Editorial
Im Glashaus des Internets
- Text:
- Ausgabe:
- 22/08
«Zu verlockend ist die Aussicht, allein mit ein paar Klicks Freunde in aller Welt zu gewinnen.»
Wie viele Freunde haben Sie? 5, 12, 30? Dann sind Sie nicht bei Facebook. Wer sich auf dieser Internetplattform mit Foto und Kurzlebenslauf präsentiert, hat 50 Freunde nach zwei Tagen. Aus aller Welt, virtuelle zuerst, aber das muss nicht so bleiben. Vielleicht ist ja die künftige Idealpartnerin darunter und wartet nur aufs erste Date in der realen Welt. Vielleicht ergibt sich auch die Chance auf den ersehnten Job in Frankreich oder in den USA. Und fast sicher kann man auf dem Weg über die Datenautobahnen rund um den Globus alte Freunde wiederfinden.
Aber was, wenn dem Chef das ins Netz gestellte Profil nicht gefällt? Was, wenn sich dort seltsame «Freunde» tummeln? Die Generation Facebook geht locker mit solchen Bedenken um. Man stellt sich gern ins Glashaus. Zu verlockend ist die Aussicht, allein mit ein paar Klicks Freunde in aller Welt zu gewinnen. Je mehr Freunde, desto besser, lautet die Maxime. Auch wenn Forscher der Universität Georgia in einer Studie kritisierten, je mehr Freunde ein User habe, desto stärker neige er zu Narzissmus. Narzissten aber seien kaum fähig, langfristige Beziehungen zu führen. Ein hartes Urteil − und vielleicht ein vorschnelles. Sicher ist: Portale wie Facebook werden unsere Beziehungsnetze verändern. Welche Chancen und Risiken das bietet, lesen Sie Im Artikel «Internet-Gemeinschaften: So viele neue Freunde»
Zurück
© Beobachter Ausgabe 22 vom 29. Okt 2008 - Alle Rechte vorbehalten