
Candid Wüest: Wir können ihnen das Leben schwermachen. Aber letztlich liefern sie uns ein Katz-und-Maus-Spiel, das für uns nicht zu gewinnen ist. Machen wir eine Tür zu, suchen sie eine neue. Sie sind ständig einen Schritt voraus. Auch wenn sich unsere Arbeit in den letzten Jahren verändert hat.

Beobachter: Inwiefern verändert?
Wüest: Früher waren wir sozusagen mit dem Steckbrief unterwegs: Hatten wir von einem neuen Virus Kenntnis, versuchten wir, ihn mit einer neuen Software so schnell wie möglich unschädlich zu machen. Heute gehen wir proaktiv vor. Wir versuchen anhand von bestehenden Viren, Software zu kreieren, die künftige Viren erkennen kann.

Beobachter: Was nicht immer gelingt.
Wüest: Das gelingt nicht immer, doch angesichts der immensen Menge an Viren ist das auch nicht verwunderlich. Allein in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres sind weltweit rund eine halbe Million Viren aufgetaucht, die Websites infizieren und sich unbemerkt auf den Computer laden, wenn jemand die Seite ansurft.

Beobachter: Was wissen Sie über Ihre Gegner, die Virenschreiber?
Wüest: Es sind nicht mehr dieselben Leute wie vor zehn Jahren. Es sind nicht mehr irgendwelche Freaks, die der Welt beweisen wollen, wie clever sie sind, indem sie Computersysteme austricksen. Heute haben Virenprogrammierer kommerzielle Absichten. Ihre Programme suchen gezielt nach sensiblen Daten wie Passwörtern oder Kreditkartennummern.

 

Beobachter: Wie arbeiten sie?
Wüest: Das ist natürlich schwierig zu sagen. Wir gehen davon aus, dass es viele kleinere, gutvernetzte Gruppen gibt, die auf unterschiedliche Gebiete spezialisiert sind und projektbezogen zusammenarbeiten. Sicher ist: Es ist in den letzten Jahren eine richtige Industrie entstanden, mit firmenähnlichen Strukturen und Tausenden von Beschäftigten. Die Programmierer dieser Gruppen sitzen nicht etwa in einem Keller. Die gehen morgens arbeiten wie gewöhnliche Leute auch.

Beobachter: Es heisst häufig, diese Gruppen seien von Russland aus tätig. Wieso Russland?
Wüest: Diese Gruppen sitzen in Ländern, die eine eher lockere Internetgesetzgebung kennen. Da gehört Russland dazu, da gehört China dazu, zunehmend auch Brasilien. Ein grosser Teil der Hackerangriffe startet aber auch aus den USA.

Beobachter: Was haben Sie für ein Verhältnis zu den Virenschreibern? Ärgern Sie sich über sie?
Wüest: Mich reut es um das Talent, das sie darauf verschwenden, anderen Leuten Schaden zuzufügen. Es gibt clevere Leute unter ihnen, denen ich auf technischer Ebene durchaus Bewunderung entgegenbringe.

Beobachter: Die nur leider auf der falschen Seite stehen?
Wüest: Ich sehe mich nicht als Kämpfer gegen das Böse. Aber ich will den Hackern zeigen, dass auch wir etwas auf dem Kasten haben. Dass die nicht einfach so durchkommen mit ihren Programmen.

 

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© Beobachter Ausgabe 24 vom 26. Nov 2008 - Alle Rechte vorbehalten

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