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E-Books

Gutenberg gerät unter Druck

Text:
  • Markus Koch
Bild:
  • Jupiterimages Stock-Kollektion
Ausgabe:
17/09

Mit neuen Lesegeräten und aktuellen Bestsellern soll das E-Book den Durchbruch schaffen. Doch die immer noch magere Auswahl von Titeln trübt das digitale Lesevergnügen.

E-Books: Gutenberg gerät unter Druck

Klein wie ein A5-Notizblock, ein halbes Pfund leicht und eingeschlagen in geschmeidiges Leder: Der Reader PRS-505 von Sony kommt unauffällig daher, hat aber umso Grösseres vor. In Europa ist er derzeit die erste Wahl. Die Konkurrenz, der Kindle von Amazon, ist zurzeit ausserhalb der USA kaum nutzbar, weil man nur über Umwege und mit Tricks zu neuen Büchern kommt.

Der PRS-505 ist ein E-Book-Reader, ein Lesegerät für elektronische Bücher. Er soll die jahrhundertealte Definition in Frage stellen, wonach ein Buch eine gebundene Sammlung von bedruckten Seiten sei. «Gutenberg hat den Druck revolutioniert, Sony das Buch», heisst es ganz unbescheiden im Prospekt für das Gerät, das vergangenen Frühling mit der Unterstützung der grossen Buchhandlungen und -verlage lanciert wurde.

Nun ist die elektronische Form des Buchs nichts Neues. Im Internet finden sich beispielsweise viele Fachbücher in PDF-Dateiform. Sie zu lesen allerdings ist anstrengend: Mit zunehmendem Augenbrennen wegen der flackernden PC-Bildschirme sinkt die Lust auf die Lektüre.

Auch E-Book-Reader gibt es schon lange. Vor genau zehn Jahren startete das Rocket eBook mit dem Anspruch, das «Buch der Zukunft» zu sein – und hob nie ab. Seither kamen Dutzende Lesegeräte auf den Markt, die stets Ladenhüter oder Gadgets für technophile Trendjunkies blieben.

Der Reader PRS-505 als Vertreter einer neuen Generation von E-Book-Readern ist anders. Klein wie ein Taschenbuch. Mit Platz für 150 E-Books, mit maximaler Speichererweiterung gar für über 10'000. Und vor allem versehen mit einem fürs Lesen von Texten konzipierten Bildschirm, der Buchstaben und Bilder statt mit leuchtenden Pixeln durch schwarze Punkte bildet: scharf, kontrastreich, flimmerfrei und selbst im direkten Sonnenlicht oder aus schrägem Winkel problemlos und ermüdungsfrei zu lesen.

Vor- und Nachteile



Speicher für 150 bis 10'000 Bücher
lange Akkulaufzeit
gute Lesbarkeit
einfache Bedienung
E-Books zu Hause kaufen und sofort lesen
E-Books billiger als gedruckte Bücher
hoher Gerätepreis
bisher nur geringes Buchangebot
umständlicher Datentransfer
eingeschränkte Nutzungsrechte bei DRM-geschützten E-Books

Für Weihnachten viel vorgenommen

Da das Display nicht hinterleuchtet ist wie konventionelle Monitore, braucht es viel weniger Strom. So kann mit einer Akkuladung – staunend nachgeprüft – wochenlang geblättert werden. Mit simplem Tastendruck übrigens.

Doch es sind nicht nur die technischen Fortschritte, die den E-Books gute Karten geben, mehr als ein Nischenprodukt zu werden. Denn Sony hat es geschafft, die grossen deutschsprachigen Verlage und Buchhandlungen ins Boot zu holen. Diese waren bislang skeptisch gegenüber einer Digitalisierung ihrer Bestände.

Nun aber hat man sich auf ein neues Dateiformat mit digitaler Rechteverwaltung (DRM) geeinigt: EPUB von Adobe, bekannt für seinen PDF-Standard. Dank EPUB können die Verlage die Nutzung der in Online-Buchhandlungen gekauften E-Books einschränken: Das Kopieren kann unterbunden und die Nutzung auf fünf Geräte limitiert werden. So gewappnet, wollen sich die Verlage trauen, ihre Bestände zu digitalisieren und künftig sogar Bestseller zeitgleich zur gebundenen Ausgabe im Internet zu verkaufen.

