Editorial
Experiment Mensch
Darf der Mensch Gott spielen? In den Genbausatzkasten greifen und sich selber neu erfinden?

Befürworter versprechen, bald alle möglichen Krankheiten zu heilen, die Menschheit geistig hochzurüsten für immer komplexere Herausforderungen. Gegner verdammen solches Ansinnen als Verstoss gegen die Menschenwürde, als Eingriff in den Masterplan Gottes und beschwören die Horrorvision der Menschenfabrikation nach den Bedürfnissen des Marktes (lesen Sie dazu unsere Titelgeschichte «Humangenetik: Ein bisschen Gott spielen»). Der Streit ist grundsätzlich. Er zeigt, dass die Menschheit vor dem grössten Paradigmenwechsel ihrer Geschichte steht. Wir sind an jenem Punkt angelangt, wo wir vom in die Welt geworfenen, staunenden Subjekt zum Mitgestalter von Leben werden können. Ist das ein Verstoss gegen die Schöpfung? Oder ist es der Sinn unseres Seins, weil nur die Folge der uns mitgegebenen Fähigkeiten?
Sicher ist: Wir haben gelernt, dass der Schlüssel des Lebens geistiger Natur ist - eine Information, ein genetischer Code. Das lässt uns nach wie vor staunen und vielleicht auf eine höhere Macht schliessen. Aber der Code lässt sich verändern, und wir haben die Mittel dazu. Es stellt sich nicht die Frage, ob man sie nutzen darf oder nicht. Aber wir müssen uns fragen, welche Ziele wir damit erreichen wollen. Diese Debatte steht erst bevor.
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© Beobachter Ausgabe 20 vom 01. Okt 2008 - Alle Rechte vorbehalten
