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Editorial

Die SRG muss haushalten lernen

Text:
  • Andres Büchi
Ausgabe:
12/10

«Kostenstellen gelten bei der SRG offenbar als unbeeinflussbare Grössen.»

Beobachter direkt

Sind Sie bereit, mehr Gebühren zu zahlen? Wo soll die SRG sparen?

Diskutieren Sie mit

Die SRG, das sind: 6100 Angestellte, acht Fernseh- und 18 Radioprogramme, ein Jahresbudget von rund 1,6 Milliarden Franken, davon gut 1,1 Milliarden allein aus den Gebühren, und nicht zuletzt: Woche für Woche ­ungefähr eine Million Franken Verlust, Tendenz stark steigend.

Damit ist auch schon das Hauptpro­blem der SRG angesprochen. Der Koloss muss sparen. Doch genau dieses Wort, das heute jeder Staat, jeder Gemeindepolitiker, jeder Unternehmensführer, ­jede Familie kennen muss, um über die Runden zu kommen, ist im Luxusresort Leutschenbach und bei der SRG noch immer weitgehend unbekannt.

Es ginge auch effizienter

So gab Verwaltungsratspräsident ­Jean-­Bernard Münch Ende April dem «Tages-Anzeiger» seelenruhig zu Protokoll, man habe jetzt vier Optionen, um die desolate Finanzlage in den Griff zu bekommen. Erstens: Höhe der Gebühren. Zweitens: Kompensation der Gebührenbefreiung für Bezüger von Ergänzungsleistungen. Drittens: Lockerung der Werbe- und Sponsoringrichtlinien. Und viertens: ­Abstriche beim Programm.

Das Interessante neben der Reihenfolge der angedach­ten Massnahmen: Die Möglichkeit, durch Budget­disziplin und Kosten­senkun­gen Geld zu sparen – ohne Programm­abstriche –, kam Münch nicht mal in den Sinn.

Das verrät einiges über den Geist in den Führungs­etagen des Medienriesen. Kostenstellen gelten dort offenbar als unbeeinflussbare Grössen, sie werden beobachtet wie die Isobaren auf der Wetterkarte von Thomas Bucheli. Das Finanztief als eine Form höherer Gewalt. Das ist – in einer Zeit, in der alle sparen müssen – nicht nur inakzeptabel, es ist auch Unsinn. Gerade in einem Haushalt, der jahrelang ­privilegiert lebte, kann man drei bis fünf Prozent einsparen, ohne dass es hart an die Substanz geht. «Die SRG», weiss etwa Medienpionier Roger Schawinski, «kann man locker um einiges effizienter machen» (siehe Artikel zum Thema «Die letzte Chance für die SRG»).

Wo der Hebel angesetzt werden könn­te, zeigt unsere Titelgeschichte (siehe Artikel zum Thema «Medienriese SRG: Der Koloss muss abspecken»). Als Beispiele für allzu sorglosen Mittel­einsatz seien herausgepickt: das Luxusstudio Chasa in Chur, wo nicht weniger als 162 Angestellte ein paar wenige rätoromanische Radio- und TV-Sendun­gen produzieren, die mehrere Millionen Fran­ken teuren neuen Logos von Idée Suisse, die 1000-köpfige Hydra der Tessiner ­Abteilung. Aber auch die gross­zügigen Angebote des Reisebüros Leut­schen­bach, das Moderatorinnen und ­Moderatoren gern für gebührenfinanzierte und oft wenig informative Ausflüge nutzen, könnten schadlos etwas gestutzt werden.

Der neue SRG-Chef Roger de Weck jedenfalls wird nicht nur seine zweifellos reichen jour­nalistischen Kennt­nisse einbringen dürfen, sondern vorab Managerqualitäten
zeigen müssen.

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© Beobachter Ausgabe 12 vom 09. Jun 2010 - Alle Rechte vorbehalten

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