Damit wird das E-Book auch für literarisch interessierte Leseratten attraktiv. Die Vorstellung, künftig mit einem vollen virtuellen Bücherregal in Form eines digitalen Taschenbuchs in die Ferien zu reisen, ist ebenso praktisch wie verführerisch.

In der Praxis zerplatzt dieser Traum jedoch schnell: Derzeit ist das E-Book-Angebot noch immer bescheiden. Kaum 2500 Titel stehen im Online-Shop des grössten Schweizer On- und Offline-Buchhändlers Orell Füssli zum Download auf den Sony-Reader bereit.

Auch die Aktualität der Auswahl kann nicht überzeugen. Nur ein, zwei Titel der Bestsellerlisten des Buchhandels sind auch als E-Book verfügbar. Dass sie meist 20 Prozent günstiger sind als die günstigste Druckversion, ist da ein kleiner Trost. Die 100 bis 120 E-Books, die den Kauf des 450 Franken teuren Readers amortisieren würden, kriegt man kaum zusammen.

Laut András Németh, Marketingleiter von Orell Füssli, wird sich dies allerdings rasch ändern: «Die Verlage sind nun aufgewacht», weiss er und verspricht: «Bis Weihnachten werden wir mindestens 20'000 Titel als E-Book anbieten können, darunter viele Bestseller.»

Doch nicht nur die Verlage, auch die Sony-Techniker haben noch viel Arbeit vor sich. Denn der Weg, wie die E-Books auf das Lesegerät kommen, ist sehr umständlich. Der Sony-Reader hat keine eigene Internetanbindung und muss über einen Computer gefüttert werden. Das gelingt nur mit den mitgelieferten Programmen eBook Library von Sony und Digital Editions von Adobe. Für Mac-OS- und Linux-Nutzer fatal: eBook Library gibt es derzeit nur für Windows.

Lesestoff und Reader: Es gibt Alternativen

E-Books gibt es nicht nur gegen Geld. «Project Gutenberg», «Google Buchsuche» und andere Quellen im Internet bieten elektronische Bücher zum Nulltarif, meist noch im PDF-­Format. Für E-Books benötigt man nicht unbedingt einen E-Book-Reader. Für fast alle ­Geräte mit Bildschirm, vom Handy bis zum PC, gibt es Programme, die sie dar­stellen können. Links und Infos dazu fin­den nachfolgend.

Seit Januar 2010 ­stehen neu auch Beobachter-Ratgeber zum Download bereit. Weitere Informatio­nen: www.beobachter.ch/buchshop

Mehr für weniger Geld: Abwarten lohnt sich

Trotz Kinderkrankheiten freut sich András Németh über das «dynamische Wachstum». Bereits habe man Geräte «im dreistelligen Bereich» verkauft, und wöchentlich würden 150 Buch-Downloads getätigt. Dass E-Books schon bald das gedruckte Buch ablösen, ist nicht zu erwarten. Auf 10 bis 15 Prozent schätzt Németh den Anteil der E-Books am Gesamtumsatz in fünf bis zehn Jahren.

Wer zuwartet, macht also nichts falsch. Mit dem Angebot in den Online-Buchhandlungen werden sich auch die Reader mehren, die das neue, DRM-geschützte EPUB-Format unterstützen. Verschiedene Hersteller haben Geräte angekündigt. Dadurch wird nicht nur der Preis sinken, sondern auch die Funktionalität steigen.

Die «digitale Revolution», die Sony mit dem ersten Reader der neusten Generation ausgerufen hat, dürfte noch etwas dauern und ein Buch weiterhin eine gebundene Sammlung von bedruckten Seiten sein.

Links zu weiterführenden Informationen

E-Book-Lesegeräte & -Infos

Hinweis

In der Schweiz ist derzeit nur der Sony PRS-505 E-Book-Reader offiziell und im Fachhandel verfügbar. Alle anderen Geräte findet man nur in Online-Shops und müssen in der Regel importiert werden. Beim Kauf muss darauf geachtet werden, dass das Gerät das EPUB-Format für kopiergeschützte E-Books unterstützt, auf dass sich die Verlage geeignet haben.

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E-Book-Programme

  • Mobipocket: Reader für das (noch) verbreitete Mobipocket-Format (Dateiendung: .prc), verfügbar für Windows, Mac, Linux sowie diverse Handy-, PDA- und Smartphone-Betriebssysteme.
  • Adobe Reader: Reader für das verbreitete PDF-Format, verfügbar für Windows, Mac, Linux sowie diverse Handy-, PDA- und Smartphone-Betriebssysteme.
  • Adobe Digital Editions: Kostenloser Reader für Dateien im EPUB- und PDF-Format. Unterstützt DRM-geschützte Dateien. Verfügbar für Mac und Windows.
  • Stanza: Gratis-Programm fürs Downloaden und Lesen von E-Books – u.a. auch im EPUB-Format - auf dem iPhone sowie Windows- und Apple-Computern.
  • Microsoft Reader: Öffnet Dateien in Microsofts wenig verbreiteten E-Book-Format LIT.
  • eReader: Zeigt unter anderem Palm Digital Media–Dateien (Dateiendung: .pdb) an.
  • Calibre: Ausgereifte und kostenlose E-Book-Verwaltung für Windows, Mac und Linux. Ermöglicht die Bearbeitung von Metadaten sowie die Konvertierung von Text-Dokumenten in die Formate EPUB und Mobipocket. Zudem kann Calibre automatisch News von Online-Nachrichtenportalen sammeln und auf E-Book-Reader laden.

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Online eBuchhandlungen

  • Orell Füssli Online-Shop: Mit aktuell 2'200 Titeln die grösste Buchhandlung mit E-Books im EPUB-Format. Die 125'000 E-Books im bislang verbreitetsten mobipocket-Format können nicht auf dem neuen Sony-Reader genutzt werden
  • Thalia - Online-Buchshop: 1'600 E-Books im EPUB-Format. Rund 150 Titel im PDF-Format können auf dem neuen Sony-Reader auch genutzt werden.
  • buch.ch: Rund 1'600 E-Books im EPUB-Format.

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Kostenlose eBibliotheken

  • Google - Buchsuche: Mit der Google Buchsuche können die Inhalte von Millionen von Büchern im Volltext durchsucht werden. Werke, deren Urheberrechte erloschen sind, können online gelesen oder im PDF-Format kopiert werden. Von allen anderen werden nur Auszüge und Leseproben angezeigt, und dazu Links zu Verlagen und Buchshops, wo die Texte als Buch oder E-Book gekauft werden können.
  • Project Gutenberg - Deutschsprachiges Bücherregal: Das internationale «Project Gutenberg» digitalisiert Bücher von Autoren, die vor mehr als 70 Jahren verstorben sind und auf deren Werke deshalb kein Urheberrechtsanspruch mehr besteht. Das deutschsprachige Bücherregal mit den Kategorien Drama, Kinderbuch, Lyrik, Prosa und Sachbuch bietet – teils in verschiedenen Dateiformaten, darunter PDF, EPUB und Mobipocket – mehrere hundert Werke und vereinzelt auch Hörbuch-Versionen davon zum freien Download an.
  • Projekt Gutenberg-DE: Das Projekt Gutenberg-DE, das nichts zu tun hat mit dem gleichnamigen internationelen «Project Gutenberg», enthält über 5'000 Werke mit erloschenem Urheberrechtsanspruch. Die Texte können einzeln und kostenlos im HTML-Format kopiert oder gesammelt auf DVD gebrannt für rund 50 Franken gekauft werden.
  • Bücher-Sucher.de: Online-Wegweiser rund um Bücher und Literatur im Web.

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© Beobachter Ausgabe 17 vom 19. Aug 2009 - Alle Rechte vorbehalten

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